Die neue Yamaha Ténéré 700 – auf zu neuen Horizonten

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Bereits in den 1970er Jahren hat sich Yamaha als Pionier in der Entwicklung von robusten, leichten Enduros hervorgetan. Jetzt feiert die langerwartete, neue Yamaha Ténéré 700 als eine der wichtigsten Motorradneuheiten 2019 auf der Mailänder EICMA ihre Weltpremiere.

Erste Anzeichen dafür, dass Yamaha ein neues Adventure-Bike entwickelt, gab es mit der Präsentation des T7-Konzepts im Jahr 2016 auf Motorradmessen weltweit. 2017 stellte Yamaha den Prototyp der Ténéré 700 World Raid vor und gab uns bereits einen Vorgeschmack auf das, wie die Ténéré in Serien gehen würde – fast. Seit 2017 ging die Entwicklungsphase jedoch weiter.  Profi-Fahrer, darunter der mehrfache Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel und die Yamaha Rallye Team-Fahrer Adrien van Beveren und Rodney Faggoter, testeten den World Raid-Prototyp weltweit auf Herz und Nieren – vom unerbittlichen Outback Australiens bis hin zu den brutalen südamerikanischen Wüsten.

Vorstellung der neuen Yamaha XTZ700 auf der EICMA in Mailand
Vorstellung der neuen Yamaha XTZ700 auf der EICMA in Mailand (Foto: Yamaha)

Neben dem Einsatz von Tausenden von Stunden auf dem Entwicklungsmotorrad hat das Ténéré 700 World Raid-Team das Design auch vielen hundert Motorradfahrern in den jeweiligen Ländern vorgestellt. Sie alle wurden eingeladen, um für Yamaha ihren wertvollen Beitrag zu leisten und das endgültige Serienmodell mitzugestalten.

Unter den Testern war u.a. der mehrfache Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel
Unter den Testern war u.a. der mehrfache Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel (Foto: Yamaha)

Die brandneue Ténéré 700

Yamahas fundiertes Offroad-Know-how steht außer Zweifel. Jetzt präsentiert der japanische Motorradhersteller die brandneue und lang erwartete Yamaha Ténéré 700. Ausgestattet mit dem erfolgreichen 698 ccm CP2-Reihenmotor und einem komplett neuen Fahrwerk bietet die Yamaha Ténéré 700 ein erstklassiges Handling und hervorragende Agilität im Gelände – kombiniert mit einer hohen Geschwindigkeit auf der Straße.

Yamaha Ténéré 700
Den Motor teilt sich die XTZ700 Tenere mit der MT-07 (Foto: Yamaha)

Yamaha Ténéré bekommt den 689 ccm Motor aus der MT-07

Yamaha setzt auch bei der XTZ700 Ténéré auf sein Crossplane Motoren-Konzept, das bei einer ganzen Reihe von Yamaha Modellen seine Anwendung findet. Der kompakten Motor ist bereits aus der MT-07 bekannt und besitzt eine lineare Drehmomententfaltung, die eine spontane Gasannahme bietet und damit hervorragende Beschleunigungswerte ermöglicht. Sein maximales Drehmoment von 68 Nm erreicht der Zweizylindermotor bei 6.500/min und gibt bei dieser Drehzahl auch die maximale Leistung von 74 PS ab. Um den besonderen Anforderungen der Adventure-Fahrer gerecht zu werden, wurde die Endübersetzung angepasst und die Einspritzanlage den anderen Einsatzbedingungen im Vergleich zum Naked-Bike MT07 angepasst.

Rahmen und Fahrwerk der neuen Tenere

Die Designer haben für die Yamaha XTZ700 Tenere einen völlig neuen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen entwickelt. Obwohl noch keine offizielle Gewichtsangabe für das Motorrad vorliegt, soll der neue Rahmen mit einem geringen Gewicht kombiniert mit immenser Festigkeit punkten, um sowohl den Anforderungen auf der Straße als auch im Gelände gerecht zu werden. Dank 240 mm Bodenfreiheit hat die neue Ténéré auch auf unwegsamem Gelände keine Probleme. Der Radstand beträgt kompakte 1.590 mm.

Der Radstand der Yamaha Ténéré 700 beträgt 1.590 mm
Der Radstand der Yamaha Ténéré 700 beträgt 1.590 mm (Foto: Yamaha)

Für eine optimale Kontrolle im Gelände hat die Yamaha Ténéré 700 eine flach geformte, 880 mm hohe Sitzbank und schlanke Anbauteile. Beides ermöglicht dem Fahrer maximalen Bewegungsspielraum und schnelle Verlagerung des Körpergewichts. Der schmale Kraftstofftank soll außerdem einen guten Knieschluss beim Fahren – sowohl sitzend als auch stehend – ermöglichen.

Die 43 mm starke Telegabel der Ténéré 700 mit 210 mm Federweg dürfte selbst anspruchsvollstes Gelände souverän meistern. Eine volle Dämpfungseinstellung lässt den Offroader auch zu einem komfortablen Langstrecken-Tourer werden. Hinten verfügt die neue Ténéré 700 über eine Rallye-erprobte Federung mit Umlenkhebel. Sie sorgt für ein sanftes und progressives Fahrverhalten und bietet 200 mm Federweg. Eine Besonderheit ist laut Yamaha die Ferneinstellung, mit der man die Vorspannungseinstellungen auch während der Fahrt feinjustieren kann, so dass man den Dämpfer schnell und einfach an die Fahrbedingungen anpassen kann. Die leichte Aluminium-Schwinge sorgt für geringes Gewicht der ungefederten Massen.

