Vor 50 Jahren – Honda CB 750 Four Premiere 1968

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Der Mini war gerade in Mode und jede Tussi musste mindestens einen dieser superkurzen Röcke im Schrank haben – auch wenn sie ihn besser nicht angezogen hätte. Studenten zettelten Revolten an, die die Bundesrepublik 1968 innenpolitisch schwer erschütterten und zu einer der schwersten gesellschaftlichen Krisen im Land führten. Die Demonstrationen gegen die Bildungspolitik, den Vietnamkrieg und die geplanten Notstandsgesetze mündeten häufig in gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei. Und der Mordanschlag auf den Wortführer der Studentenbewegung, Rudi Dutschke, der in West-Berlin lebensgefährlich verletzt wird, heizte die Stimmung in Deutschland weiter an. Östlich des Eisernen Vorhangs endet in der Tschechoslowakei der „Prager Frühling“ mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen. In diese Zeit wurde eine Motorradlegende hineingeboren: die Honda CB 750 Four, die 1968 erstmalig der Weltöffentlichkeit im fernen Japan vorgestellt wurde.

1968 wurd eine Legende geboren - die Honda CB 750 Four
1968 wurd eine Legende geboren – die Honda CB 750 Four (Foto: Honda)

Für die meisten Motorradfahrer von uns begann damals eine Zeit, die es erstmal zu überleben galt: Motorräder mit Zwei-, Drei- und Vierzylindermotoren, schrecklich stark und sauschnell. So eine 750er war Ende der sechziger Jahre das Superbike schlechthin. In keinem anderen Jahrzehnt wurde die Motorradentwicklung so vehement vorangetrieben wie in den sechziger Jahren. Zu den alten europäischen Herstellern kamen vier große aus Japan hinzu, zunächst um zu lernen, um später die Motorradbranche zu dominieren.

Honda CB 750 Four K0 - erkennbar am Seitendeckel
Honda CB 750 Four K0 – erkennbar am Seitendeckel (Foto: Honda)

Ein 750-Four Prototyp war schon 1965 fertig

Die kleinen Motorräder von Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki wurden zunächst von vielen belächelt und nicht gerade ernst genommen. Was war schon eine CB 72 gegen eine Triumph oder gar Norton? In Amerika hatten die Harley & Co Fahrer nicht mal ein mitleidiges Lächeln übrig. Man nannte die kleinen japanischen Maschinen dort auch „fahrende Aschenbecher“.

Doch dies alles war von japanischer Seite aus wohl durchdacht. Schnell kamen die Amerikaner darauf, dass mit den kleinen, leichten 125ern oder 250ern viel besser querfeldein zu fahren war als mit den großen, schweren Motorrädern, welche sie bis dahin kannten. Und bei uns sprachen sich die Fahrleistungen einer 250er oder 350er Honda ebenfalls schnell herum- von der 450er gar nicht erst zu reden. An dem magischen Hubraum von 750 ccm waren die europäischen Hersteller in den Fünfzigern und Anfang der sechziger Jahre schon nahe dran. Triumph, BSA sowie Norton oder BMW hatten so etwas im Programm; die Engländer mit 650, BMW mit 600 ccm.

Honda hatte schon 1965 einen CB 750 Four Prototyp fertig
Honda hatte schon 1965 einen CB 750 Four Prototyp fertig (Foto: Gary Zens)

Zu diesem Zeitpunkt hätte es schon längst Reihenmotoren und 750 ccm Hubraum geben können, doch dies sollte noch ein paar Jahre dauern. Man ließ sich auch nicht durch Gerüchte zur Eile treiben, als es hieß, dass man bei Honda bereits 1965 Prototypen mit Vierzylinder-Reihenmotor bei Probefahrten ertappt hätte.

Die Honda CB 750 Four stellte 1968 die Motorradwelt auf den Kopf

Und dann rollte ein Motorrad auf die ganz große Bühne. Auf der 15. Tokyo Motor Show war die Honda CB 750 Four am Eröffnungstag, dem 26. Oktober 1968, die Sensation und entfachte eine ungeahnte Resonanz beim Publikum wie auch der Konkurrenz. Als erstes Serienmotorrad mit einem quer zur Fahrtrichtung eingebauten Reihen-Vierzylinder war sie revolutionär konstruiert. Neben vier Zylindern hatte sie vier Vergaser und eine wunderschöne vier-in-vier Auspuffanlage. Und mit einer Leistung von 67 PS erreichte sie bereits vor 50 Jahren beeindruckende 200 km/h.

Honda Präsentation auf der 15. Tokyo Motor Show 1968
Honda Präsentation auf der 15. Tokyo Motor Show 1968 (Foto: Honda)

Beeindruckend war allerdings die Standfestigkeit des Motors trotz dieser imposanten Leistungswerte. Die damaligen Experten zerrissen sich das Maul und hielten Laufleistungen jenseits der 100.000-Kilometer-Marke für schier unmöglich. Sie wurden eines Besseren belehrt. Mit der neuen Honda CB 750 Four war es nun möglich pannenfrei auf zwei Rädern von Hamburg an den Gardasee und wieder zurück zu reisen.

