Monda Monkey

Honda Monkey Special

„Die Honda Monkey ist ein richtiges kleines Motorrad. Mit Kickstarter, Sitzbank und Fußrasten, mit zwei kräftigen Trommelbremsen an beiden Rädern. Mit einem sonoren Viertaktmotor, der Musik macht und keinen Lärm. Mit einer millionenfach bewährten Technik, die Freude macht.  Eine Monkey macht den Jugendlichen genauso viel Spaß wie ihren Vätern. Einen Affenspaß. …“ warb Honda damals vollmundig für das klappbare Mini-Bike. Und Gilles Schumacher besitzt eine der ersten, heute seltenen Honda Monkey CZ100.

Mit der Honda Z100 wie der Affe auf dem Schleifstein

Gut ein Jahr vor der Eröffnung der hauseigenen Suzuka-Rennstrecke, eröffnete Soichiro Honda 1961 auf dem Berg Hino bei Tokyo den “Tama-Tech“ Themen-Park für große und kleine Bezinbegeisterte. Nicht die bunten Polyester-Raupen mit Manga-Augen verdrehten der japanischen Jugend den Kopf, sondern die ulkigen Mini-Motorräder Monkey-Bikes. Mit ihren winzigen 5-Zoll-Rädern, Yokohama-Reifen und verchromten Kotflügeln ließen sie die japanischen Kinderherzen höher schlagen, denn jeder Parkbesucher durfte auf diesen 49-ccm Z100 schnuppern wie sich Motorradfahren eigentlich anfühlte.

Im Tama-Tech-Park von Honda
Im Tama-Tech Themen-Park von Honda (Quelle: Gilles Schumacher)

Selbst die Eltern schwangen sich auf die 45 Zentimeter hohe Sitzbank und drehten mit beiden Knien unter den Armen  eine wackelige Runde auf dem eigens angelegten holprigen Schotter-Rundkurs. Ganze 48 Jahre lang hatte der “Tama-Tech” Erfolg. Bis zur seiner endgültigen Schließung im Jahr 2009 besuchten sage und schreibe bis zu einer Million Japaner und Touristen jährlich die bunte Hondawelt.

Unglaublich, wie die noch junge aufstrebende Firma Honda mit den Bonsai-Bikes die benzinbegeisterten Jungend verführte. Befeuert wurde die Honda Monkey von dem legendären Z100 4-Takt-Motor aus der hunderttausendfach verkauften “Super Cub” mitsamt 3-Gang-Wippautomatik. Japan war damals voll im Nachkriegszeit-Mobilitätsrausch und alle japanischen Motorradhersteller und vor allem Honda wussten es mit solchen Attraktionen eine ganze Generation von Kunden mit dem Benzinvirus zu infizierten. So verwundert es einen heute kaum, dass die Honda Z100 und CZ100 bei den inzwischen längst erwachsengewordenen Tama-Tech Besuchern starke Jugend-Träume aufleben lassen und warum diese Monkeys heutzutage Höchstpreise erzielen.

Heutzutage erzielt die seltene Honda Ur-Monkey Höchstpreise
Heutzutage erzielt die seltene Honda Ur-Monkey Höchstpreise (Foto: Honda)

Der Name Monkey-Bike stammt übrigens davon, dass im Tama-Tech Park morgens die Honda-Mitarbeiter mit affenartiger Körperhaltung die kleinen Z100 Bikes zur Schotterpiste fuhren. Sie hockten auf den Mini-Motorrädern wie der berühmte “Affe auf einem Schleifstein”. Die Bezeichnung “Monkey-Bike” hat bis heute offiziell Gültigkeit, obwohl sich Honda nie darüber schlüssig war. Auf der ersten Seite des Fahrer-Handbuchs steht “Monkey-Bike”, während der damalige Teile-Katalog “Mini-Bike” titelt. So wurden die späteren Honda CZ100 in Amerika genannt.

