Das Ende der Unbedenklichkeitsbescheinigung bei Motorradreifen

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Ob im Rennsport oder bei Alltagsmaschinen, die Reifen eines Motorrades können dessen Fahreigenschaften stark beeinflussen. Genau aus diesem Grund ermitteln Motorrad- und Reifenhersteller nach einem gemeinsam abgestimmten Verfahren in umfangreichen Tests die Eignung bestimmter Kombinationen von Reifen zu Motorrädern. Allerdings meint Andreas Scheuer es besser zu wissen. Oder warum legte das Bundesministerium für Verkehr die Praxis die Reifenumrüstung an Motorrädern neu fest (übrigens nachzulesen im Verkehrsblatt 15-2019)? Das ist nun das Ende der bislang ausreichenden Unbedenklichkeitsbescheinigung bei Motorradreifen. Tatsächlich würden mich konkrete Unfallzahlen interessieren, die Scheuer zu diesem Geniestreich bewegte.

Aus
gegebenem Anlass weist der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie
(WdK) auf diese wichtige Änderungen bei der Bereifung von Motorrädern hin, die
seit diesem Jahr gelten. Anders als früher kann eine herstellerseitige
Bereifungsempfehlung oder Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht länger als alleiniger
Nachweis über eine gefährdungsfreie Montage mit abweichender Dimension oder
Bauart herangezogen werden. Vielmehr ist nun eine kostenpflichtige Begutachtung
erforderlich bei Reifen, die seit Beginn des Jahres hergestellt wurden, sowie
von 2025 an bei allen Reifen mit abweichender Dimension oder Bauart.

Bisher
durften bei Motorrädern viele Reifenkombinationen, die nicht in den
Fahrzeugpapieren eingetragen sind, ohne Eintragung oder TÜV- oder DEKRA-Abnahme
gefahren werden, wenn eine vom Reifenhersteller ausgestellte
Unbedenklichkeitsbescheinigung mitgeführt wurde.

Nun ist festgelegt, dass für Bereifungen in originalen Reifengrößen eine
Reifenfreigabe rechtlich nicht erforderlich ist. Für Bereifungen mit geänderter
Reifengröße oder Bauart sieht die Neuregelung vor, dass eine unverzügliche
Vorführung des Motorrades für eine Begutachtung nach Paragraph 21 der
Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) erforderlich ist. Anderenfalls
erlischt die Betriebserlaubnis des Motorrads. Zu deren Wiedererlangung ist dann
eine Vorführung und Abnahme bei technischen Diensten und eine anschließende
Eintragung in die Fahrzeugpapiere erforderlich. Dies ist im Gegensatz zur
bisherigen Regelung für den Endverbraucher mit Kosten für die Begutachtung und
die Änderung der Fahrzeugpapiere verbunden.

Bescheinigungen der Reifenhersteller werden künftig unterteilt

Wie Stephan Rau, Technischer Geschäftsführer beim WdK, erläutert, werden die Reifenhersteller ihre Bescheinigungen zukünftig in „Serviceinformationen“ und „Herstellerbescheinigungen“ unterteilen. „Die Serviceinformation gilt als Nachweis der Eignung einer Bereifungskombination für Motorräder mit EU-Typgenehmigung, wenn die Reifengröße bzw. -bauart in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist. Diese Bereifungen sind also nicht eintragungspflichtig.

Bereifungsmöglichkeiten
mit abweichender Reifengröße oder Bauart werden künftig in der neu definierten
Herstellerbescheinigung dokumentiert, die die Reifenhersteller nach technischer
Prüfung und fahrdynamischen Tests erstellen. Allerdings stellt die
Herstellerbescheinigung keine Garantie dafür da, dass die darin genannte
Bereifung durch die technischen Dienste abgenommen und in die Fahrzeugpapiere
eingetragen wird.“ Der WdK empfiehlt daher, nur getestete und freigegebene
Reifen zu montieren und die Reifenfreigabe bzw. die neue Serviceinformation
mitzuführen.

Petition
– Widerstand gegen ein bürokratisches Monster

Wer
sich gegen diesen Eingriff wehren möchte, kann sich aktiv an einer
Online-Petition beteiligen. Die Teilnahme dauert nur drei Klicks. Meine
Unterschrift habe ich eben geleistet! 4.562 Unterschriften wurden bereits
eingesammelt, aber für 50.000 Unterschriften sind für ein Quorum erforderlich. Macht
also mit!

Hier der Link zu Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/reifenfreigaben-der-hersteller-ohne-tuev-eintragung

(Autoren:
Jens Schultze, Jens Riedel/ampnet)

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