Rickman Honda CR 750 Four – die Competition Replica

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Zum Weihnachtsfest möchte ich euch noch ein feines Schmankerl präsentieren. Die Rickman Honda CR 750 Four übertraf Mitte der 1970er Jahre die wildesten Träume der damaligen Biker und galt als Überflieger aus einer anderen Welt. Denn sie bündelte die besten Zutaten jener Zeit: einen brillanten Motor mit vier Zylindern und ordentlichem Punch und ein überwältigendes Fahrwerk.

Rickman baute die Honda CR 750 ab 1974
Rickman baute die Honda CR 750 ab 1974 (Foto: Wolfgang Fuchs)

Die Honda CB 750 Four stellt die Motorradwelt auf den Kopf

Vor 50 Jahren begann Honda mit der CB 750 Four den bis dahindarbenden Motorradmarkt auf den Kopf zu stellen. Mit ihrem quer eingebauten Vierzylindermotor, einer opulenten Leistung von 67 PS, 200 km/h Spitzengeschwindigkeit und einer atemberaubenden Beschleunigung von 0 auf 100 in unter 6 Sekunden, verkörperte sie das absolute Nonplusultra in jener Zeit. Doch die Lichtgestalt auf zwei Rädern zeigt auch schnell ihre Grenzen auf: denn das Fahrwerk war der gebotenen Leistung nicht wirklich gewachsen und bei sportlicher Fahrweise kam entsprechend schnell Frust auf.

Etliche Fahrwerksbauer, wie beispielsweise Rickman, Harris, Bakker, Rau und Egli erkannten die Gunst der Stunde und machten Nägel mit Köpfen: Sie boten Bikern erstklassige Sportfahrwerke an. Der Kunde benötigte nur noch Motor, Elektrik, Auspuffanlage und diverse Kleinteile und konnte er sich eine Competition Replica wie die hier vorgestellte Rickman Honda CR 750 konfigurieren lassen.

Der leistungsstarke Honda-Motor verlangte nach einem stabilen Fahrwerk
Der leistungsstarke Honda-Motor verlangte nach einem stabilen Fahrwerk (Foto: Wolfgang Fuchs)

Rickman und die „Reynolds 531“ Rahmenrohre

Die Brüder Derek und Don Rickman waren bereits in den 1950er-Jahren im Motorradgeländesport aktiv und nahmen erfolgreich an diversen Grand Prix-Läufe teil. Noch bevor die Beatles ihren großen Durchbruch schafften, bauten die Rickman Brüder für den Moto-Cross-Einsatz „Zwitter“-Maschinen aus Komponenten diverser Hersteller mit einem eigenen Fahrwerk. Diese waren schnell so überlegen, dass sogar eine Serienproduktion anlief. Auf die „Métisse“ Mark I von 1959 („Métisse“: französisch für Bastard) folgten schnell die Mark II und 1962 die Mark III, die erstmals einen Rahmen aus hartverlötetem und anschließend vernickeltem Reynolds 531er-Rohr gebaut wurde.

Die „Reynolds 531“ Rahmenrohre sind aufgrund einer Legierung aus Stahl, Mangan und Molybdän einmalig in ihrer Beschaffenheit und wurden nicht nur von Rickman verwendet. Auch Rahmenbauer Seeley und Harris setzten auf diese hochfesten Rohre mit 32 Millimeter Außendurchmesser und einer Wandstärke von 1,5 Millimetern für ihre Rahmenkonstruktionen. Die einzelnen Rohre wurden nicht wie sonst üblich miteinander verschweißt, sondern mit Bronze hartverlötet und anschließend vernickelt, was die gesamte Rahmenkonstruktion sehr stabil macht. Rickman folgte beim Rahmenbau stets dem Prinzip möglichst kurzer, gerader Verbindungen zwischen den Rohren.

Die Rahmenrohre wurden mit Bronze hartverlötete und anschließend vernickelt
Die Rahmenrohre wurden mit Bronze hartverlötete und anschließend vernickelt (Foto: Wolfgang Fuchs)

In den 1960er Jahren entstanden die ersten Rickman-Motorräder, meist unter Verwendung britischer Motoren vom Schlage einer AJS, Matchless oder Triumph. Neben dem Motocrossern wuchs das Unternehmen ab 1966 aber  mit der Fertigung kompletter Straßenmotorräder einerseits und Fahrgestellen bzw. Umbau-Kits auf der anderen Seite.