Bei der Erstausrüstungs-Bereifung fiel Yamahas Wahl auf den Pirelli Scorpion Rally STR. Dank des Reifenformats der Ténéré 700, mit 21-Zoll vorn und 18-Zoll hinten, gibt es eine reichhaltige Auswahl an Reifen für die Straße und das Gelände.

Yamaha spendiert der neuen Tenere Pirelli Scorpion Rally STR Schlappen
Yamaha spendiert der neuen Tenere Pirelli Scorpion Rally STR Schlappen (Foto: Yamaha)

Einfach abschaltbares ABS

Das Bremssystem der Yamaha Ténéré 2019 besteht aus zwei 282 mm großen Wave-Bremsscheiben vorn und einer 245 mm großen Wave-Bremsscheibe hinten. Wenn man im Gelände unterwegs ist, besteht die Möglichkeit, das ABS bei Bedarf vorübergehend zu deaktivieren, indem man den Killschalter im Stillstand aktiviert. Bei ausgeschaltetem ABS kann man die volle manuelle Kontrolle übernehmen, insbesondere kann man das Hinterrad in bestimmten Situationen – wie z.B. bei sehr engen Kurven oder bei steilen Abfahrten – bewusst blockieren lassen.

Aggressive Frontansicht nach Vorbild der Rallye-Motorräder

Die neue Yamaha Ténéré 700 hat eine unverwechselbare Anordnung der Scheinwerfer. Insgesamt vier LED-Scheinwerfer projizieren starke Lichtkegel, die auch die dunkelste Wildnis erhellen. Die kompakte Rallye-Verkleidung bietet einen hervorragenden Windschutz.

Das Cockpit der XTZ700 nimmt Anleihen der Rallye-auf. Es befindet sich gut sichtbar zentral angeordnet hinter der Verkleidungsscheibe. Das multifunktionale LCD-Display bietet Informationen wie Ganganzeige, Kraftstoffvorrat, zwei Tageskilometerzähler, die geschätzte Kraftstoffreichweite sowie den durchschnittlichen und sofortigen Kraftstoffverbrauch und vieles mehr. Das Cockpit ist so konzipiert, dass man auch zusätzliche Geräte, wie ein GPS, Roadbook-Leser und Smartphone, hinzufügen kann.

Das Cockpit und Tank wurden bei der Ténéré bewusst schmal gehalten
Das Cockpit und Tank wurden bei der Ténéré bewusst schmal gehalten (Foto: Yamaha)

Technische Daten der Yamaha Ténéré 700

Motor:

  • Typ: Wassergekühlte 4-Takt-DOHC 4-Ventil-Reihen-2-Zylinder
  • Hubraum: 689 ccm
  • Bohrung x Hub: 80,0 mm x 68,6 mm
  • Verdichtungsverhältnis: 11,5 : 1

Leistungswerte:

  • Maximalleistung: 74 PS bei 6.500 U/min
  • Max Drehmoment: 68 Nm bei 6.500 U/min

Fahrwerk:

  • Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
  • Vorn: Einstellbare 43 mm Upside-Down-Gabel mit 210 mm Federweg
  • Hinten: Alu-Schwinge mit Umlenkhebel und 200 mm Federweg, Ferneinstellung für das Federbein
  • 21-Zoll vorn, 18-Zoll hinten mit Enduro-Bereifung Pirelli Scorpion Rally STR
  • Bremsen: vorn: 282 mm Bremsscheiben, hinten: 245 mm Bremsscheibe

Maße und Gewichte:

  • Länge: 2.365 mm
  • Radstand: 1.580 mm
  • Sitzhöhe: 880 mm
  • Gewicht: ca 210 kg

Farben:

  • Ceramic Ice
  • Competition White
  • Power Black
Competition White ist eine von drei Farben für die Yamaha Ténéré 700
Competition White ist eine von drei Farben für die Yamaha Ténéré 700 (Foto: Yamaha)
Daneben gibt es diie XTZ700 Tenere auch in Power Black
Daneben gibt es diie XTZ700 Tenere auch in Power Black (Foto: Yamaha)
Yamaha Ténéré 700 in Ceramic Ice
…und Ceramic Ice (Foto: Yamaha)

Die neue Ténéré 700 wird in der 2. Jahreshälfte 2019 bei den autorisierten Yamaha Vertragshändlern verfügbar sein. Zu den Preisen machte Yamaha bislang keine Angaben.

Rückblick: Die Ténéré Story – wie alles begann

Wenn man will, reichen die Wurzeln der Yamaha Ténéré bis ins Jahr 1976 zurück, als Yamaha die kernige XT500 vorgestellt hat. Mit seinem drehmomentstarken Motor und kompakten Fahrwerk entwickelte sich die robuste Einzylinder-Enduro zum ungeschlagenen Bestseller. In vielen Ländern Europas war die XT500 in den späten 1970er Jahren das meistverkaufte Modell von Yamaha.  Allein in Frankreich wurden während der 14-jährigen Produktionsdauer über 60.000 Exemplare verkauft, in Deutschland waren es rund 25.000.

Ihre Allround-Fähigkeit, das robustes Design und die hervorragende Zuverlässigkeit haben vielen Motorradfahrern eine neue Erlebniswelt eröffnet. