7. Teil Yamaha RD 350 LC Restaurierung – Bremsen und Kühlung

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Dieses Kapital widmet sich zwei wichtigen Komponenten der Yamaha RD LC Baureihe. Eine einwandfrei funktionierende Kühlung ist das „A und O“ an der Zweitakt-Yamaha. Über die Bedeutung der Bremsen der Yamaha RD 350 LC und ihrer kleinen Schwester RD 250 LC braucht man nicht zu philosophieren. Hier sind aber einige Fallstricke bei der Restaurierung zu beachten.

Inhalt des 7. Teils der Yamaha RD 350 LC Restaurierung

8. Kühlung

9. Bremsen

9.1 Vorderradbremse
9.2 Hinterradbremse

8. Kühlung

Die Kühlerschläuche gehen so gut wie nie kaputt und sind selbst nach dreißig Jahren noch geschmeidig und frei von Altersrissen. Die Schellen zeichnen sich zwar durch eine etwas eigenwillige Konstruktion aus, sind aber mit das Beste, was es auf diesem Gebiet gibt. Man zieht sie bei der Montage bis zum Anschlag fest und lockert sie dann wieder eine halbe Umdrehung. Das erleichtert später die Demontage. Der Kühler selbst ist ein ebenso filigranes wie hochwertiges Bauteil, bei dem leider oft die hauchdünnen Lamellen umgeklappt sind und den freien Luftstrom unterbinden. Es ist zwar ein Geduldsspiel, aber man sollte verbogene Lamellen wieder öffnen. Das geht mit einem Zahnstocher ganz gut. Man kann sich auch einem Stückchen Holz eine Art kleine Spatel schnitzen und damit die Lamellen richten. Die Wasserpumpeninnereien sollte man genauestens inspizieren und erneuern, wenn die geringsten Zweifel bestehen. Den Wellendichtring der Wasserpumpe kauft man bei Yamaha. Zubehörteile sind oft von fragwürdiger Qualität und schleifen Riefen in die Wasserpumpenwelle. Das Kühlsystem muss immer mit einer hochwertigen Kühlflüssigkeit für Aluminiummotoren befüllt werden. Falls man keine fertige Mischung verwendet, sollte zum Anmischen vollentsalztes oder destilliertes Wasser Verwendung finden. Leitungswasser ist zu aggressiv.

Der Temperatursensor geht beim Motoraus- und Einbau gerne kaputt und kostet neu von Yamaha über 100,- Euro. Der Sensor von Louis mit Gewinde M10 x 1 passt und funktioniert einwandfrei, kostet 14,99 Euro, Bestellnummer 10034665. Man muss nur einen kleinen Kabeladapter basteln, weil der Louis-Sensor niedriger baut und einen anderen Anschluss hat.

9. Bremsen der Yamaha RD 350 LC / RD 250 LC

Bezüglich der Bremsen der Yamaha RD 350 LC bzw. RD 250 LC gleich die gute Nachricht vorab: Sowohl die 250er mit „nur“ einer Bremsscheibe als auch die 350er mit Doppelscheibe vorn glänzen mit hervorragenden Verzögerungswerten. Zwar handelt es sich nicht um eine „Zweifingerbremse“ aber man bekommt sowohl das Vorderrad als auch das Hinterrad auf trockenem Asphalt jederzeit zum Pfeifen, sofern die Bremsanlage entsprechend gepflegt und gewartet wird.

9.1 Vorderradbremse

Es gibt zwei Ausführungen bei der Bremspumpe, die für die Yamaha RD 250 LC mit ½ Zoll  und die für die Yamaha RD 350 LC mit 5/8 Zoll Kolbendurchmesser. Etwas tricky ist die Befestigung des Bremslichtschalters an der Bremspumpe. Der ist geklipst. Zum Lösen muss man einen Dorn in die kleine Bohrung stecken, um die Plastiknase zurück zu drücken. Dann lässt sich der Schalter heraus ziehen. Manchmal geht es etwas schwer, weil sich Dreck angesammelt hat.

