Motoröl für Oldtimer Motorräder

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Im letzten Jahrhundert wurden Motoren – egal ob vom Auto oder Motorrad – ganz vorsichtig eingefahren um Kolben, Kolbenringe, Zylinder und Ventile und deren Führung an eine zunehmende Belastung zu gewöhnen. Die Fertigungstoleranzen entsprachen damals noch nicht dem heute gewohnten Niveau und verschleißfeste Beschichtungen aus Molybdän oder Hartchrom waren eher die Ausnahme. Entsprechend sorgsam sollte auch das passende Motoröl für ein Oldtimer-Motorrad ausgewählt werden. Für die Wahl des richtigen Motoröls für einen Oldtimer oder Youngtimer, sollten vier entscheidende Fragen vorab geklärt werden.

  1. Handelt es sich um einen Motor mit Gleitlagern oder mit Wälzlagern?
  2. Werden Motor und Getriebe gemeinsam oder getrennt mit Öl versorgt?
  3. Besitzt der Motor bereits einen zu wechselnder Ölfilter im Hauptstrom?
  4. Ist der Motor ungeöffnet und soll so weiter betrieben werden oder soll er von Grund auf überholt werden und dabei alle ölführenden Teile penibel gereinigt werden?

Detergentien sind Killer für alte Motoren ohne Wechselfilter

Es ist bekannt, dass alte (Motorrad)Motoren ohne Filterpatrone im Hauptstrom mit einem modernen Motorenöl ruiniert. Denn die im Motoröl enthaltenen Detergentien lösen Ablagerungen, die so an die Schmierstellen gelangen und feine Ölbohrungen verstopfen. Weniger bekannt ist, dass Ölqualitäten nach Spezifikationen der 1920er und 1930er Jahre auch heute noch für kleines Geld als Maschinenöle erhältlich sind.

Mineralität des Motoröls ist weniger wichtig

Ob ein Motoröl mineralisch, teilsynthetisch oder vollsynthetisch ist, spielt zunächst eine untergeordnete Rolle. Jeder Schmierstoff ist nach seinen spezifischen Eigenschaften und enthaltenen Additiven zu wählen und weniger danach, ob er synthetisch oder konventionell gewonnen wurde. Entscheidend ist, ob die Schmierstoffeigenschaften den Kfz-Herstellervorgaben bzw. den konstruktiven Gegebenheiten und dem Einsatzzweck entsprechen.

Nicht sklavisch an veraltete Herstellervorschriften halten

Als unsere Youngtimer– und Oldtimer-Motorräder konzipiert wurden und kluge Köpfe die Wartungs- und Reparaturvorschriften verfassten, gab es die modernen Motoröle – wie wir sie heute kennen – noch nicht. Mit einem 50er Einbereichsöl machte man meistens nichts falsch. Es wäre geradezu ein Frevel, sich heute sklavisch an die veralteten Herstellervorschriften zu halten. Oft wird argumentiert, die alten Motoren würden nicht so hohe Anforderungen an die Schmierung stellen wie  moderne Triebwerke. Wer das glaubt, sollte zum Beispiel die Breite eines Nockens und seiner Gleitpartner in einem Oldtimermotor mit einem modernen Motor vergleichen. Ohne zugleich die heutigen ausgeklügelten, Spitzenbelastungen vermeidenden Nockenformen zu berücksichtigen, ist augenfällig, dass die modernen Nocken breiter sind und damit nicht viel Reibung verursachen.

Moderne Motoröle, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht
Moderne Motoröle, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht (Foto: Nippon-Classic.de)

Synthetisches Motoröl kann konstruktive Mängel alter Motoren kompensieren

Käfiglose Wälzlager, die enorme Ansprüche an die Schmierung stellen, waren früher immer ein Sorgenkind für Oldtimerbesitzer und sind ein weiteres Beispiel, warum gerade alte Motoren robuste Motoröle brauchen. Kurbelwellen-Durchbiegungen im Millimeterbereich sind in alten, kärglich hauptgelagerten Mehrzylindern keine Seltenheit, mit entsprechenden Kantenpressungen an den Lagern.

Ein Geheimnis, warum ehemals zickige Triebwerke mit thermischen oder mechanischen Macken heute klaglos funktionieren, ist oft auf die Verwendung moderner, auch synthetischer Schmierstoffe, zurück zu führen, die manchen konstruktiven Mangel, Wärmeverzug, Maßabweichungen, ungünstige Laufspiele, Gleitpaarungen und Oberfächenqualitäten kompensieren. Man kann also durchaus die These vertreten, dass gerade ältere Motoren auf hochwertige moderne Schmierstoffe besonders dankbar reagieren.

Es gibt vier Entscheidungskriterien für das richtige Oldtimer-Öl
Es gibt vier Entscheidungskriterien für das richtige Oldtimer-Öl (Foto: Nippon-Classic.de)

Vier Entscheidungskriterien für das richtige Motoröl für Oldtimer-Motorräder

  1. Gleitlagermotoren ohne Austauschfilterpatrone im Hauptstrom dürfen nicht mit Ölen betrieben werden, die Detergentien (Reinigungsadditive) enthalten und damit über Schmutztrageeigenschaften verfügen. Hier sind klassische HD-Mehrbereichsöle (Heavy Duty) die richtige Wahl.
  2. Wälzlagermotoren ohne Austauschfilterpatrone im Hauptstrom sind mit detergentfreien mineralischen Einbereichsölen immer noch gut bedient, weil die in Mehrbereichsölen vorhandenen Polymere sich nicht mit hoch belasteten Wälzlagern vertragen. Wenn Mehrbereichsöle gefahren werden sollen, dann darf der untere Wert nicht kleiner sein als SAE10W, auf der sicheren Seite ist man in der warmen Jahreszeit mit einem SAE 20W-40 oder 20W-50.
  3. Für sehr alte, ungeöffnete Motoren sind unlegierte Einbereichsöle zu verwenden, die noch als Maschinenöle im spezialisierten Schmierstoffhandel erhältlich sind, z.B. als reines SAE 30.
  4. Hochwertige Synthetiköle haben von Natur aus einen robusteren Schmierfilm, einen größeren Viskositätsindex, altern weniger schnell als Mineralöle und teilsynthetische Öle und bieten auch in alten Motoren mehr Sicherheit, sofern ihre Spezifikationen und Additive eine Verwendung zulassen. Letztere können bei sehr frühen Baujahren Lagerwerkstoffe und Dichtungen angreifen.

Zu guter Letzt: Frisches Motoröl schmiert am besten. Öl altert nicht nur im Betrieb, sondern auch durch Zeiteinwirkung. Mit halbierten Ölwechselintervallen verwöhnt man seinen Motor. Wenn man ihn startet, muss er auch komplett warm gefahren werden, mindestens 25 Kilometer. Jeder Kaltstart bedeutet Verschleiß, weil die Durchölungszeit Minuten dauern kann. Eben kurz anlassen und dann für Wochen und Monate wegstellen ist Gift für jeden Motor. Alles, was man noch wissen muss, verraten wir im großen Motoröl-Berater.

 

[(c) Heiner Jakob]

Yamaha RD

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