Honda CB 750 Hondamatic – Sonderling und Ladenhüter

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Wenn die körperliche Verfassung zunehmend Probleme mit der schwergängigen Kupplung am Motorrad bereitete, gab es bereits vor 40 Jahren eine passende Lösung. Jos Creusen macht aus der Not eine Tugend und kaufte sich eine der ungewöhnlichen Honda CB 750 Hondamatic.

Die dritte Unbekannte

Aufgrund meiner Erfahrung mit einer Honda CB400A Hondamatic, welche ich schon über neun Jahren besitze, war ein eventueller Kauf einer Honda CB750A Hondamatic offensichtlich. Bereits die 400er Maschinen werden nicht oft angeboten, aber mit einem geplanten Kauf einer 750er Honda wird die Geduld extrem auf die Probe gestellt. Doch das Glück hat mir zugelacht und ich habe eine in Deutschland tatsächlich gefunden.

Die Honda CB750A Hondamatic ist in Europa fast nicht zu finden
Die Honda CB750A Hondamatic ist in Europa fast nicht zu finden (Foto: Motoventus.com)

Ein ehemaliger US-Soldat, der in Deutschland wohnte und der sich die Mühe gemacht hat, die Hondamatic mit deutschen Fahrzeugpapieren zu versehen, hat sie mir verkauft. Nach Angaben von Kock van den Heuvel (eine Autorität in den Niederlanden in Sachen japanischer Motorräder) sind 16 Maschinen in den Niederlanden zugelassen. Honda-Experte Volker Wolff sind in Deutschland nur ganze zwei Maschinen bekannt. Ich hatte daher eine unbekannte dritte CB 750A Hondamatic  aufgestöbert.

Ein kleiner Geschichtsunterricht

Damals im Jahre 1975 verbreiteten sich Gerüchte, dass Honda an der Entwicklung von Maschinen mit einem automatischen Getriebe arbeiten würde. Und die Gerüchte schienen schnell Realität zu werden, nachdem die ersten „Erlkönig-Fotos“ in der Motorsport-Presse publiziert wurden. Als die CB 750A Hondamatic im Februar in Los Angeles vorgestellt wurde, hatte die Automatic-Honda trotzdem einiges an Überraschungspotenzial in petto.

Auch für die CB750A stand für Honda der relevante Bestimmungsmarkt schnell fest: die USA. In Europa wurde auf der Motor-RAI in Amsterdam nur von einem Prototyp gesprochen und Hondamatic schließlich niemals beim Händler angeboten. Das gleiche Schicksal ereilte 1978 auch die CB400A. Es stellte sich aber im Nachhinein heraus – trotz aller guten Kritiken – dass sich die CB 750A Hondamatic als wahrer Ladenhüter entpuppte – ganz nach dem Motto: „nur Gucken und nicht Kaufen.“

Die CB 750A war vor allem für die USA gedacht, entpuppte sich aber dort als Ladenhüter
Die CB 750A war vor allem für die USA gedacht, entpuppte sich aber dort als Ladenhüter (Foto: Honda)

Die Besonderheiten der Honda CB 750A Hondamatic

Leistung und technische Spezifikation machten deutlich, dass es sich bei dieser Honda CB 750 Four um keine Sportmaschine handelte. In erster Linie war das Automatikgetriebe ein echtes Killerkriterium, schließlich hat ein „Männermotorrad“ kein Automatikgetriebe. Zweitens ist das „Loslassen“ des Antriebes beim Zudrehen des Gasgriffes nicht wirklich einladend für eine sportliche Fahrweise. Eine Bremswirkung des Motors ist so gut wie nicht vorhanden.

