Yamaha XMAX 300 – Maxi-Scooter im Fahrbericht

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Früher war die die Zweirad-Welt klar aufgeteilt: auf der einen Seite gab es die Roller, auf der anderen die Motorräder. Doch vor zwei Jahrzehnte brachte Yamaha die gewohnte Ordnung durcheinander und stieß mit dem TMAX 500 sowohl leistungsmäßig als auch konzeptionell in eine bis dato unbekannte Dimensionen der Kraftroller vor. Der TMAX ist das Modell, das den Maxi Roller-Markt geschaffen und definiert hat. Jens Riedel schwang sich auf den aktuellen Yamaha XMAX 300 und erlebte eine Überraschung.

In der Toscana, Provence oder an der Cote Azur gehören die Maxi-Scooter längst zum gewohnten Straßenbild. Und dazu gehören nicht nur die fast „inkognito“ fahrende Vespa GTS 300, die vergleichsweise unauffällig daherkommt, sondern vor allem die opulent verkleideten Modelle, wie der Kymco AK 550, Honda Forza 300 oder die Yamaha XMAX 300. Und  auch hierzulande boomt das Segment nach einigem Auf und Ab wieder, wenngleich ihr Revier als Autoersatz in überfüllten Städten eher im Süden Europas liegt. Da sich Maxi-Scooter aber längst vom alten Rollerimage befreit und sich immer motorradähnlicher fahren lassen, gibt auch in Deutschland so mancher Kraftradfahrer der Vernunft Vorfahrt vor den Vorurteilen.

Dem XMAX 300 sieht man seine Power schon äußerlich an
Dem XMAX 300 sieht man seine Power schon äußerlich an (Foto: Yamaha)

Maxi-Scooter von 300 bis 800 ccm Hubraum

Es sind aber nicht Modelle mit 500 ccm Hubraum oder mehr, wie beispielsweise der Aprilia SRV 850, der man den Titel des schnellsten Maxiscooters der Welt bislang nicht streitig macht. In der Gunst ganz oben steht vielmehr die Mittelklasse zwischen 300 und 400 Kubik. Und da können selbst eingefleischte Motorradfahrer noch Überraschungen erleben – wie beim Yamaha XMAX 300.

Seit 2005 wurden über 370.000 Einheiten der verschiedenen XMAX-Modelle in Europa verkauft. Mit mehr als 17.000 verkauften Einheiten im vergangenen Jahr ist der XMAX 300 der führende Sport Roller im Segment über 250 ccm.

Yamaha verkaufte bereits über 370.000 XMAX Scooter
Yamaha verkaufte bereits über 370.000 XMAX Scooter (Foto: Yamaha)

Der Motor des Yamaha XMAX 300

Das – unter Motorradaspekten – kleine Triebwerk des Yamaha XMAX 300 erfreut durch recht spontane Gasannahme. Der Einzylinder hievt die Drehzahl beim Beschleunigen rasch über die 6.000er-Marke und liefert ordentlich Durchzug. Vor allem aber überrascht er durch seine Reserven.

Der Motor liegt versteckt und leistet 28 PS
Der Motor liegt versteckt und leistet 28 PS (Foto: Yamaha)

Selbst bei Tempo 130 zieht der XMAX 300 noch spürbar an, wo zum Beispiel der sechs PS stärkeren BMW G 310 R bereits allmählich die Puste ausgeht. Beide haben 29 Newtonmeter Drehmoment, nur liegen die beim Yamaha-Scooter bereits fast 2.000 Umdrehungen in der Minute eher an. 140, 145 auf dem Tacho sind da so gut wie immer drin. Erst bei 150 km/h auf dem Tacho ist dann Schluss. Das schafft selbst eine ganze Reihe von Motorrädern der unteren Mittelklasse nicht oder zumindest nicht so souverän.

In der Praxis ist bei 150 Sachen Schluss
In der Praxis ist bei 150 Sachen Schluss (Foto: Yamaha)

Die für einen 300er und 28 PS unerwartet starke Performance geht zudem mit einer sehr hohen Laufruhe des Motors einher, die den Komfortanspruch des Mittelklasse-Scooters unterstreicht. Dazu kommt ein vorbildlicher Realverbrauch 3,1 bis 3,2 Liter pro 100 Kilometer.

Langgezogene Kurven mag er nicht

Der XMAX lässt sich tänzerisch über den Asphalt treiben und punktgenau führen. Nur in langgezogenen Kurven zieht es ihn manchmal leicht nach außen. Durch weiteres Drücken in Schräglage lässt sich der Kurs aber rasch problemlos wieder korrigieren. Etwas mehr hätten wir da von den Bremsen erwartet. Sie erledigen ihre Arbeit zwar ordentlich, fühlen sich aber recht teigig an. Zudem wirkt der vordere Stopper beim Einzelzugriff über rechts ein wenig zahnlos. Umso besser reagiert das kombinierte Bremssystem aber auf den Zug am linken Hebel und balanciert die Verzögerungskräfte hervorragend zwischen vorne und hinten aus.

