Yamaha RD 350 LC – Renntechnik für die Straße

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Als die Yamaha RD 350 LC 1980 auf den Markt kam, revolutionierte der japanische Motorradhersteller das Bild vom Zweitakter und schuf eine echte Motorradlegende mit zwei Takten, zwei Zylindern, Wasserkühlung und Leistung pur. Doch wie kam es soweit?

Yamaha RD 350 LC
Die Yamaha RD 350 LC debütierte 1980 (Quelle: Heiner Jakob)

Nach dem Krieg musste eine bewährte Konstruktion her

Wir schreiben das Jahr 1955. Nach dem verheerenden Krieg geriet Yamaha als Hersteller von Musikinstrumenten zunehmend in Bedrängnis. Und Pianos mit den drei gekreuzten Stimmgabeln als Firmensignet brauchte zu jener Zeit kaum jemand mehr. Mobilität für alle lautete die Devise, um Wirtschaft und Land aus der Lethargie zu reißen. Keine Zeit für Experimente und eigene Entwicklungen. Eine bewährte Konstruktion musste also her. Die erste Yamaha war – wie könnte es anders sein – eine DKW, genauer gesagt, eine der vielen Raubkopien des Zschopauer Erfolgsmodells RT125. 1957 folgte die erste 250er Zweizylinder-Zweitaktmaschine von Yamaha. An die Adler erinnert allenfalls das Motorenkonzept. Die Geschichte der Adler ist bekannt, was genau Yamaha aus dem „Erbe“ machte, vielleicht nicht so sehr.

Yamaha YA1
Erstlingswerk: Die Yamaha YA1 „Rote Libelle“ (Quelle: Yamaha)

Die Nachfolgerinnen der geklonten 125er DKW schrieben Motorradgeschichte. Die schnellen Zweizylinder-Yamaha traten einen unvergleichlichen Siegeszug an. Yamahas Zweitakter beherrschten gleichermaßen Rennstrecken und Straßenbild. Während die luftgekühlten Modelle in Sammlerkreisen längst akzeptiert und etabliert sind, kämpfen die wassergekühlten RD-Nachfolger noch ein wenig um die Wertschätzung. Zu jung und zu modern im Erscheinungsbild kommen sie daher – und dennoch, man will es nicht glauben, sind über 35 Jahre seit der Markteinführung der ersten „LC“ vergangen.

Neuauflage eines Erfolgsmodells – RD350LC

Die Yamaha RD350LC kam 1980 in zwei Motorisierungen auf den Markt – die RD 250 LC mit 38 PS und eine 49 PS starke 350er. Die Abkürzung „RD“ steht dabei für „Race Development“. Bei den ersten luftgekühlten RD´s in den Jahren 1973 bis 1975 gab es in der Tat noch Gemeinsamkeiten zwischen den Yamaha Production-Racern und den „zivilen“ Versionen für die Straße. Zeitweise erfolgte sogar die Motorenfertigung auf denselben Montagelinien. Doch die „Liquid Cooled“ weist keine gemeinsamen Bauteile mit den TZ-Rennmaschinen auf. „Renntechnik für die Straße“ war ein Werbeslogan jeder Zeit – mehr aber auch nicht.

Yamaha RD 350 LC
Die Yamaha RD 350 „Liquid Cooled“ kam als komplette Neuentwicklung (Quelle: Heiner Jakob)

Die Yamaha RD 350 LC war ein treuer Begleiter mit rasantem Motor

Der Fahrspaß ist für ein Motorrad aus jenen Tagen legendär. Mit ein wenig Zuwendung ist die Yamaha RD 350 LC ein treuer Begleiter für´s Leben. Die Maschine besticht durch eine geradezu spielerische Handlichkeit – kein Wunder bei gerade einmal 140 Kilogramm. Das beginnt beim Rangieren und Aufbocken, beim Durchmogeln im Stadtverkehr bis hin zum lustvollen Zirkeln auf der Landstraße. Wobei auch Autobahnfahrten die LC – im Gegensatz zur landläufigen Meinung – vor keinerlei Probleme stellen. Rund 180 Sachen läuft die 350er.

Yamaha RD 350 LC
Yamaha Triebwerk mit turbinenartiger Leistungsentfaltung (Quelle: Heiner Jakob)

Für die flottere Gangart eignet sich natürlich die RD 350 LC YPVS (Yamaha Power Valve System) mit ihrer Verkleidung besser.

Dem Fahrwerk mit Doppelschleifen-Rohrrahmen spendierte Yamaha bei der Neuauflage ein Zentralfederbein mit progressiver Cantilever-Schwinge hinten und stellte die flotte Maschine auf moderne Leichtmetall-Gussräder anstelle von Stahlspeichenfelgen wie bei der luftgekühlten RD 350.