Park & Ride auf Japanisch

Als Soichiro Honda den Erfolg der eigens für Tama-Tech Park gefertigten Monkey-Bikes erkannte, hatte er seine eigene Park & Ride Idee. Warum sollten Honda-Kunden nicht vom abnehmbarem Lenker, der Leichtbauweise und doppeltem Benzinhahn an Tank und Vergaser profitieren können? Denn mit den kleinen, rollenden Affen im Kofferraum konnte man im Großstadt-Dschungel, auf dem Camping-Platz oder in einer Boxengassen herrlich glänzen.

Die Honda Monkey konnte leicht im Kofferraum mitgneommen werden
Die Honda Monkey konnte leicht im Kofferraum mitgneommen werden (Quell: Honda-Monkey.com)

Nachdem in England die erste CZ100 mit weißem Tank in Earls-Court zu einem Verkaufspreis von 67 Pfund, 15 Pence und 5 Pennies -“Registration-Tax” inklusive – 1962 vorgestellt wurde, war der Erfolg der Honda-Monkey kaum mehr aufzuhalten. Kurz darauf hörte man von Großstadt geplagten englischen Exzentrikern, die ihr Monkey-Bike im Rolls-Royce Phantom Kofferraum zur Londoner Innenstadt mitnahmen!

Modelle der Ur-Monkey

Honda Z100

Von der Honda Monkey gab es drei verschiedene Modelle. Die ersten in Kleinserie produzierten Honda Z100 Mini-Bikes waren nur in der japanischen Heimat erhältlich und kamen meist ohne Beleuchtung und Hupe sowie Tacho im Tama-Tech Park zum Einsatz. Zu erkennen ist diese erste Serie am handgefertigten dreieckigen weißen Tank, am verchromten Schutzblech vorne und seinem horizontalen Vergaser sowie die etwas eckigeren ersten 5 Zoll Yokohama Reifen. Auf dem Tank stand “Honda 50” entnommen vom Beinschild der millionenfach gebauten Super Cub 50, dessen C100E Stößelstangen-Viertakt-Motor und 3-Gang Halbautomatik aus Kostengründen entliehen wurde. Diese allererste Version Z100 ist heute äußerst selten anzutreffen, da diese Monkey eigentlich nie in Serie ging und auch nicht offiziell exportiert wurde.

Honda Monkey Z100 von 1961
Die erste „Ur-Monkey“ Z100 von 1961 (Foto: Honda)

Honda CZ100

Die zweite Serie mit weißem Tank war die Honda CZ100. Sie bekam, genau wie die dritte Serie, viele Teile aus der Großserienproduktion, um den Fertigungs-Aufwand und die Kosten gering zu halten. So bekam diese “white tank”, wie sie in England genannt wurde, von der C110 den Tank, von der CB92 die Fußrasten, von der Super Cub 50 die Bremsen und den unverwüstlichen C100E Motor. Der Rest war aber Honda CZ100 spezifisch, vor allem der stehende 18er Keihin-Vergaser mit seitlicher Schwimmerkammer und integriertem Benzinhahn der für ein geruchfreies Transportieren im Auto-Kofferraum sorgte.

Das zweite Modell: Honda Monkey CZ100
Das zweite Modell: Honda Monkey CZ100 (Foto: Honda)

Mit freistehendem Zusatz-Tacho an der oberen Gabelbrücke, einer batterielosen 6-Volt Stromanlage mit Rücklicht und Frontlampe sowie einer Mitsuba-Hupe zwischen den Gabelholmen bekam die Weiß-Tank-Monkey auch eine Straßenzulassung. Probleme gab es leider mit der nicht ganz knicksicheren, ungefederten Gabel. Die Honda Monkey mit dem weißen Tank rollte auf feinstolligeren Yokohama 3.5×5 Reifen.

Der weiße Tank ist ein Erkennungszeichen der Honda CZ 100
Der weiße Tank ist ein Erkennungszeichen der Honda CZ 100 (Foto: Honda)

Die dritte Honda Monkey Serie bekam einen roten Tank und roten Rahmen und hatte als erste Monkey serienmäßig eine Fahrwerksnummern, alle beginnend mit einem „S“. Weitere Erkennungsmerkmal der roten CZ100 sind die Hupe, die jetzt seitlich unter dem Rahmen befestigt ist, der integrierte Lampen-Tacho und die grobstolligeren Dunlop-Reifen.

