Honda GB 500 Clubman – schmucker Road-Single für die Sinne

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Gut Ding will Weile haben. So oder so ähnlich muss man die Geschichte der Honda GB 500 Clubman verstehen. Denn es brauchte viele Jahre bis sich eines der schönsten Serienmotorräder über Umwege endlich nach Deutschland verirrte. Und das, obwohl das erste Clubman-Modell, die GB 250, bereits 1983 ihr Debüt feierte, hierzulande aber weitestgehend unbekannt blieb.

1988 orderte Honda of America beim japanischen Mutterkonzern 5.000 Stück der bildschönen Honda GB 500 Clubman, einer vergrößerten GB 400 TT MKII, die es nur in Japan zu kaufen gab. Als potenzielle Zielgruppe waren Liebhaber klassischer Sportmotorräder auserkoren, denen man die Clubman als schmuckes Sammler-Objekt anbieten wollten. Doch eine mächtige Konjunkturflaute in den USA machte einen fetten Strich durch die Rechnung und die Clubman erwies sich dort als Ladenhüter.

Hierzulande blieb die zierliche Einzylinder-Maschine einigen freien Importeure jedoch nicht verborgen, die ab 1990 die GB 500 an der offiziellen Honda-Vertretung vorbei nach Deutschland einführten. Der attraktive Retro-Single kam beim Publikum so gut an, dass sich Honda Deutschland zwei Jahre später zum offiziellen Vertrieb genötigt sah. 1992 kaufte die Offenbacher Deutschland-Zentrale schließlich 1.000 Maschinen als Restposten aus den USA auf und bot die Halbliter-Maschine hierzulande zum „Sonderpreis“ von 7.760 DM ab 1992 an.

Honda GB 500
Heute ist die GB 500 sehr selten wird oft in Garagen und Kellern eingesperrt (Foto: Nippon-Classic.de)

Damit konnte Honda den ungeliebten Grauimporten ein echtes Angebot entgegenstellen, denn die Käufer der vier Jahre alten Clubmen kamen in den Genuss einer Zweijahres-Garantie. Andererseits war der höhere Neupreis auch nur möglich, weil die bis 1990 verkaufte XBR 500 (sie kostete rund 5.000 DM) als günstige Alternative inzwischen nicht mehr verfügbar war.

Die feinen Unterschiede der GB 500

Nüchtern betrachtet ist die schmucke GB 500 Clubman eine optisch aufgepeppte Honda XBR 500 nach dem Vorbild englischer Café Racer wie die AJS 7R „Boy Racer“ oder BSA Goldstar. Mit nostalgischen Zutaten, wie dem gestreckten Tank mit goldfarbener Linierung, einer Solo-Sitzbank mit Café-Racer-Höcker, Stummellenker, in Chrom eingefassten Instrumenten sowie einer schöne 2-in-1 Auspuffanlage, überdeckt die GB 500 Clubman geschickt ihre Verwandtschaft zur etwas pummeligen XBR. Rahmen, Räder, Bremsen sowie der bollernde Einzylinder-Motor stammen aus dem Baukasten-Programm und waren bei beiden Motorrädern weitestgehend identisch. Aber es gibt sie, die feinen Unterschiede.

So speckten die Ingenieure das Rahmenheck der GB 500 zur Gewichtsersparnis ab. Die fehlende Festigkeit macht deshalb einen Zwei-Mann-Betrieb mit der Clubman nicht möglich, auch wenn nach Demontage des lackierten Sitzbankhöckers ein Soziuspolster zum Vorschein kommt. Eine weitere, fahrwerksseitige Änderung gegenüber der XBR betraf die Telegabel, deren Federweg Honda – der sportlichen Bestimmung folgend – auf 105 mm verkürzte. Um die Clubman frecher in die Kurven schmeißen zu können,  zogen die Honda-Entwickler auf die Hochschulterfelgen einen schmaleren Vorderreifen im Format 90/90-R18 anstelle des 100er Pneus auf. Die Hinterrad-Schwinge aus schmalen Kastenprofilen verfügte über konventionelle Federbeine, aber mit ebenfalls gekürzten Federwegen. Nicht nur der Schwerpunkt rückte infolge der Fahrwerksanpassungen in Richtung Asphalt, auch mit einer niedrigen Sitzhöhe von nur 760 mm kam die Honda GB 500 kleineren Fahrer(innen) entgegen.

GB 500
Die Clubman fuhr auf Hochschulterfelgen aus Aluminium (Foto: Nippon-Classic.de)

Boller-Motor und moderner Saubermann

Wenden wir uns dem „RFVC“ Einzylinder-Motor zu. Hinter dem kryptischen Kürzel „Radial Four Valve Combustion“ verbirgt sich Hondas bewährte Radialanordnung der vier Ventile, die es seit 1983 in verschiedenen Modellen des Konzern gibt. Die vier Ventile werden von einer kettengetriebenen Nockenwelle betätigt. Zu den weiteren Grundmerkmalen des Honda-Singles gehören eine Trockensumpfschmierung, wie wir sie von der CB 750 Four kennen, sowie eine kontaktlose Transistorzündung.

Anstelle des bei der XBR verbauten 39 mm Keihin-Gleichdruckvergasers, sorgt am GB 500 Motor ein 42 Millimeter großer Vergaser für die Gemischaufbereitung. Zudem verfügt die Honda GB 500 Clubman im Gegensatz zur XBR über eine Abgasrückführung, deren Existenz links am Zylinder nicht zu verleugnen ist. Das Sekundärluftsystem sorgt für eine Nachverbrennung der Abgase und war ein Tribut an die strengeren Abgasvorschriften in den USA. Das Sekundärluftsystem sorgt dafür, dass die Abgase noch im Auslasskanal des Zylinders mit unverbrauchter Luft angereichert werden. Daraus ergibt sich eine Nachreaktion mit den Abgasen, die zu einem verringerten Ausstoß von giftigen Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffen führt.

