3. Teil Yamaha RD 350 LC Restaurierung – die Elektrik

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Gravierende Elektrikprobleme gehören nicht zu den Untugenden der Yamaha LC. Dennoch gibt es Schwachstellen in der Elektrik der Yamaha RD 350 LC, die man im Auge behalten muss.

Inhalt des 3. Teils der Yamaha RD 350 LC Restaurierung

4. Elektrik der Yamaha RD 350 LC

4.1 Kabelbaum
4.2 Bremslichtschalter
4.3 Wassertemperaturgeber
4.4 Blinkrelais
4.5 Sicherungskasten
4.6 Stator der Zündanlage
4.7 CDI Steuergerät
4.8 Blinker mit Kabelsträngen
4.9 Frontscheinwerfer
4.10 Heckleuchte
4.11 Instrumenteneinheit
4.12 Lenkerschalter
4.13 Batterie

4. Elektrik der Yamaha RD 350 LC

4.1 Kabelbaum

Der erste prüfende Blick gilt dem weißen Vierfachstecker unter der Sitzbank, der am von der Lima kommenden Kabelstrang mit den drei weißen und dem einen blauen Kabel sitzt. Der ist oft verschmort. Wenn das der Fall ist, kann auch die Lima einen Knacks haben. Korrosion auf Grund unterbliebener Pflege lässt den Übergangswiderstand so weit ansteigen, bis die Kontakte glühen und der Kunststoff schmilzt. Leider ist dies kein Normstecker, und es gibt ihn nirgends zu kaufen. Ich baue auf hochwertige Japanstecker um (Messing). Erforderlich ist eine professionelle Crimpzange, sonst wird das nichts. Ärger macht häufig der Sicherungskasten. Die Lösung ist unter Punkt 4.5  beschrieben. Solange keiner am Kabelbaum herum gepfuscht hat, macht der keinen Ärger, kann in aller Regel problemlos weiter verwendet werden und ist den angebotenen Nachbauten qualitativ haushoch überlegen. Dass man die Umhüllung prüft und die Isolation wo nötig nacharbeitet, versteht sich von selbst.

4.2 Bremslichtschalter

Sauber machen, einbauen – mehr ist normalerweise nicht zu tun. Das Teil findet in vielen Yamahas Verwendung. Notfalls ist Ersatz leicht zu beschaffen.

4.3 Wassertemperaturgeber

Leider geht der Kabelanschluss bei der Motormontage gerne kaputt, weil man damit am Rahmenrohr hängen bleibt, also besser demontieren, bevor man den Motor aus dem Rahmen hievt. Das Teil kostet bei Yamaha richtig Geld, und auch im Zubehörhandel sind Nachbauteile keine Sonderangebote. Bei DELO gibt es einen Fühler mit dem passenden Gewinde M10 x 1, Bestellnummer 10034665 für rund 15 Euro. Das Teil arbeitet einwandfrei, die Temperaturanzeige stimmt. Der Kabelanschluss muss allerdings angepasst werden.

4.4 Blinkrelais

Die Blinkrelais gehen an der Yamaha RD LC auch sehr selten defekt. Ersatz ist problemlos erhältlich. Im Bereich des Steuerkopfs gibt es einen freien Stecker. Der gehört zu einem elektronischen Bauteil, das den Blinker automatisch nach einer gewissen Zeit abschaltet. Manche LC´s sind damit ausgestattet.

4.5 Sicherungskasten

Die serienmäßigen Glassicherungen sind oft die Ursache rätselhafter Probleme mit der Elektrik der Yamaha RD 350 LC bzw. RD 250 LC. Äußerlich anscheinend intakt, verhindern sie oft den Stromfluss. Für eine ungetrübte Alltagstauglichkeit empfiehlt sich der Einbau von Flachsicherungen. Im Handel sind diverse Sicherungskomponenten erhältlich, so dass es mehrere Möglichkeiten für den Umbau gibt. Hier wurde eine kompakte Vierfach-Standardbox verwendet, die gerade so in die vorhandene Aussparung passt und auch nicht zu dick ist, so dass der Seitendeckel ohne Spannung passt.

Elektrik der Yamaha RD 350 LC
Bei der handelsüblichen Sicherungsbox wird der Sockel abgesägt, damit sie in die vorhandene Aussparung passt. Der Kabelzuführung erfolgt von unten statt von oben. An der Kabellänge wird jeder Millimeter gebraucht (Foto: Heiner Jakob)

4.6 Stator der Zündanlage

Ein zuverlässiges Bauteil. Defekte sind selten. Risse in der Isolationsschichtsind meistens bedeutungslos. Man kann sie mit Uhu plus verharzen. Die Steckerproblematik ist oben beschrieben worden. Manchmal ist der Pickup für die Zündung kaputt. Da es mehr defekte Polräder als Statorelemente gibt, wird man bei ebay schnell fündig werden. Der Pickup lässt sich auch neu wickeln. Ankerwickeleien erledigen das.

4.7 CDI Steuergerät

Das Steuergerät ist ziemlich unzugänglich hinter dem Motor am Kotflügel montiert und verrichtet dort zuverlässig und unauffällig seinen Dienst. Hier zeigt sich die Elektrik der Yamaha RD 350 LC von ihrer besten Seite – ein Defekt ist mir noch nie begegnet.