Die anfänglich verwendeten Bremszangen wurden wegen konstruktiver Unzulänglichkeiten (fehlende Abstützung des inneren Bremsbelags) bald durch höherwertige ersetzt, die auf den ersten Blick kaum anders aussehen, von denen aber kaum ein Teil der ersten Serie kompatibel ist, auch nicht die Bremsklötze. Auch Teile der 250er Bremse passen nicht unbedingt für die Bremse der Yamaha RD 350 LC. Die Kolben unterscheiden sich um etwa 2 mm in der Länge, was schon viele Schrauber an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil zum Beispiel die Zangen mit neu montierten Bremsklötzen nicht mehr auf die Bremsscheiben passten.

Yamaha RD Bremse
Reparatursätze und Bremsklötze sollte man
tunlichst original bei Yamaha kaufen (Foto: Heiner Jakob)

Bei der Ersatzteilbestellung ist es unerlässlich, dass man genau weiß, welche Bremse verbaut ist, eine aus der ersten Serie, oder die verbesserte der 46-PS-Version. Yamaha selbst liefert die kurzen Kolben ohnehin nicht mehr. Man greift entweder gleich zu Teilen aus Edelstahl aus dem Zubehörhandel oder muss die Kolben um 2mm abdrehen bzw. abdrehen lassen.

Komplette Yamaha Überholsätze für die Bremszangen einschließlich Kolben sind übrigens nur unwesentlich teurer als nur die Dichtringe. Billigdichtringe aus dem Zubehörhandel passen mitunter zu stramm, und die Kolben stellen sich nicht zurück. Im Zweifel sollte man bei der Bremse Originalteilen den Vorzug geben. Es könnte sonst sein, dass man sich zu Tode spart…

Wenn die Kolben fest sitzen, braucht man zum Zerlegen der Bremszangen eine umfunktionierte Fettpresse, an der man ein Stück alten Bremsschlauch angebracht hat. Das Gewinde für die Hohlschraube passt zwar nicht so ganz, aber für den Verwendungszweck ist das ausreichend. Mit der Fettpresse gehen selbst scheinbar hoffnungslos fest sitzende Kolben heraus. Die Presse kann man mit Spiritus füllen. Manche billigen Pressen funktionieren aber nur mit Schmiermitteln, zum Beispiel mit dünnflüssigem Öl. Da hinterher ohnehin alles sorgfältig gereinigt werden muss, spielt das keine Rolle. Der Dreck in den Nuten des Sattels lässt sich am besten mit einem winklig angeschliffenen Küchenmesser heraus schaben, es geht nur mechanisch. Dass man heute Stahlflexleitungen einbaut, auf Wunsch schwarz ummantelt, muss nicht betont werden.

Silikonbremsflüssigkeit von Mike Sanders garantiert ein langes Leben der Bremseninnereien, greift weder Lack noch Haut an, schmiert hervorragend, nimmt kein Wasser auf und muss daher so gut wie nie gewechselt werden. Ich verwende Silikonbremsflüssigkeit seit über 10 Jahren in allen meinen Motorrädern. Warum nicht längst Silikonbremsflüssigkeit Standard geworden ist, kann nur als rätselhaft bezeichnet werden. Angeblich ist der Aufwand beim Befüllen in der Großserie größer, weil das Entlüften länger dauern soll. Das kann ich nicht bestätigen. Silikonbremsflüssigkeit und herkömmliche Bremsflüssigkeit dürfen niemals gemischt werden.

Ohne die Bleche zwischen den Bremsklötzen und den Kolben kann die Bremse quietschen? Da die Bleche heute nicht mehr automatisch bei den Klötzen mitgeliefert werden, fehlen sie oft. Das ist aber eher ein Schönheitsfehler denn ein technischer Mangel.

