2. Teil Yamaha RD 350 LC Restaurierung – die Lackteile

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Die Lackteile sind das Aushängeschild jeder Oldtimer-Restauration. Teil 2 der Yamaha RD 350 LC Restaurierung erläutert alle notwendigen Arbeiten vom Lacksatz mit Dekoren bis hin zur Reparatur von Seitendeckeln und Aufarbeitung der Schutzbleche.

Inhalt des 2. Teils der Yamaha RD 350 LC Restaurierung

2. Lackteile

2.1 Tank der Yamaha RD LC
2.2 Seitendeckel links und rechts
2.3 Heckbürzel
2.4 Schutzblech vorne
2.5 Lackteile der Yamaha RD 350 LC und RD 250 LC nach Typ und Baujahr

3. Sitzbank

2.  Lackteile

Die alten Rezepturen braucht man heute nicht mehr. Moderne Lackierereien können Lacke scannen und deren Zusammensetzung analysieren. Der Lackierer mischt den passenden Lack für die Yamaha RD 250 LC und RD 350 LC vor Ort aus festen Pigmenten und Lösemitteln bzw. Trägersubstanzen. Gut sortierte Lackierer haben darüber hinaus tausende Farbkarten aller weltweit gebräuchlichen Auto- und Motorradlacke. Hat man den korrespondierenden Farbton identifiziert, tippt der Lackierer den Code in die rechnergesteuerte Mischanlage ein und bekommt genau den gewünschten Farbton. Auf jeden Fall ist das präziser und kostengünstiger als angeblich alte Originallacke bei zu kaufen. Die wären längst eingetrocknet.

Die weißen Lackteile der Yamaha RD 350 LC entsprechen im Farbton RAL 9010 Reinweiß, die schwarzen RAL 9005 Tiefschwarz.

Die meisten von uns verfügen nicht über die Möglichkeiten für eine professionelle Lackierung. Möchte man die Arbeit komplett an einen Fachbetrieb vergeben, reißt das ein tiefes Loch ins Budget. Die Lackierbetriebe sind auch nicht sonderlich erpicht auf Motorradteile. Die glatten Flächen einer Autokarosserie stellen weniger Ansprüche, und die Aufträge sind lukrativer, da meist über die Versicherung abgerechnet wird. Man wird aber einen Lackierer finden, muss aber für einen kompletten Lacksatz für die Yamaha RD 350 LC mit bis zu 1000 Euro rechnen, wenn man nicht einen Teil der Arbeiten vorher erledigt. Das will gut überlegt sein, denn mit Pfusch tut man sich keinen Gefallen. Bei der Vorbereitung und Lackierung der Motorrad-Oldtimer ist äußerste Sorgfalt ist angesagt. Das Schleifen ist eine zeitaufwändige Prozedur. Entsprechend lässt sich hier Geld sparen, wenn man es selbst erledigt. Heute schleifen die Profis kaum noch nass. Es gibt Trockenvlies in allen gängigen Körnungen, mit dem sich rationell arbeiten lässt.

Das Aufbringen der Dekore für die Yamaha RD LC erfolgt dann mit der sog. Wasserschiebetechnik, die in einem anderen Beitrag beschrieben ist.

RD 350 LC Restaurierung
Dekore werden mit der Wasserschiebetechnik aufgebracht (Foto: Heiner Jakob)

2.1 Tank der Yamaha RD LC

Die meisten Tanks haben Beulen und sind innen rostig. Der Rost muss zwingend raus. Bei den Beulen ist das eher eine Frage der Mentalität: Sollen sie aufwändig entfernt oder einfach überspachtelt werden? Ich mag keine Spachtelmasse, also müssen auch die Beulen raus. Der Beulendoktor vollbringt auch keine Wunder. Er stellt das ursprüngliche Tankvolumen wieder her. Oft wäre der Aufwand, eine glatte Blechhaut zurück zu gewinnen, unbezahlbar. Also bleibt das Ergebnis runzelig, und der Lackierer wird es richten. Manche Beulen lassen sich nicht mehr spurlos entfernen, aber bei glatten Dellen hat man selbst als Laie gute Chancen, wenn man die Arbeit und ca. 100,- Euro Werkzeugkosten nicht scheut. Die Vorgehensweise ist in einem anderen Artikel ausführlich beschrieben.  Die Beulen werden mit geklebten Zugadaptern und dem Gleithammer gezogen und geglättet. Damit lassen sich mit ein wenig Übung erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Auch das Entrosten ist in einem anderen Beitrag beschrieben. Unter www.beule-im-tank.de bietet ein Fachbetrieb sowohl die Tankinnensanierung als auch Ausbeularbeiten an. Der Andy Weiss hat gut zu tun, was für ihn spricht. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man die Arbeiten selbst hin bekommt, sollte man den Tank vom Profi sanieren lassen.