Anfang der 1970er Jahre kamen die Japaner mit ihren großen und schnellen Vierzylindern auf den Markt. Die starken Motoren steckten zu jener Zeit in eher labilen Fahrwerken mit überforderten die unter­dimensionierten Rahmen. Hier schlugen die Brüder nun erneut zu und kreierten 1974 die Rickman Honda CR 750 auf Basis der CB750 Four. Neben den Umbau-Kits für die Honda CB 750-Motoren boten sie ab 1975 auch Fahrwerkslösungen für die noch stärkeren Kawasaki Z1-Motoren an. Auf eine eigene Motorenfertigung verzichteten die Briten jedoch. Firmenphilosophie war, dass sich der Kunde ein Rickman Fahrwerk mit dem von ihm bevorzugten Motor bestückte.

Die sportliche Sitzposition auf der Rickman Honda CR 750 ist gewöhnungsbedürftig
Die sportliche Sitzposition auf der Rickman Honda CR 750 ist gewöhnungsbedürftig (Foto: Wolfgang Fuchs)

Rickman Honda CR 750 Four

Ihr angestrebtes Einsatzgebiet verleugnet die Rickman Honda CR 750 Four zu keiner Zeit. Durch den langestreckten Tank fällt die Sitzposition der CR 750 gegenüber der Serien-Four sehr sportlich aus. Man muss sich schon etwas an die lang gestreckte Sitzhaltung gewöhnen, bevor sich die Rickman-Honda beherzt um die Kurven hetzen lässt. Mit 199 Kilogramm Trockengewicht ist die CR 750 kein Leichtgewicht, verhält sich jedoch in jeder Situation äußerst stabil.

Heute zählt die Honda CR 750 von Rickman zu den echten Raritäten
Heute zählt die Honda CR 750 von Rickman zu den echten Raritäten (Foto: Wolfgang Fuchs)

Die hier gezeigte Rickman Honda stammt aus dem Jahr 1975 und wird von Motorrad-Fuchs aus Osnabrück in einem sehr guten technisch wie optischen Zustand angeboten. Besonderheiten und wesentlicher Bestandteil der Ausstattung sind die Lucas Bremsen, Borani Hochschulterfelgen, der Aluminiumtank, ein Ölkühler und die Koni Federbeine. Nach der Motorüberholung im letzten Jahr ist die Rickman Honda gerade einmal 150 km gelaufen. Auffällig ist die Lackierung in Orange.

Technische Daten Honda CR 750

Motor:

  • Typ: Luftgekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor
  • Ventile: zwei Ventile pro Zylinder (OHC), über Kipphebel betätigt
  • Hubraum: 736 ccm
  • Bohrung/Hub: 61 mm / 63 mm
  • Verdichtung 9:1
  • Gemischaufbereitung: vier 28er-­Keihin-Vergaser
  • Leistung: 67 PS bei 8.000/min
  • Kraftübertragung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung und Fünfganggetriebe

Fahrwerk:

  • Rahmen: Doppelschleifenrahmen aus ver­nickeltem Reynolds 531-Stahlrohr
  • Telegabel vorn, Zweiarmschwinge mit zwei Koni-Federbeinen hinten
  • Bereifung: Bridgestone Battlax BT45, vorn: 100/90 – 18, hinten: 120/90 – 18
  • Bremsen: Lucas ­Doppelscheibenbremse vorn und Scheibenbremse hinten,

Maße und Gewichte:

  • Radstand: 1.435 mm (Serie: 1.455 mm)
  • Trockengewicht: 199,5 Kilogramm (Serie: 218 Kg)
  • Tankinhalt: 16 Liter
Der "Arbeitsplatz" für sportliche Klassiker-Fans
Der „Arbeitsplatz“ für sportliche Klassiker-Fans (Foto: Wolfgang Fuchs)

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