Die Honda CZ100 ist heute ein begehrtes Sammlerobjekt

Deshalb ist es heute schwierig gut erhaltene und nicht extreme teure Honda CZ100 Exemplare zu finden. So war mein Staunen groß als mein Arbeitskollege, der meine Liebe zu alten Hondas kannte, mir von einer Anzeige aus einer Lokalzeitung berichtete. Die Anzeige enthielt ein schlechtes Bild eines verstaubten, spinnenbeinigen “Honda Kindermotorrades”. Was denn das für eine skurrile Honda sei, ohne Federung und mit den winzigen “Rasenmäher-Rädern” fragte er.

Ich konnte es nicht glauben, aber fast vor meiner Haustür drohte seit Jahren eine originale Honda CZ100 mit rotem Tank zu verstauben und zu rosten. Bei der angebotenen Maschine handelte es sich um die einzige hier in Luxemburg überhaupt verkaufte CZ100 aus dem Jahr 1965. Trotz des schlechten Annonce-Bildes erkannte ich sofort die leicht verwahrloste, aber komplett erhaltene Honda Monkey auf ihren platten Dunlop Reifen. Heruntergekommen, übersäht mit hässlichen Chrom-Rostpickeln und mit einer übelriechenden Rostbrühe im Tank stand die CZ100 seit mehr als 15 Jahren in einer düsteren Garage. Aber sie hatte nur unglaubliche 2.286 Kilometer auf ihrem Nippon Seiki Lampentacho.

Glücksfund: Honda Monkey CZ100 von 1965
Glücksfund: Honda Monkey CZ100 von 1965 (Quelle: Gilles Schumacher)

“Sind Sie ein Honda-Sammler? Sie wollen sie ja eigentlich nur ins Wohnzimmer stellen, oder, und nicht damit auf die Straße?!?”, fragte mich der ängstliche und nicht gerade Motorrad-begeisterte Verkäufer ungläubig. Der Verkäufer erklärte mir, seine Familie hätte dieses komische kleine “Kindermotorrad” vom verstorbenen Cousin vermachtet bekommen und musste jetzt weg. Ohne zu zögern und schnell verhandelt war ich nun der glückliche Zweitbesitzer (!) seit 1965 dieses seltenen Honda CZ100 Wintzlings. Glück gehabt, denn wenig später wurde der Verkäufer von interessierten Anrufen überfallen.

Sitz für den Affen auf dem Schleifstein
Sitz für den Affen auf dem Schleifstein (Quelle: Gilles Schumacher)

Schonende Restauration der seltenen Honda Monkey

Ich entschloss mich das Monkey-Bike so schonend wie möglich zu restaurieren um den gut erhaltenen Lack und die Chrom-Teile so original wie möglich zu erhalten. Also erst mal behutsam Luft in die plattgestandenen Dunlop-Reifen reinpumpen und siehe da, die Bonsai-Reifen hielten selbst nach 44 Jahren sogar noch dicht. Dunlop Japan hatte den guten, alten Sir John Dunlop auf einem detaillierten Medaillon in die 5 Zoll Reifen durch vulkanisieren verewigt. Diese Reifen waren damals nur über Honda erhältlichen und sind heute nicht mehr zu finden.

Der Vergaser der CZ100 hat einen Absperrhahn für den Transport
Der Vergaser der CZ100 hat einen Absperrhahn für den Transport (Quelle: Gilles Schumacher)

Vorsichtig befreite ich meine Honda Monkey von jeglichem Schmutz und stellte fest, dass der rote Lack der CZ 100 nur einige kleine Roststellen aufwies. Mit Swissöl-Reiniger und “Samurai”-Wachs verhalf ich der Mini-Honda – in dreiwöchiger penibelster Handarbeit – zu neuem Glanz. Anschließen demontierte ich den Tank, um ihn vom aggressiven Benzin-Harz und der roten Rostpest zu befreien. Eine Handvoll Schrauben und Muttern sowie Ohrstöpsel halfen, um in abendfüllenden, lauten Stunden die rote Pest aus dem kleinen 6 Liter Tank mit Drehen und Wenden zu beseitigen. Nachdem ich mit den blitzblanken Inneren zufrieden war, entschied mich für eine durchsichtige Tankversiegelung. Denn das metallische Aussehen des Tanks sollte für die nächsten 44 Jahre originalgetreu geschützt werden.