2.2 Seitendeckel links und rechts

Selten sind die Seitendeckel der Yamaha RD rissfrei. Yamaha hat an der Wanddicke derart gespart, dass an einer speziellen Stelle immer ein Riss vorhanden ist. Mit sehr viel Sorgfalt lassen sich die Risse dauerhaft sanieren. Ich verwende dazu papierdünnes Glasvlies, das ich mit Uhu Plus Endfest 300 innen auflaminiere. Vorher strahle ich die Klebestelle, damit sie absolut sauber und rauh ist. Aceton zum Entfetten ist unerlässlich. Leichtes Erwärmen lässt der Kleber dünnflüssig werden, so dass er in jede Ritze eindringt. Neue Seitendeckel gibt es als Nachbau in U.K. zu kaufen. Bevor man sich lange mit einer Sanierung aufhält, ist das der effizientere Weg.

2.3 Heckbürzel

Auch die Heckbürzel sind normalerweise rissig, und zwar im Bereich der Befestigungsbohrungen. Hier ist mit Kleben nichts zu machen. Das ist ein Fall für den Kunststoffschweißer. Im Zweifel sollte man versuchen, bei Horst Meise ein Neuteil zu bekommen.

2.4 Schutzblech vorne

Meistens ist der verzinkte Halter unansehnlich. Von der originalen Glanzverzinkung ist nichts mehr da, und die braune Pest hat zugeschlagen. Am besten, man bohrt die Nieten heraus und gibt den Halter zum Galvaniseur. Problem: Blindnieten mit dem originalen Kopfdurchmesser gibt es nicht im Handel. ich verwende von Gesipa 5 x 12 Großkopf, Artikelnummer 6304052 und lege wie beim Original Scheiben unter. Leider sind auch die außerhalb der Norm. Man muss entweder die alten aufarbeiten oder sich welche anfertigen. Auch hier gilt: Schauen, ob man ein Neuteil bekommt. Das kommt oft preisgünstiger als das Restaurieren. Ansonsten: Schleifen und ab zum Lackierer.

2.5 Lackteile der Yamaha RD 350 LC und RD 250 LC nach Typ und Baujahr

Yamaha RD 350 LC – Typ 4L0:  Dekor auf Reinweiß RAL 9010 für die Jahre 1980 und 1981

Yamaha RD LC Lackierung
Tankdekor 4L0 1980 und 1981 (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 350 LC – Typ 4L0: Dekor auf  Candy Blue für das Jahr 1982 (nicht in Deutschland)

Yamaha RD LC Lackierung
Tankdekor 4L0 1982 (nicht für Deutschland) (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 350 LC – Typ 4L0: Dekor auf Reinweiß RAL 9010 für das Jahr 1982

Yamaha RD LC Lackierung
Tankdekor 4L0 1982 (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 350 LC – Typ 4L0: Dekor auf Tiefschwarz RAL 9005 für das Jahr 1982

Lackteile der Yamaha RD 350 LC
Tankdekor 4L0 1982 (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 250L C – Typ 4L1: Dekor auf Reinweiß RAL 9010 für das Jahr 1980

Yamaha RD LC Lackierung
Dekor 4L1 1980 (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 250 LC – Typ 4L1: Dekor auf Tiefschwarz RAL 9005 für das Jahr 1981

Yamaha RD LC Lackierung
Dekor 4L1 1981 (Quelle: Heiner Jakob)

Yamaha RD 250 LC – Typ 4L1: Dekor auf Tiefschwarz RAL 9005 für das Jahr 1982

Lackteile der Yamaha RD 250 LC
Dekor 4L1 1982 (Quelle: Heiner Jakob)

3. Sitzbank

Wenn man Glück hat, ist die gabelförmige Arretierung am vorderen Ende des Chassis noch vorhanden und unversehrt. Meistens ist dies leider nicht der Fall. Man kann auch ohne leben. Die Sitzbank hält zur Not auch so. Ansonsten ist das Chassis solide. Der Schaumkern ist oft vorne brüchig. Das kann der Sattler aufpolstern. Es gibt aber Kerne nachzukaufen, ebenso sehr ordentlich Bezüge, einfach bei Horst Meise nachfragen.

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