Wer seinen Spaß haben möchte, ohne zentnerweise Alteisen auf die Werkbank zu wuchten, ist mit dem filigranen Zweitakter gut bedient. Ob kalt oder warm – dank Membraneinlass und elektronischer Zündung springt der 347 ccm große, wassergekühlte Zweitaktmotor der RD 350 LC immer leicht und zuverlässig an, läuft ausgesprochen kultiviert und nimmt ab Leerlaufdrehzahl ruckfrei Gas an. Das Yamaha-Triebwerk verrichtet turbinenartig seinen Dienst und glänzt eher mit Zuverlässigkeit als mit geringen Verbrauchswerten. Je nach Fahrweise laufen dann mal locker 6 bis 10 Liter auf 100 Kilometer durch die beiden 28er Mikuni-Vergaser.

Yamaha RD 350 LC
Zwei Mikuni Vergaser versorgten den membrangesteuerten Motor (Quelle: Heiner Jakob)

Dafür begnügt sich die Yamaha RD 350 LC mit wenig Öl – dank der Yamaha Autolube Getrenntschmierung. Ein Liter auf 1.000 Kilometer sind auch aus heutiger Sicht ein guter Wert . Rauch entsteht beim Start. Einmal auf Temperatur, verschwinden die Wölkchen. Wer Synthetiköl fährt, macht auch nicht über den Geruchssinn auf sich aufmerksam. Den Umweltengel wird die RD dennoch niemals bekommen. Das ist so und ist auch nicht zu ändern.

Inzwischen ist die Yamaha RD 350 LC rar geworden

Mittlerweile sind die wassergekühlten 350 RD‘s der ersten Stunde richtig rar geworden. Wer mit dem Gedanken spielt eine Yamaha RD350LC zu kaufen, sollte nicht zögern. In England haben die „Elsies“ längst Kultstatus erreicht. Für Neuteile werden teilweise horrende Preise bezahlt. Auch hierzulande ist die 350 LC längst nicht mehr ein Gerät, mit dem sich mit wenig Kohle heizen lässt. Viele trauern ihrer alten Liebe nach und legen sich wieder eine LC zu, manchmal nach dem Motto, koste es was es wolle.

Yamaha RD 350 LC
Aussterbende Spezies – Yamaha RD 350 LC (Quelle: Heiner Jakob)

Bei richtiger Wartung: Problemloser Klassiker

Heute darf man die Yamaha RD 350 LC mit dem roten Dauerkennzeichen fahren. Geht das überhaupt – mit einem Motorrad, das Klacks seinerzeit als unfahrbar bezeichnete, dem Heerscharen von Bedenkenträgern Kolbenfresser und Kurbelwellenschäden en Masse prophezeiten? Ja, es geht! Ich befasse mich seit über 20 Jahren mit den schnellen Yamahas und fahre sie auch im Alltag. Missen möchte die agile Adler-Nachfolgerin aus Fernost nicht mehr, der man im gepflegten Serientrimm durchaus eine hohe Zuverlässigkeit bescheinigen kann, wenn man den Motor turnusmäßig überholt. Das ist der Preis, den man als RD 350 LC Liebhaber zahlen muss. Wobei auch heute noch der Austausch von Kolben und Lagern nicht viel mehr kostet als die Jahresinspektion an einem modernen Superbike.

Hilfreiche Tipps zum Gebrauchtkauf der Yamaha RD 250 LC und 350 LC gibt es hier.

Yamaha RD 350 LC
Das Baujahr 1985 sind man ihr nach über 30 Jahren nicht an (Quelle: Nippon-Classic.de)

Yamaha RD 350 LC technische Daten

  Yamaha RD 350 LCYamaha RD 350 LC YPVS
1. Fakten
Produktion1980 - 19831983 - 1985
Nummerierung (Rahmen)
Farben
Neupreis5.0345.838
2. Motordaten
Motortyp2-Zylinder, 2-Takt, wassergekühlt2-Zylinder, 2-Takt, wassergekühlt
VentilsteuerungMembrangesteuertMembrangesteuert, Yamaha Power Valve System
Nockenwellekeinekeine
Hubraum347 ccm347 ccm
Bohrung64 mm64 mm
Hub54 mm54 mm
Verdichtungsverhältnisn/an/a
Vergaser2 Mikuni-Rundschiebervergaser mit je 28 mm Durchlass2 Mikuni-Rundschiebervergaser mit je 28 mm Durchlass
3. Leistungsdaten
Leistung49 PS59 PS
bei Drehzahl8.700 U/min9.200 U/min
Drehmoment40 Nm40 Nm
bei Drehzahl8.200 U/min8.200 U/min
Leistungsgewicht2,8 Kg/PS2,4 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit178 km/h189 km/h
4. Abmessungen
Länge2.100 mm2.100 mm
Radstand1.355 mm1.355 mm
Reifen vorn3.00 H -1890/90 H18
Reifen hinten3.50 H -18110/80 H 18
Leergewicht139 Kg142 Kg
5. Bremse
Bremse vorn2 Scheiben 270 mm2 Scheiben 270 mm
Bremse hintenSimplex 170 mm1 Scheibe 267 mm
6. Antrieb
Getriebe6-Gang Fußschaltung6-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKette
StarterKickstarterKickstarter

 

Mit freundlicher Unterstützung von Heiner Jakob

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