Honda Monkey Modellgeschichte – Kultbike im Bonsai-Format

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Nachdem wir vor einiger Zeit die neue Honda Monkey 125 vorgestellt haben, werfen wir nun einen Blick auf die Urahnen dieses sympathischen Kullerbikes im Westentaschenformat. Vielen dürfte die Honda Monkey als Klassiker aus den 1970er Jahren in Erinnerung geblieben sein. Doch die Wurzeln des Bonsai Bikes reichen noch weiter zurück. Begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise der Honda Monkey Modellgeschichte.

Die Ur-Monkey von 1961 legte den Grundstein

Mehr wie ein Spielzeug als ein Motorrad wirkend, erfreute 1961 das erste „Äffchen“ die Besucher des Tama-Tech-Freizeitparks in der Präfektur Tokio mit winzigen 5-Zoll-Rädern und einem knallroten Starrrahmen ohne Federung. Gespickt war die Ur-Monkey mit einem spritzigen 49-ccm-Viertaktmotor, der 4,1 PS leistete. Da die Fahrer auf der kleinen Honda wie der berühmte „Affe auf dem Schleifstein“ hockten, war der Name für das „lustige“ Moped schnell gefunden. Insgesamt baute Honda nur 15 Exemplare dieser „Ur-Version“, von denen nur heute noch drei originale Z100 überlebt haben.

Honda Monkey Z100
„Ur-Monkey“ Z100 von 1961 (Foto: Honda)

Die erste Version mit Straßenzulassung kam 1963

Dank der positiven Resonanz war sich der japanische Motorradhersteller schnell einig eine Version zur Verwendung im öffentlichen Straßenverkehr auf die Räder zu stellen. Deren erste Version wurde 1963 in die USA exportiert und wenig später kam die erste Monkey mit Straßenzulassung auch nach Europa. Das sogenannte CZ100 Modell hatte weiterhin Mini-Räder im 5-Zoll-Format und ein knallrotes, komplett federungsloses Fahrwerk. Für den maximalen Kontrast sorgte ein weißer Tank mit großen Chrom-Wangen. Die Honda Monkey war nicht nur niedlich, sondern sorgte dank ihrer kompakten und leichten Bauweise zusammen mit den quirligen Motor für den ultimativen Fahrspaß.

Honda CZ 100
Ab auf die Straße mit der Honda Monkey CZ 100 von 1963 (Foto: Honda)

Honda CZ 100

Als Nachfolger des Urahns Z100 erlangte die Honda CZ 100 als erste straßenzugelassene Honda Monkey Marktreife. Das Mini-Mokick wurde überwiegend nach Europa verkauft. Das erste CZ 100-Modell erschien 1963 als sog. Mark 1. 1964 folgte der Nachfolger Mark 2, der sich aber nur in kleinen Details vom Vorgänger unterscheidet. Die Honda CZ 100 „Mark 1“ hatte einen weißen Tank, die Lampe enthielt keinen Tachometer. Der Scheinwerfer der Mark 1 ist deshalb im Durchmesser etwas größer. Das Vorderrad enthält des Weiteren keine Aufnahme für einen Tachoantrieb.

Die Zündspule der Mark 1 ist im Motor liegend. Die Mark 1 ist wesentlich seltener. Genaue Stückzahlen dieser Honda Monkey sind unbekannt. Die Kotflügel der Mark 1 sind an den Kanten mit einem Wulst verstärkt. Die Dreiecksbleche des Auspuffes sind abnehmbar und erlauben eine Reinigung des Auspuffes. Dieser Auspuff war jedoch selten komplett dicht, das änderte man dann bei der Mark 2 Baureihe. Die CZ 100 ist mit einem 50ccm 4-Takt Motor mit einer stattlichen Leistung von rund 4 PS ausgestattet und völlig starr, d.h ohne jegliche Federung. Die Reifen maßen nur 5 Zoll. Wie die Honda Z100 auch, erscheint dieses Mokick als Kinder-Motorrad, wurde jedoch überwiegend von Erwachsenen gefahren. Die Vermarktung erfolgte mit Argumenten wie Freizeit-Fahrzeug zum Mitnehmen im Kofferraum, für z.B Camper, Yacht-Besitzer, Piloten usw.