Die Hondamatic ist gut zu erkennen
Die Hondamatic ist gut zu erkennen (Foto: Motoventus.com)

Mit der „King & Queen“ Sitzbank lässt die Hondamatic auf echte Tourentauglichkeit hoffen, denn die Linien gleichen denen der Honda GL1000, die bereits ein Jahr zuvor ihr Debüt feierte. Die große Sitzbank bietet allerdings nicht den Komfort, den man beim Anblick erwartet. Der Schaum für den Sozius ist extrem dünn, weil der Werkzeugbehälter an dieser Stelle im Sattel untergebracht ist. Weiter Ähnlichkeiten zur GL1000 gibt es beim Kraftstofftank der Hondamatic, obwohl in der CB 750 Four keine Attrappe, sondern eine echter Tank mit respektablen 19,5 Litern Fassungsvermögen verbaut ist. Auch die Größe des Hinterradreifens war mit der Goldwing identisch, nämlich 4.50 H17 anstelle des sonst üblichen 4.00H18 Formats.

Die Sitzbank der Honda CB750A sieht bequem aus, ist es aber hinten nicht
Die Sitzbank der Honda CB750A sieht bequem aus, ist es aber hinten nicht (Foto: Motoventus.com)

Am Hinterrad begnügte sich die Hondamatic mit einer konventionellen Trommelbremse, statt einer Scheibenbremse wie sich die gleichzeitig angebotene CB750F1 hatte. Am Vorderrad setzte Honda auf eine hydraulische Einfachscheibenbremse.

Die CB 750A Hondamatic besitzt, ebenso wie die spätere 400er Hondamatic, keinen Drehzahlmesser. Im rechten Instrumentengehäuse findet man dafür eine Reihe von Kontrollleuchten für Blinker, Fernlicht, Öldruck sowie für Fahrstufen und Feststellbremse (notwendig für einen Automaten).

Wo sonst der Drehzahlmesser sitzt, befinden sich Kontrollinstrumente
Wo sonst der Drehzahlmesser sitzt, befinden sich Kontrollinstrumente (Foto: Motoventus.com)

Zwei Fahrstufen und „Neutral“-Position

Im „Low Gear“ darf die CB750A mit einer maximalen Geschwindigkeit von 60 Meilen (96 km/h) bewegt werden, während im „Drive“ eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Meilen oder 176 km/h bei maximaler Umdrehung möglich sein müsste. Mit dem originalen „Lenker-Geweih“ ist dies ziemlich euphemistisch.

Bemerkenswertes Detail zum Unterscheid mit der Moto Guzzi V1000 Convert – deren Erwerb ich auch in Betracht gezogen habe – ist, dass die Hondamatic eine „Neutral“-Position bietet. Hondas wie auch Moto Guzzi verbauten einen klassischen Drehmomentwandler mit zwei Fahrstufen. Doch die große Guzzi hat keinen eingebauten Lehrlauf und zwingt für den Start zur Betätigung des Kupplungsgriffes. Soweit der kleine Ausflug in Richtung Italien.

Honda spendierte der CB750A auch eine "Neutral" Position
Honda spendierte der CB750A auch eine „Neutral“ Position (Foto: Motoventus.com)

Auch in der Motorkarakteristik unterscheidet sich die CB750A ziemlich von der gleichzeitig verfügbaren Honda CB750F1. Bohrung und Hub sind mit 61 x 63 mm zwar gleich, aber die CB 750 Hondamatic hat aufgrund einer „zahmen“ Nockenwelle andere Steuerzeiten, andere Verdichtung (niedriger Kolben) und 24 mm statt 28 mm Vergaser der CB750F1. Dies alles ergibt, dass diese Maschine einen wesentlich ruhigeren Lauf hat, besonders bei niedrigen Drehzahlen. Als Spitzenleistung sind 56 PS bei 7500 U/min für die Hondamatic angegeben. 67 PS bei 8500 U/min besitzt die Honda CB750F1. Der Hondamatic Block ist nicht mehr mit einem separaten Öltank versehen. Stattdessen sorgen 5 Liter Öl im Kurbelgehäuse für die notwendige Schmierung. Auch hierdurch gibt die Maschine weniger Geräusche von sich.