RFVC Motor
Tribut an die strengen US-Umweltvorschriften: Abgasrückführung links (Foto: Nippon-Classic.de)

Auch wenn die Honda GB 500 über einen E-Starter verfügt, stilecht startet man so ein Bike mit dem Kickstarter, mit dem sich Eintopf kinderleicht zum Leben erwecken lässt. Läuft der glänzende Einzylinder-Motor einmal, ist der bollernde Classic-Sound der Clubman allgegenwärtig und Musik in den Ohren. Auch wenn das offizielle Datenblatt der GB 500 „nur“ 38 PS Leistung bescheinigt, lässt der Motor im Test tatsächlich 42 Pferdchen von der Kette (MOTORRAD 06/1992). Und bei der Motorabstimmung bewiesen die Japaner ein glückliches Händchen, denn die Leistungsentfaltung ist selbst bei der auf 27 PS gedrosselten Version extrem harmonisch. Mit markigem Ansauggeräusch dreht der luftgekühlte Vierventiler mit kraftvollem Antritt von unten heraus bis hoch in den roten Bereich von 7.800 U/min. Nach 40 Sekunden endet der Vortrieb und 166 km/h Top-Speed.

In Bewegung versetzt, deuten sich 179 Kilogramm Fahrspaß auf zwei Rädern an. Zielgenau zirkelt die schmalbereifte GB 500 um jede Ecke und Kurve und zeigt sich auch beim Geradeauslauf von einer untadeligen Seite. Leichte Vibrationen sind zwar spürbar, aber bei einem Road-Single darf man das auch erwarten. Zu erwähnen, dass das bevorzugte Revier der Honda Clubman kurvige Überlandstraßen sind und nicht die schnellen Autobahnen von heute, erübrigt sich schon fast.

Und auch Motorradlegende Ernst „Klacks“ Leverkus fand seinerzeit großen Gefallen an der GB 500 und schaffte sich noch im hohen Alter ein Exemplar an.

Ernst Leverkus
„Klacks“ Honda GB 500 Clubman ist heute in Besitz von Jürgen Kießlich, einem langjährigen Freund von Ernst Leverkus (Quelle: Jürgen Kießlich)

Technische Daten Honda GB 500 Clubman

Motor: Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, RFVC, SOHC, 4 Ventile, Abgasrückführung

Bohrung / Hub: 92 x 75 mm

Hubraum: 498 ccm

Leistung: 28 kW/38 PS bei 7.500 U/min. bzw. 20kW/27 PS bei 6.000 U/min

Max. Drehmoment: 38 Nm bei 6.500 U/min bzw. 33 Nm bei 3.500 U/min

Schmierung: Trockensumpf mit 1,8 Liter Füllmenge

Kraftübertragung: 5-Ganggetriebe, O-Ring-Kette

Fahrwerk: Einschleifenrohrrahmen mit gegabeltem Unterzug; Telegabel 35 mm, 105 mm Federweg; hinten Stahlschwinge mit zwei Federbeinen, 96 mm Federweg

Bremsen: 282 mm Scheibenbremse mit Doppelkolbe.Schwimmsattel vorn, 140 mm Simplex- Trommelbremse hinten

Räder: Aluminium-Hochschulterfelgen 2.15-18 mit Bereifung 90/90-18 vorn bzw. 2.50-18 hinten mit Bereifung 110/90-18.

Maße und Gewichte:

  • Länge: 2.150 mm
  • Radstand: 1.400 mm
  • Sitzhöhe 760 mm,
  • Gewicht vollgetankt ca. 179 kg,
  • Tankinhalt ca. 16,5 l.
  • Höchstgeschwindigkeit 166 km/h bzw. 147 km/h.

Farben: Black Green Metallic (Farbcode: G-125 M)

Preis: 7.760 DM.

Umgebaut – Honda GB 500 Custombikes

Honda GB 500 Roadster
Made by MBike-Motorcycles – wunderschöne Honda GB 500 Roadster (Quelle: Silvio Ihling)
Honda Clubman Café Racer
Honda Clubman Café Racer (Quelle: Sebastian Mielke)

 

Discussion4 Kommentare

  1. Ein wenig verwirrend bei dem SLS von einer Abgasrückführung zu sprechen. Ansonsten ein sehr schöner Beitrag über dieses tolle Motorrad.

  2. Für mich ist die Clubman eines der schönsten Motorräder, das jemals gebaut wurde! Die GB 500 erinnert an die schönen Zeiten, als eine 500er ein richtiges Motorrad war, eine 650er Twin schon als schwere Maschine galt, ein „Männermotorrad“ (BSA Thunderbolt: „Das Motorrad für Männer mit Mützen“ – „Klacks“, Ernst Leverkus). In heutigen Zeiten des zweirädrigen Gigantismus sind das nur noch „Einsteigermaschinen“. Schade, dass zurzeit nichts adäquates auf dem Markt ist. Alternativen wären möglicherweise eine Royal Enfield Continental GT oder eine Mash 40 TT – sind aber halt keine Hondas!

    • Noch zu erwähnen wäre die Yamaha SR 400. Ist zwar auch keine Honda, dafür aber richtig au­then­tisch. 😉

  3. Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen! Meine Honda Clubman GB 500 TT (Grauimport aus Japan, BJ 88) war mein erstes Motorrad und ich fahre sie immer noch. Auch wenn ich neben ihr noch andere hatte bzw. habe – sie ist und bleibt mein schönstes und liebstes Motorrad (siehe http://honda-clubman.de/).

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