Die Modelle, die nach Frankreich verkauft wurden unterschieden sich in weiteren Details. Die Lampe hatte vorne eine gelbe Birne, die Sitzbank war erhöht und ein Gepäckträger wurde angebracht. Der Tank und der Motor der CZ100 wurde von anderen Honda-Modellen entliehen (Honda C110), Honda Super Cub). Damit war die Honda CZ 100 das erste Mokick der mittlerweile legendären Monkey-Modellereihe, das auch wirklich vermarket wurde. Nach Deutschland wurden in 1963 nur eine Handvoll CZ100 Mark 1 Modelle verkauft- wenn überhaupt. Zwei Exemplare sind mit Betriebserlaubnis bisher bestätigt.

Die CZ100 Mark 2 wurde Mitte der 1960er Jahre von dem Jugendmagazin Bravo in etwas größeren Stückzahlen verlost. Insgesamt kann man wohl von ca. 200 CZ100 Modellen ausgehen, die in Deutschland unters Volk gebracht wurden. Gängige Spitznamen für die CZ100 waren neben Honda Monkey auch die Namen Pfiffikus und Honda Zwerg. Das Alter und die geringen Stückzahlen machen die Honda CZ 100 heute zu einem gefragten Sammlerobjekt.

Welche Überlegungen zu der Produktion der CZ100 führten, lässt sich im Nachhinein kaum ergründen. Vielleicht wollte Soichiro Honda 1960 mit dem kleinsten Serienmotorrad der Welt das „Park & Ride-System“ einführen. Die Fünfzigerle ist nämlich so winzig, dass sie nicht nur in den Kofferraum eines amerikanischen Straßenkreuzers passt, sondern auch in einen kleinen Toyota reingeht. Es gibt keine Ecke, wo der „Zwerg“ nicht noch ein Plätzchen findet. Unter den Arm geklemmt lässt sich der „Zwerg“ zur Not auch mit ins Wohnzimmer nehmen.

Der Rohrrahmen der Honda Monkey ist schlicht und einfach. Ohne Vorder- und Hinterradfederung, drehen sich knubblige 3.50 x 5 Zoll Reifen im Chassis. Der bullige Kraftstoffbehälter stammt von der 125er C92 „Benly“. Nur für eine Person reicht die kurze Sitzbank. Auf dem Hüpfer Platz genommen, stoßen die Knie fast an den Lenker. Nur knapp einen halben Meter hoch holpert der Pilot über den Asphalt. Für kräftigen Vorwärtsdrang sorgt das robuste 50ccm-ohv-Triebwerk von der C100 mit der bewährten Dreigangautomatik. Die CZ100 ist gern auf abgesperrten Grundstücken, Campingplätzen oder im Renn-Fahrerlager unterwegs. Im Straßengewühl bereit der Knirps seinem Herrchen dagegen erheblichen Stress. Das Fahrzeug ist nämlich so klein, dass sein Fahrer samt der Maschine schnell übersehen werden kann.

Nur eine Handvoll „Zwerge“ kommt nach Deutschland. Heute ist Hondas erstes „Mini-Bike“ ein begehrtes Sammlerstück und kann durchaus bis zu 4000 Euro und mehr kosten. Sie gilt als Urahne aller späteren „Monkeys“. Die Honda CZ 100 bleibt bis Ende 1967 im Honda-Programm.

Die Honda Monkey wird ab 1967 flexibel

Die erste in Japan verkaufte Mini-Honda hatte zusätzlich zur CZ 100 von 1963 ein paar Kniffe in petto. So verfügte dieses Modell über einen herunterklappbaren Sitz sowie per Drehknopf einklappbare Lenker. So konnte das Mini-Moped praktisch verstaut und im Kofferraum transportiert werden. Das Fahrwerk war neu konstruiert, aber weiterhin starr ausgelegt. Und der Tank wich einer weiß lackierten, kleineren Version.