Statt im Trocken- gab es Nasssumpf und weniger Leistung im Vergleich zur CB 750 Four
Statt im Trocken- gab es Nasssumpf und weniger Leistung im Vergleich zur CB 750 Four (Foto: Motoventus.com)

Die Hondamatic wird vor allem mit dem elektrischen Anlasser zum Leben erweckt, besitzt aber auch einen abnehmbaren Kickstarter wie bei den ersten GoldWings. Um dem Start per Daumendruck dauerhaft zu ermöglichen, spendierten die Honda-Techniker der CB750A eine von 14 Ah auf 20 Ah vergrößerte Batterie. Das Werkzeug wanderte wegen der größeren Batterie nach hinten, unter den Sozius. Jetzt wisst ihr, warum die Liebste nicht auf lange Fahrten mitkommen möchte, sondern lieber zuhause bleibt (oder lieber selber fährt).

Das Fahren der Hondamatic ist simpel geht wie folgt: Der Motor wird im Leerlauf gestartet und je nach den Umständen wird „LowGear“ oder „Drive“ gewählt. Mit dem Schalthebel (Wahlpedal würde meines Erachtens ein besseres Wort sein) wird mittels eines hydraulischen Vorgangs eine der zwei Lammellenkupplungen gewählt. Der Motor fängt sofort an „Kriechtendenzen“ zu zeigen. Darum braucht die Guzzi einen Kupplungshebel. Wird dann Gas gegeben, beginnt das Motorrad zu beschleunigen. Ist zum Beispiel „LowGear“ gewählt, kann trotzdem bis zu einer Geschwindigkeit von 96 Km/h während der Fahrt „Drive“ gewählt werden. Umgekehrt geht das auch, wenn man Lust auf „Motorbremse“ hat – ok, eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung.

Die CB750A hatte eine automatische Freilaufschaltung mittels Seitenständer
Die CB750A hatte eine automatische Freilaufschaltung mittels Seitenständer (Foto: Motoventus.com)

Einige interessante Details sind die sogenannte Feststellbremse und automatische Freilaufschaltung mittels des Seitenständers. Letztere gibt es bei der CB 400A nicht. Bei der 400er schaltet der Seitenständer bei dessen Betätigung den Motor aus. Die Feststellbremse wirkt bei beiden Modellen auf die hintere Nabe. Vermutlich hat Honda deshalb eine Trommelbremse verbaut. Durch Betätigung eines Ziehhebels unter dem Tank kann mittels des Fußes die Bremse festgestellt werden. Bei der 400A wird die Feststellung der Bremse durch einen Hebel betätigt, der verdächtig einem Kupplungshebel ähnlich sieht.

Meine Maschine war ausgestattet mit einem „King und Queen Sattel“ und einem Lenker, wobei sich „AXE“ unter den Armen erübrigt! Sie hat jetzt wieder den Original Lenker und Original Sattel. Auch habe ich einen amerikanischen Sturzbügel und Gepäckträger montiert.

Original besaß die CB750A Hondamatic ein "Lenkergeweih"
Original besaß die CB750A Hondamatic ein „Lenkergeweih“(Foto: Motoventus.com)

Hondamatic Versionen

Von der Honda CB750A Hondamatic gab es drei verschiedene Versionen in drei Jahren, welche eigentlich leicht voneinander zu unterscheiden sind:

  • Modell 76: Speichenräder und ein Auspuff mit einer 4in 1 Anlage nahezu gleich der CB750F1.
  • Modell 77: Speichenfelgen und eine neu entworfene 4in2 Auspuffanlage.
  • Modell 78: Comstarfelgen und der 4in2 Auspuff.

 

Die hier gezeigte Maschine stammt aus dem Jahr 1977, wurde penibel restauriert und steht derzeit zum Verkauf. Bei Interesse gibt Motoventus weitere Auskünfte.

 

[Autor: Jos Creusen]

 

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