4.8 Blinker mit Kabelsträngen

Die Blinker der Yamaha RD LC stehen ziemlich weit ab und sind meistens beschädigt. Ersatz ist in unterschiedlicher Qualität im Zubehörhandel erhältlich. Meistens passen die montierten Kabel nicht. Auch hier ist Originalteilen der Vorzug zu geben. Alle vier Blinker sind unterschiedlich. Die Gehäuse sind formgleich. Die Lampenfassungen unterscheiden sich durch die Länge und Farbkombination der angelöteten Kabel.

4.9 Frontscheinwerfer

Ersatz für blinde Scheinwerfereinsätze ist preiswert erhältlich, da es sich um eine Standardteil handelt. Die verchromten Lampenringe, der innere und der äußere, sind mit Glück und für teures Geld noch neu von Yamaha zu bekommen, Gehäuse allenfalls als NOS. Yambits bietet einen preiswerten Ersatzscheinwerfer aus dem Zubehörsortiment an, der dem Original ähnlich ist. Kein einziges Teil ist mit dem Original kompatibel, auch die Lampenringe passen nicht. Außerdem fehlt das Prüfzeichen. Ich habe den Yambits Scheinwerfer trotzdem schon einige Male verbaut und zugelassene Scheinwerfereinsätze montiert. Wenn man sonst nichts hat, ist das ein gangbarer Weg.

4.10 Heckleuchte

Die Heckleuchte ist in dieser Form an vielen Yamahas verbaut worden. Ersatz ist sowohl neu als auch gebraucht zu bekommen. Meistens kann man das Teil jedoch retten.

4.11 Instrumenteneinheit

Leider hat man auch hier nur begrenzte Chancen, unversehrte Bauteile vorzufinden. Die Schrift im mittleren Anzeigeteil ist meistens nicht mehr zu lesen. Die Gehäuse weisen Kratzer oder Unfallschäden auf. War die Instrumenteneinheit schon einmal zerlegt, ist sie eigentlich immer falsch zusammen gebaut.

Wichtig: Niemals Tachometer und Drehzahlmesser der Yamaha RD mit dem Glas nach unten lagern, es beschlägt. Warum, kann ich nicht sagen. Es ist einfach so, und das Blinde geht auch nicht mehr weg.

Tacho und Drehzahlmesser gehen genau, solange kein Tachometerdienst seine Finger im Spiel hatte. Das ist die Erfahrung aus mehreren Versuchen mit den Firmen, die überall inserieren.

Die ganze Instrumenteneinheit ist ziemlich filigran. Man sollte sich genau merken, welche Schrauben wohin gehören, wie die Kabelstränge verlegt sind und die ganze Apparatur zusammen gehört. Am besten man fotografiert beim Zerlegen der Elektrik alles Schritt für Schritt. Nur so bekommt man es wieder richtig zusammen. Es ist trotzdem eine ziemliche Fummelei. Man muss einfach den Bogen raus haben, dann geht es.

Ist der Zündschlüssel abhanden gekommen, stellt das kein Problem dar: Eingravierte Nummer notieren und neue Schlüssel bei Körtner bestellen. Unterschiedliche Schließungen am Zündschloss und der Sitzbankverriegelung – auch kein Problem.

Tipp: Die Spezialisten von Körtner bauen die Schlösser auf einheitliche Schließung um. http://www.koertner-sicherheit.de/schluesselfertigung/

Gehäuseober- und Unterteil gibt es noch neu von Yamaha und auch von Yambits. Leider sieht man an den japanischen Schriftzeichen sofort, dass es sich um ein Ersatzteil jüngeren Datums handelt. Die Originale hatten diesen Schriftzug nicht ganz unten im Anzeigenfeld. Von den vielen Lämpchen ist immer eins kaputt. Am besten, man erneuert sie alle und prüft die Funktion vor dem Einbau. Wenn die Instrumenteneinheit erst einmal am Motorrad montiert und verkabelt ist, bedeutet es eine Menge Arbeit, auch nur ein Lämpchen zu tauschen. Die ganze Einheit muss dazu komplett zerlegt werden.

Yamaha RD LC Elektrik
Zündschlüssel abhanden gekommen? Kein Problem! (Foto: Heiner Jakob)

4.12 Lenkerschalter

Lenkerschalter gibt es tatsächlich neu zu kaufen, und sie sind sogar bezahlbar. Das ist eine Überlegung wert, bevor man sich an die Arbeit macht und die Teile restauriert. An sich sind die Schaltereinheiten zuverlässig, solange sie richtig eingebaut werden und die Kabelstränge am Lenker mit Kabelbindern gut befestigt sind. Ist dies nicht der Fall, und die Kabelstränge können sich freibewegen, brechen die Lötstellen an den Platinen, und nichts geht mehr. Mit guten Augen und einem Feinlötkolben lässt sich der Schaden beheben. Man braucht allerdings eine hoch entwickelte Feinmotorik. Wenn die Blinker nicht funktionieren bzw. einen Wackelkontakt aufweisen, deutet dies auf gebrochenen Lötstellen an der Platine hin.

4.13 Batterie

Soll ein Motorrad nur noch selten gefahren werden, macht der Einbau einer Batterie wenig Sinn. Die Alternative gibt es original von Yamaha in Form eines hochwertigen Kondensators von der XT 500. Kondensatoren gleicher Kapazität gibt es für ganz kleines Geld im Zubehörhandel und für noch kleineres Geld bei Conrad Elektronik. Die sind aber weder feuchtigkeits- noch stoßresistent.  Ansonsten wird man zu einem Blei-Gel-Akku greifen, der viele Monate ohne Nachladen übersteht.

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