Dem Chrom der Honda Monkey sieht man die einstigen Rostpickel nicht mehr an
Dem Chrom der Honda Monkey sieht man die einstigen Rostpickel nicht mehr an (Quelle: Gilles Schumacher)

Sollte der Motor nach so einer langen Standzeit noch anspringen? Dem Kick nach zu beurteilen war der gussköpferne C100 Motor nicht festgegangen und hatte noch eine brauchbare Kompression vorzuweisen. Also kippte ich für ein paar Tage eine Mischung aus Rostlöser und Motoröl zum Auflockern der Kolbenringe und zum Lösen des Flugrosts im Zylinder durch das Zündkerzenloch. Beim behutsamen Rausdrehen der Kerze bemerkte ich, dass hier noch immer die allererste NGK C7HSA – mit stark angefressener Tungsten-Elektrode – ihren treuen ersten Dienst tat.

Nach einem Ölwechsel, einer genauen Ventilspiel- und Zündungkontrolle, flutete ich zum ersten Mal den kleinen Vergaser, kippte den Chokehebel nach unten und nach fünfmal Kicken hustete der kleine 4,5 PS Motor mit blauer Rauchwolke auf und blubberte nach einigen Minuten schluckfrei und dank großem Auspufftopf sehr leise vor sich hin.

Der Motor der Honda CZ100 wurde schnell wiederbelebt
Der Motor der Honda CZ100 wurde schnell wiederbelebt (Quelle: Gilles Schumacher)

Ein wilder Affe mit Kampfspuren

Ich war eigentlich schon von den Kampfspuren, die ich an der Honda CZ100 vorfand, gewarnt: ein verbogenes Kennzeichen und geschliffenes Gasgriffgummi zeugten von alten Kämpfen zwischen dem Ersthalter und dem wilden Affen. Mit seinen 55 Kilogramm und strammen  4,5 PS bei 9.500 U/min zieht die Honda Monkey gerne mal die Arme auf Orang-Utan-Format lang.

Die 4,5 PS sind mehr ausreichend für die leichte Honda Monkey
Die 4,5 PS sind mehr ausreichend für die leichte Honda Monkey (Quelle: Gilles Schumacher)

Also erster Gang mit der Wippe rein…und Oaaaah erst mal mit einem steigendem Vorderrad und galoppierenden Füssen mit einem Affenzahn los…zweiter Gang klacken ohne Kupplung rein…Aohahaha…schon wieder steigt das Mini-Vorderrad hoch und dann ab bis zu furchterregenden 45 Km/h im Dritten.

Nicht am Lenker ziehen, schön laaaangsam einbiegen in den ersten Kreisverkehr und – hoooppela – sofort die Fußrasten auf dem Asphalt geschrammt mit gefühlten zwei Grad Schräglage und einen Bananenwackeln im Fahrwerk…uiuiuiui, fühlt sich das schnell an!

Keine Bange, ich habe die erste Ausfahrt überlebt und die Honda Monkey auch.

Diesen Sommer konnten bei unsrer ersten gemeinsamen Oldtimerausfahrt in Luxemburg die langen 175 km weder mein Sitzfleisch noch meinem Grinsen im Gesicht etwas anhaben…der CZ100 Affe hat mich gebissen und hat bis zur nächsten Sommer einen warmen und trockenen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen…

Gilles Schumacher und seine Honda CZ100
Freudestrahlender Gilles Schumacher und seine Honda CZ100 (Quelle: Gilles Schumacher)

…von Gilles Schumacher

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