Yamaha RD Bremse
Beim Glasperlstrahlen der Bremssättel müssen alle Bohrungen gut verschlossen werden, damit kein Strahlgut eindringen kann (Foto: Heiner Jakob)

Das Entlüften der Doppelscheibenbremse der Yamaha RD 350 LC funktioniert nur mit dem Unterdruck-Bremsenentlüfter vernünftig. Empfehlenswert ist der von Hazet. Der funktioniert mit Druckluft (Injektorprinzip) und lässt sich übrigens auch gut verwenden, um Flüssigkeitsreste aus dem Tank zu saugen. Hat man keinen zur Verfügung, kann man sich folgendermaßen helfen:

  1. Vorratsbehälter mit Bremsflüssigkeit befüllen (zwischendurch immer wieder nachfüllen)
  2. Bremsleitung an der Bremspumpe abschrauben
  3. Mit dem Finger die Bohrung am HBZ verschließen und so lange pumpen, bis die Luft raus und Druck da ist
  4. Bremsleitung festschrauben
  5. Nun so lange die Bremse betätigen, bis sich ein wenig Druck aufgebaut hat
  6. Beim Ziehen des Bremshebels Bremsnippel öffnen, beim Loslassen der Bremse schließen. Vorgang so oft wiederholen, bis keine Luftblasen mehr austreten.
  7. Nach dem Entlüften Bremshebel fest ziehen und in gezogener Position arretieren (mit Gürtel o.ä.)
  8. Nach 12 Stunden Gürtel lösen.

Jetzt sollte die Bremse sich „knackig“ anfühlen. Die Einscheibenbremse lässt sich einfacher entlüften als die Doppelscheibenbremse.

9.2 Hinterradbremse

NOS-Teile sind mit den alten asbesthaltigen Bremsbelägen bestückt und dürften streng genommen nicht mehr verkauft werden. Asbestfasern sind krebsauslösend. Der feine Unterschied zu krebserregend besteht darin, dass Asbest zu Lungenkrebs führt, während krebserregende Substanzen Krebs verursachen können, aber nicht zwangsläufig müssen.

Die Klebung der hinteren Beläge altert mit den Jahren – sie fallen dann einfach ab und blockieren das Hinterrad (siehe hierzu Beitrag „Lebensgefahr durch alte geklebte Bremsbeläge„). Selbst, wenn die Bremsbacken noch gut aussehen, sollte man sie gleich wegwerfen. Das Aufarbeiten lohnt nicht. Zubehörbremsbacken sind oft von derart mieser Qualität, dass vom Kauf abzuraten ist, weil die Bremswirkung gegen Null geht. Ursache ist, dass die Backen beim Bremsen seitlich wegwandern. Die Original Yamaha Teile sind nicht sehr teuer. Die packen zu und machen keine Probleme.

Yamaha RD Bremse
Dass man die Bremse komplett zerlegt und reinigt, versteht sich von selbst (Foto: Heiner Jakob)
Yamaha RD Bremse
Die Lagerung des Bremsnockens hält länger, wenn man sie mit hauchdünn aufgetragenem reinem Molydändisulfit einsetzt (Loctite 8012 Moly Paste) (Foto: Heiner Jakob)

Die hintere Bremstrommel setzt im Laufe der Jahre einen Rostrand an, der sich mit Schaber und Schmirgelpapier entfernen lässt. Die Bremse sollte wegen des enthaltenen Asbeststaubs nicht mit Druckluft ausgeblasen sondern mit flüssigem Motorradreiniger ausgewaschen werden. Ein nennenswerter Verschleiß der Bremstrommel ist mir noch nicht begegnet. Man baut neue Originalbremsbacken ein, und die Bremse funktioniert wieder. Die Welle des Bremsnockens sollte man bei der Montage dünn mit reinem Molybdändisulfit bestreichen – eine hochhitzebeständige Lebensdauerschmierung.

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