Honda Monkey
Erstes Modell für Japan: Honda Monkey Z50M von 1967 (Foto: Honda)

Ab 1969 wird die Monkey Z50A erwachsener und bekam ein Fahrwerk mit 8-Zoll großen Rädern und erstmals eine Federgabel vorn. Die größeren Räder verbesserten die Fahreigenschaften auf der Straße erheblich. Rückspiegel und Blinker erhöhten zudem die Sicherheit. An dem praktischen Klapplenker – wie bei der Dax – hielt Honda fest, was dem „kleinen Affen“ zu steigender Popularität verhalf. Erstmals konnten Kunden aus drei Farbvarianten auswählen: Candy-Rot, Candy-Blau und Gelb. Markantes Erkennungszeichen war die weiße Lackierung der oberen Tankhälfte.

Honda Monkey
Mint Candy-Lackierung und einklappbarem Lenker: Honda Monkey Z50Z von 1970 (Foto: Honda)

Monkey- Erfolgsdesign 1974

Das als Z50J bezeichnete Monkey-Modell von 1974 erhielt schließlich das trendige Aussehen, das den zweirädrigen Winzling zum Kultbike machte und sich unser Hirn einbrannte. Erstmalig konnte das Fahrwerk auch als solches bezeichnet werden. Ein stabiler Zentralrohrrahmen war nicht mehr bestimmendes Design-Merkmal sondern versteckter Träger für eine Ovalrohr-Hinterradschwinge mit zwei Stoßdämpfern und eine Telegabel vorn. Nun vermittelte die luftgekühlte Monkey ein Fahrgefühl eines echten Motorrades. Zu den Blockprofil-Reifen von Bridgestone passten die weit oben platzierten Chrom-Schutzbleche.

Honda Monkey
Das zeitlose Design der Honda Monkey Z50J 1974 (Foto: Honda)

Zusammen mit der hochgezogene Auspuffanlage wandelten diese Features die Monkey zu einem schicken Mini-Scrambler. Sitzbank und Tank bildeten ab 1974 eine Linie, an die sich hinten ein praktischer Gepäckträger anschloss. Die Variabilität schätzen inzwischen auch Wohnmobilfahrer, die sich die Monkey mit angeklapptem Lenker hinten an den Camper schnallten und am Reiseziel weiterhin mobil blieben.

Honda Monkey
1975er Honda Monkey Z50J-II (Foto: Honda)

Tropfentank und Sitzbanksattel

Nicht nur hohe Variabilität und das knuddelige Design setzten einen wahren Hype in Gang. Ihre Vorzüge lagen vor allem in der kinderleichten Bedienung. Dank des 3-Gang-Schaltgetriebes und der Fliehkraftkupplung konnte das Bonsai-Bike wirklich von jedem gefahren werden. Ein einfacher Dreh am Gasgriff genügte, um den Winzling auf zwei Rädern fortzubewegen.

Monkey Z50J-I
Tropfentank und Sattel – Honda Monkey Z50J-I 1978 (Foto: Honda)

1978 wurde die Monkey von Honda optisch nochmals überarbeitet. Der tropfenförmige Tank in Kombination mit der sattelförmigen Sitzbank mochte aber nicht so recht gefallen. Zudem verbaute Honda reichlich Plastik bei Blinker, Kettenschutz und bei den Schutzblechen ab Modell Z50J-II. Dem Erfolg schadete das aber nicht. Von dieser Version legte Honda auch ein modifiziertes Schwestermodell, die Honda Gorilla, mit einem größeren Tank und voluminöser Sitzbank auf. Die Gorilla erinnerte nicht nur an die 1974er Monkey, sondern taugte nun auch für längere Ausflüge und bot mit zwei Trägern – vorn und hinten – mehr Platz fürs Gepäck.

