Welches Motoröl ist für Motorräder das richtige?

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Vier entscheidende Fragen für die Wahl des Motoröls

1) Handelt es sich um einen Motor mit Gleitlagern oder mit Wälzlagern?

2) Werden Motor und Getriebe gemeinsam oder getrennt mit Öl versorgt?

3) Besitzt der Motor bereits einen zu wechselnder Ölfilter im Hauptstrom?

4) Ist der Motor ungeöffnet und soll so weiter betrieben werden oder soll er von Grund auf überholt werden und dabei alle ölführenden Teile penibel gereinigt werden?

Warum spezielles Motorradöl?

Als unsere japanischen Motorräder auf den Markt kamen, bedienten sich Auto- und Motorradfahrer beim Ölkauf noch aus demselben Regal. In vielen der damaligen Bedienungsanleitungen ist als Ölqualität SAE 10W30 Typ API-SE empfohlen – ein Öl, das auch den Motor des Opel Rekord schmierte. Heute sehen wir uns mit einer komplett veränderten Situation konfrontiert. Im Motorradbau setzte sich bei den Viertaktern der Blockmotor durch. Im Gegensatz zum Auto bilden beim Motorradmotor Motor, Getriebe und Kupplung eine Einheit mit gemeinsamer Ölversorgung. Immer höhere Motorleistungen ließen Nasskupplungen und Motorradgetriebe zum Knackpunkt werden und führten zur Entwicklung von Hochleistungsschmierstoffen gegen Kupplungsrutschen und Karies an Zahnrädern.

Die Spezifikationen von Auto- und Motorradölen unterscheiden sich grundlegend und drifteten mit Einführung der JASO 4-T-Norm im Jahr 1999 endgültig auseinander. Moderne Auto-Öle sind daher der sichere Tod vieler Motorradmotoren, und umgekehrt gehören spezielle Motorradöle nicht in Automotoren.

Entscheidungskriterien, um das richtige Motoröl für das Motorrad zu finden
Entscheidungskriterien, um das richtige Motoröl für das Motorrad zu finden (Foto: Fotolia)

8 Entscheidungskriterien für das richtige Motorradöl

  1. Hauptstromgefilterte Gleitlagermotoren ohne eingelagerten Altabrieb sind mit modernen Ölen bestens versorgt. Gebrauchte Motoren sollten nicht auf Öle einer deutlich höheren Klasse umgestellt werden. Bei Super-Leichtlaufölen ist generell Vorsicht geboten.
  2. Gleitlagermotoren ohne Austauschfilterpatrone im Hauptstrom dürfen nicht mit Ölen betrieben werden, die Detergentien (Reinigungsadditive) enthalten und damit über Schmutztrageeigenschaften verfügen. Hier sind klassische HD-Mehrbereichsöle (Heavy Duty) die richtige Wahl.
  3. Wälzlagermotoren ohne Austauschfilterpatrone im Hauptstrom sind mit detergentfreien mineralischen Einbereichsölen immer noch gut bedient, weil die in Mehrbereichsölen vorhandenen Polymere sich nicht mit hoch belasteten Wälzlagern vertragen. Wenn Mehrbereichsöle gefahren werden sollen, dann darf der untere Wert nicht kleiner sein als SAE10W, auf der sicheren Seite ist man in der warmen Jahreszeit mit einem SAE 20W-40 oder 20W-50.
  4. Hochwertige Synthetiköle haben von Natur aus einen robusteren Schmierfilm, einen größeren Viskositätsindex, altern weniger schnell als Mineralöle und teilsynthetische Öle und bieten auch in alten Motoren mehr Sicherheit, sofern ihre Spezifikationen und Additive eine Verwendung zulassen. Letztere können bei sehr frühen Baujahren Lagerwerkstoffe und Dichtungen angreifen.
  5. Triebwerke mit gemeinsamer Ölversorgung von Motor, Getriebe und Nasskupplung erfordern Spezialöle nach JASO MA oder JASO MB mit erhöhtem Kupplungsreibwert und einer HTHS-Viskosität höher als 3,5 mPa*s (Motorradöle).
  6. Super-Leichtlauföle mit ihrer verringerten HTHS-Viskosität gehören weder in Wälzlagermotoren noch in Triebwerke mit gemeinsamer Ölversorgung von Motor und Getriebe und dürfen generell nur gefahren werden, wenn eine ausdrückliche Freigabe des Kfz-Herstellers vorliegt, um keine Motorschäden zu riskieren.
  7. Synthetik-Mehrbereichsöle dürfen einen größeren Viskositätsbereich abdecken als ursprünglich vom Kfz-Hersteller zugelassen, also beispielsweise 10W-50 statt 20W-40.
  8. Getriebe in Zweitakt-Youngtimern laufen zu kalt für Viertakteröle und sind mit Spezialölen besser versorgt (Motul Two Stroke Gear Box Oil 10W-30, auch in vollsynthetisch).
Motorradmotor mit Ölfilter
Motorradmotor mit Ölfilter (Foto: Frank Livani)

