Honda C 110 – Auferstehung einer Jugendliebe

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„Das Ding hat mich mit 16 voll begeistert. Ich habe den Klang gehört und sie dann beim Händler in Neu Isenburg gesehen. Dann habe ich gedacht, die musst du haben. Das Moped hatte zu meiner Zeit 1.045 DM gekostet. Ich habe sofort meine Kreidler in Zahlung gegeben und die C 110 gekauft. Warum? Wegen dem Sound. Die Herkules und Kreidler waren doch alles nur Zweitakter.“,

„Die hatte schon Blinker, was die deutschen Mopeds noch nicht hatten. Viergang-Schaltung und 4,2 PS. Wenn wir mit der Clique losgefahren sind, war ich zwar zunächst hintenan, weil der Viertakter nicht so schnell abzieht. Aber so bei längeren Strecken hatte ich sie nach einem Kilometer alle wieder eingeholt.“

schwärmt der stolze Besitzer einer der raren Honda C 110 in seiner Garage.

Mit Stößelstangen bis zu 10.000 U/min

Der kleine Schnapsglas-Renner mit dem hochgezogenen Auspuff reihte sich von 1960 bis 1966 in eine ganze Super Cub Modellserie von 49 bis 109 ccm Hubraum ein. Mit ihrem 50 ccm Viertakt-Einzylindermotor war sie in jenen Jahren eine klare Ausnahmeerscheinung und lässt noch heute Herzen höher schlagen. Immerhin dreht das quirlige Maschinchen bis auf fast 10.000 U/min.
Glücklich schätzt sich, wer eine dieser seltenen Maschinen heute besitzt. Ganz billig ist das Vergnügen, eine Honda C 110 zu fahren, nämlich nicht. Die Mopeds werden inzwischen zu Liebhaberpreisen bis zu 8.000 Euro gehandelt, da es sie nahezu nicht mehr gibt. Die Honda C 110 von Günter G. aus Hainbach ist Baujahr 1964 und stammt aus Holland. Wobei es genauer gesagt zwei Maschinen waren, von denen eine schon ordentlich durchgerostet gewesen war.

Deutlich robuster präsentierte sich der 50 ccm Viertaktmotor seines Oldtimers, der aus der Großserie stammt und von Honda ungefähr zehn Millionen Mal gebaut, und nicht nur in Mopeds, sondern auch in Booten und in der Industrie eingesetzt wurde. Eine Besonderheit des kleinen Triebwerks ist der Ventilantrieb.

„Der C110 Motor arbeitet noch mit Stößelstangen. Der Vorteile ist, dass sich die Ventile, die sich mit der Zeit gerne etwas verstellen, mit einer Fühlerleere wieder ganz leicht einstellen lassen. Das geht das Ruckzuck.“,

erklärt Günter im Gespräch mit Nippon-Classic.de weiter.

100 Arbeitsstunden und die unendliche Teilesuche

Ein Hauptproblem stellt heute der Auspuff dar. Die verrosten natürlich nach so langer Zeit. Den Auspuff seiner Maschine hätte man vielleicht noch als Muster für einen Nachbau verwenden können. In Thailand gibt es einige Firmen, die das machen. „Die kaufen sich die Lizenzen von den Japanern, weil diese keine Lust mehr darauf haben. Ich habe da einen Kontakt zu einem Händler, der auch im Internet vertreten ist.“

Rahmen, Tank, Seitendeckel und Tacho blieben bei der Restauration original und mussten nur aufgearbeitet werden. Die Räder kommen aus Thailand, um Zeit für das arbeitsintensive Einspeichen zu sparen. Auch die Sitzbank kommt aus Südostasien.

„Ich versuchte, soweit es ging, Originalsubstanz zu retten. Aber wie gesagt, bei den Rädern machte dies keinen Sinn mehr. Als ich die beiden C 110 gekauft habe, dachte ich, ich könnte mehr retten. Aber die eine Maschine war schon ziemlich durchgerostet.“

Trotz zeitsparender Zukaufteile investierte Günter G. allein knapp 50 Arbeitsstunden in das Zerlegen der alten Maschine. Bis die Maschine wieder fertig war, kamen noch einige Arbeitsstunden dazu. Hinzu kamen noch die Zeiten für das Sandstrahlen diverser Metallteile, fürs Lackieren und die Chromarbeiten, wie beispielweise für die Seitendeckel. Finanziell hielt sich die Restaurierung der Honda C 110 dennoch in Grenzen. Für die Lackierung und das Verchromen wurden rund 600 Euro fällig. Für die Räder kamen noch einmal 150 Euro dazu.

„Blinker und so ein Zeug ist auch immer ganz schwer zu kriegen. Die originalen Tank-Embleme sind auch schweineteuer und kosten 30 Euro das Stück.“ Weitere Kosten versursachten ein neues Zündschloss (150 Euro), ein neuer Kabelbaum (79 Euro) und das Verchromen der Auspuffblenden (70 Euro). Der Tank wurde innen von einem Fachmann behandelt (ca. 150 Euro).

Ran an die Technik

So, nachdem die äußere Hülle äußerlich keinen Grund zur Klage gab, widmete er sich der Überholung der Technik.

Da der Kolben war fest war, hat Günter G. den Zylinder heruntergezogen und bei einer Firma in Dietzenbach für rund 80 Euro honen lassen. Der Motor erhielt einen Übermaßkolben und neue Motordichtungen, die es ohne Probleme zu kaufen gibt. Wichtig ist, den neuen Kolben mit zum Honen zu nehmen, sonst fehlt die Motorkompression. Die Zylinderbolzen waren teilweise krumm und wurden ebenfalls erneuert.

Getriebe und Zündanlage waren ok und benötigten keine weitere Aufmerksamkeit. Dem Lenkkopf spendierte der Restaurator noch neue Kugellager und der Elektrik einen komplett neuen Kabelbaum. Ritzel, Federn und diverse Schrauben wurden in Dieselöl eingelegt und penibel gereinigt.

Heute steht sie blitzsauber dar und ich freue mich schon auf die Fotos. Als kleinen Vorgeschmack zeige ich hier eine restaurierte C 110 von Hobbysammler Dieter M. aus Lübbecke, der ein Dutzend dieser japanischen Mopeds sein Eigen nennt.

Das nächste Restaurationsprojekt von Günter G. wird wohl eine Honda C 92 Super Sport werden. Nippon-Classic.de ist gespannt.

„Die war ja als Jugendlicher mein Traum, aber sie war einfach damals zu teuer für mich. Die gibt es auch mit hochgezogenem Auspuff und sie hat einen schönen Büffeltank. Das war schon ein geiles Gerät.“

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