Honda Gorilla
Schwestermodell Honda Gorilla Z50J-III von 1978 (Foto: Honda)

1979 schickte Honda die Monkey dann als chromstrotzendes Maschinchen auf die Straße, bei der jeder Spiegel vor Neid erblasste. Für das Sondermodell standen eine braune oder weiße Ledersitzbank zur Auswahl. Weitere Farbspielereien folgten mit goldenen Felgen (1981) sowie einer limitierten, goldenen Hochglanz-Auflage drei Jahre später.

Monkey Special
Limitiertes Sondermodell in Gold Honda Monkey 1984 (Foto: Honda)

Honda Monkey im Zeitalter der Moderne

1987 begeht Honda einen Bruch mit dem beliebten Monkey-Design und stellt dem Publikum ein völlig neu entwickeltes Mini-Motorrad vor. Die Honda Monkey-R war ein sportliches Modell mit Alu-Brückenrahmen und Scheibenbremse vorne und würde heute gut in die Café Racer-Szene passen.

Honda Monkey
Sportliches R-Modell mit Brückenrahmen und Scheibenbremse vorne (Foto: Honda)

Rückbesinnung auf alte Tage

Längst ist die Monkey aus ihren Kinderschuhen entwachsen und so gibt es sie nicht nur mit Hubräumen in Schnapsglasgröße. Zudem hat das Klein-Motorrad längst Kultstaus erlangt, was auch den Zubehörhandel aufleben lässt. So kann jeder Monkey-Besitzer mit mehr als 1500 individuellen Zubehörteilen, die von Motorteilen, über Vergaser und Auspuffanlagen bis hin zu Aufhängungsteilen reichen, die Monkey nach seinem persönlichen Geschmack gestalten.

Seit dem Millennium lässt Honda die alte Monkey wieder aufleben, teils mit stark modernisierter Technik, teils als limitierte Special Editions, die sich zusätzlich individualisieren lassen. Zu erwähnen sind hierbei insbesondere:

  • 2000: Auf 3000 Stück limitierte Jubiläumsausgabe der Monkey im Look der 1971er Z50Z.
  • 2004: Honda Monkey mit silberbIauem Replica-Look zu Ehren von Freddie Spencers Daytona-Sieg im Superbike-Rennen 1982 in den Farben der CB750F.
  • 2009: bietet Honda eine Version mit Einspritzung und modernisiertem Einzylindermotor an.
  • 2017: Sondermodell zum 50. Geburtstag nach dem Verkaufsstart.
Honda Monkey
Honda Monkey Special von 2001 (Foto: Honda)
Honda Monkey Special
Honda Monkey Special von 2004 im CB 750F Design (Foto: Honda)
Einzylinder-Viertaktmotor
Ab 2009 gab’s die Monkey auch mit Einspritzanlage (Foto: Honda)
Honda Monkey
Sondermodell 50th Anniversary zum 50. Geburtstag nach dem Verkaufsstart (Foto: Honda)

Die kompakte Bauweise mit den breiten Stollenreifen, dem anklappbaren Lenker, dem winzigen Tank sowie dem breiten Sitz verleihen der Monkey eindeutig einen hohen „Knuddelfaktor“. Der unvergleichliche, über Jahrzehnte fast unveränderte Look spiegelt gleichzeitig ein hohes Maß an Zeitlosigkeit wider, was ebenso zur Popularität des Bonsai-Motorrads beitrug. Definitiv sind es keine Vernunftfaktoren, die einen Besitzer zum Kauf einer Monkey oder Gorilla bewegten. Sich mit der Monkey durch die City zu schlängeln ist halt ein Riesengaudi. Parkplatzprobleme kennt sie nicht. Und wer sie heute sieht, dreht sich garantiert zu ihr und wird lächeln. Ach, wie ist sie liebenswert.

In diesem Jahr wird die Affenliebe mit der neuen Honda Monkey 125 neu entfacht. Wir haben uns die 2018er Neuauflage der Monkey 125 mit der gelungenen Retro-Optik schon genauer angeschaut.

Honda Monkey 125
Das legendäre Mini-Motorrad kehrt erstarkt zurück (Foto: Honda)

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