Um aktuelle Fotos vom Ausstellungsmodell schnellstmöglich veröffentlichen zu können, wurden bei den Druckereien bereits geplante Geschichten gekippt oder sogar extra die Druckmaschinen angehalten. Bei den Importeuren oder Händlern liefen die Telefone heiß, die Prospekte wurden ihnen wortwörtlich „förmlich aus der Hand gerissen.“ Bei uns hier in Europa hieß es erst einmal abwarten, obwohl die CB 750 Four eine extreme Wirkung auf den hiesigen Motorradmarkt hatte. Vielleicht gäbe es ohne die 750er Honda mit ihrem weltweiten Erflog und ihrer positiven Wirkung auf das Interesse am Motorrad viele europäische Hersteller gar nicht mehr, incl. BMW….

Amerika hatte absolute Priorität

Als nächste Station machte die CB 750 Four im Januar 1969 in Las Vegas halt, wo Honda sein erstes Händlertreffen in den USA veranstaltete. Amerika war damals der wichtigste Markt für die Japaner und hatte absolute Priorität. Bei der Versammlung kamen Motorradhändler aus ganz Nordamerika zusammen. Ziel des Treffens war es, den seit 1966 schleppenden Verkauf anzukurbeln. Als strategischer Schritt vor der kommenden Frühjahrssaison nahmen Vertreter aus Japan, darunter auch Soichiro Honda, an dem Treffen teil. Das Highlight der Veranstaltung war die Einführung des CB 750 Four und weiterer, neuer Modelle wie die Z 50 und SL 350. Mit einer aggressiven Preisgestaltung wurde die neue Honda zum Flaggschiff in den USA. Honda wurde bald mit Bestellungen für die CB750 Four überschwemmt. Und die anfängliche Produktionsprognose von 1.500 Einheiten pro Jahr wurde schnell monatlich erreicht und sprang bald auf 3.000 Einheiten.

Amerika war der bevorzugte Markt von Honda
Amerika war der bevorzugte Markt von Honda (Foto: Gary Zens)

So verging das Jahr 1969 und Honda rieb sich angesichts der schlafenden Konkurrenz aus Europa die Hände. Sogar die anderen drei japanischen Hersteller müssen vollkommen überrumpelt gewesen sein. Yamaha bastelte an Vierzylinder-Zweitaktmotoren herum und versuchte dann Schadensbegrenzung mit der 650er XS1. Kawasaki stoppte geschockt umgehend das Z1 Projekt, blieb aber mit der Dreizylinder 500 H1 seiner damaligen Philosophie treu. Und Suzuki war sich nicht schlüssig, ob ihre Zweitakt- Motorenreihe weiter ausgebaut oder aber besser das Wankelprojekt vorangetrieben werden sollte. Man wollte allerdings auch erst einmal die Reaktionen auf die 750er Honda abwarten. Vielleicht wurde die Honda ja alles andere als euphorisch empfangen und rief letztlich Gegner dieser Fahrleistungen auf den Plan?

Honda wusste nicht wie die Wettbewerber auf die CB 750 Four reagieren würden
Honda wusste nicht wie die Wettbewerber auf die CB 750 Four reagieren würden (Foto: Gary Zens)

Allerdings verdiente der Mut von Honda, die CB 750 Four 1968 nicht länger der Öffentlichkeit vorzuenthalten, höchste Anerkennung. Schon Mitte der sechziger Jahre wäre dieses Motorrad denkbar gewesen- es gab ja seit 1963 den S-Klasse-Sportwagen von Honda mit dem Vierzylinder Reihenmotor. Weil es 1969 keine weiteren Vierzylinder-Motorräder gab – nur solche mit zwei oder drei Zylindern- hätte sich der deutsche Honda-Importeur eine goldene Nase verdienen können. Doch zunächst, so hieß es aus Japan, mussten erst einmal die US-Kunden bedient werden.

Deutsche Käufer der CB 750 Four wurden auf Ende 1969 vertröstet
Deutsche Käufer der CB 750 Four wurden auf Ende 1969 vertröstet (Foto: Gary Zens)

So wurden die deutschen Käufer damit vertröstet, dass die CB 750 ab Ende 1969 auch hier erhältlich sei. Angefangen mit der CB 750 Four K0 „Sandguss“ bis hin zur Honda CB 750 F2 wurden über eine Million Exemplare in 13 Modellvarianten der japanischen Motorradlegende gebaut. Und noch heute sind „diese Motorräder alle noch alltagstauglich“, weiß Four-Experte Andree Cepok.

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Schätzchen von 1969: Honda CB 750 Four K0 (Quelle: Nippon-Classic.de)

 

[Autoren: Hans-Peter Engel, Jens Schultze]

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