Yamaha XMAX 300 im bevorzugten Revier
Yamaha XMAX 300 im bevorzugten Revier (Foto: Yamaha)

Den Premiumanspruch unterstreichen die serienmäßige Traktionskontrolle, der metallene Tankverschluss anstelle eines schnöden Plastikexemplars, LED-Licht und die zweifarbige Sitzbank mit integrierter Rückenstütze sowie das Smartkey-System. Ein wenig unsortiert und überfrachtet gibt sich zunächst der zentrale Dreh-Drück-Steller für Zündung, Lenkradschloss, Tankentriegelung und weitere Funktionen. Irgendwann hat man aber im wahrsten Sinne des Wortes den Dreh raus. Dennoch: Das geht besser. Immerhin bleibt die Sitzbanköffnung außen vor und erfolgt ganz bequem über eine separate Taste. Das darunter liegende Fach ist außerordentlich üppig und hat tatsächlich Platz für zwei Integralhelme (sowie noch ein paar Kleinigkeiten mehr).

Unter der Sitzbank hält der XMAX 300 Platz für 2 Helme bereit
Unter der Sitzbank hält der XMAX 300 Platz für 2 Helme bereit (Foto: Yamaha)

Der Fahrersitz ist bequem und bietet ebenfalls sehr viel Platz, die Haltung ist entspannt. Das linke Handschuhfach hat einen 12-Volt-Anschluss und ist abschließbar. Rechts fehlt hingegen ein Schloss, so dass durchaus die leichte Gefahr besteht, das Fach unter ungünstigsten Umständen unbeabsichtigt mit dem linken Knie zu öffnen.

Der Scooter bietet viele praktische Details
Der Scooter bietet viele praktische Details (Foto: Yamaha)

Fazit zum Yamaha XMAX 300

Der X-Max 300 ist für alle, die sich nicht intensiver mit dem Roller-Segment beschäftigen, eine angenehme Überraschung. Das gilt sowohl für die Performance als auch für den Komfort. Zudem ist er sparsam. Die hausinterne Einordnung als Sportroller geht voll und ganz in Ordnung. Wir würden uns auch bedenkenlos mit ihm zur Urlaubsreise ans Nordkap aufmachen.

Bei so viel Tugenden überrascht es dann letztendlich doch nicht, dass sich der flotte Yamaha-Scooter auf Platz drei der Zulassungsstatistik in Deutschland vorgefahren hat und dem dreirädrigen Piaggio MP3-500 dicht auf den Fersen ist.

Die Maxi-Scooter boomen zurecht auch hierzulande
Die Maxi-Scooter boomen zurecht auch hierzulande (Foto: Yamaha)

Technische Daten Yamaha X-Max 300

  • Motor: 1-Zyl., 292 ccm, flüssigkeitsgekühlt
  • Leistung: 28 PS bei 7.250 U/min
  • Drehmoment: 29 Nm bei 5.750 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 138 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: k. A.
  • Getriebe: Automatik
  • Antrieb: Keilriemen
  • Tankinhalt: 13 Liter
  • Sitzhöhe: 795 mm
  • Gewicht: 179 kg (fahrbereit)
  • Normverbrauch: 3,2 l/100 km
  • CO2-Emissionen: 74 g/km
  • Testverbrauch: 3,1–3,2 l/100
  • Bereifung: 120/70 R 15 (vorne), 140/70 R 14 (hinten)
  • Preis: 5795 Euro (zzgl. NK)

 

Den Yamaha XMAX 300 gibt es auch zweifarbig
Den Yamaha XMAX 300 gibt es auch zweifarbig (Foto: Yamaha)

 

(Auto: Jens Riedel/Auto-Medienportal; Jens Schultze)

Discussion2 Kommentare

  1. Irgendwie nicht das, was ich erwartete als ich mich für die Mailingliste anmeldete. Ziemlich weit davon entfernt sogar. Gehört das nicht eher auf die Website eures „Partners“?

    • Hi Felix, vielen Dank für Dein Feedback. Ich hatte mich bewusst auch für einen zusätzlichen News-Channel entschieden. Wie Honda nach dem Krieg die Mobilität mit seinen Fabrikaten veränderte, verändert sich die Mobilität heute wieder. Dem will ich auch etwas Rechnung tragen. Und wenn man an Heinkel oder den XC 180 denkt, haben die Maxi-Scooter auch eine Historie.
      Welche Beiträge wünschst Du Dir mehr? viele Grüße, Jens

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