Motoröl für moderne Motorräder

Wenn der Motor das Herz des Motorrads ist, dann ist das Motoröl sein Blut. Dabei ist Motoröl nicht gleich Motoröl. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Motorradmotoren stiegen auch die Anforderungen an das Öl. Es muss heutzutage weit mehr können als nur zu schmieren und zu kühlen: Es muss auch bei hohen Temperaturen und Drücken noch funktionieren und muss den Motor von Verbrennungsrückständen, Abrieb, Säuren und Treibstoffpartikeln säubern. Moderne Motorenöle sind speziell für bestimmte Motorradmodelle entwickelte High-Tech-Flüssigkeiten.

Moderne Motoren sind robust, brauchen aber auch hochwertige Motoröle

In den letzten 50 Jahren hat sich in der Motor- und Materialentwicklung sehr viel getan. Gehörten im letzten Jahrhundert gewisse Fertigungstoleranzen zum Standard und verschleißfeste Beschichtungen aus Molybdän oder Hartchrom eher zu Ausnahme, hat sich das Bild seit einigen Jahren umgekehrt.

Bei heutigen Großserienmotoren mit entsprechendem Hersteller Know-How ist die Motorenqualität extrem ausgereift. So sind heutige Kolben deutlich kleiner geworden und verfügen oftmals über eine Graphitschicht am Schaft. Kolbenringe sind in modernen Motoren deutlich elastischer als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist und arbeiten mit viel geringerer Vorspannung als damals. Nocken und Stößel besitzen längst verschleißfeste Oberflächenbeschichtungen und die Ventilsitze in modernen Motoren sind extrem robust ausgelegt.

Nichtdestotrotz kann es auch bei modernen Motorrädern auf den ersten Kilometern Abrieb von hochfestem Stahl kommen, der von der Kurbelwelle oder Pleuel stammt. Aber auch Reste von  Gießsand (sog. Siliziumkarbid) aus der Motorenproduktion können bei neuen Motoren anfänglich zurückbleiben. Der erste Ölwechsel ist somit auch bei einem modernen Motorrad extrem wichtig und die Maschine sollte bis dahin nicht zu stark strapaziert werden. Zudem liest man manchmal auch von einer schlechten Qualität des Erstbefüllöls durch die Hersteller.

Frisches Motoröl schmiert am besten
Frisches Motoröl schmiert am besten (Foto: Frank Livani)

Für moderne Motorräder bieten sich synthetische Motoröle an

Synthetische Motoröle haben von Natur aus Mehrbereichscharakter und kommen mit weniger Additiven aus als Mineralöle. Die Additive, die beigemischt werden, sind viel wirksamer. Deswegen sind synthetische Öle deutlich leistungsstärker als mineralische Öle (größerer Temperaturbereich, geringerer Ölverbrauch, geringere Reibung).

  1. Hochwertige, vollsynthetische Motoröle haben von Natur aus einen robusteren Schmierfilm, einen größeren Viskositätsindex und altern weniger schnell als Mineralöle und teilsynthetische Öle.
  2. Triebwerke mit gemeinsamer Ölversorgung von Motor, Getriebe und Nasskupplung erfordern Spezialöle nach JASO MA oder JASO MB mit erhöhtem Kupplungsreibwert und einer HTHS-Viskosität höher als 3,5 mPa*s (Motorradöle).
  3. Super-Leichtlauföle mit ihrer verringerten HTHS-Viskosität dürfen generell nur gefahren werden, wenn eine ausdrückliche Freigabe des Kfz-Herstellers vorliegt, um keine Motorschäden zu riskieren.
  4. Synthetik-Mehrbereichsöle dürfen einen größeren Viskositätsbereich abdecken als ursprünglich vom Kfz-Hersteller zugelassen, also beispielsweise 10W-50 statt 20W-40.

Zu guter Letzt: Frisches Öl schmiert am besten. Öl altert nicht nur im Betrieb, sondern auch durch Zeiteinwirkung. Mit halbierten Ölwechselintervallen verwöhnt man seinen Motor. Wenn man ihn startet, muss er auch komplett warm gefahren werden, mindestens 25 Kilometer. Jeder Kaltstart bedeutet Verschleiß, weil die Durchölungszeit Minuten dauern kann. Eben kurz anlassen und dann für Wochen und Monate wegstellen ist Gift für jeden Motor. Alles, was man noch wissen muss, verraten wir im großen Motoröl-Berater.

 

Copyright Heiner Jakob

Yamaha RD

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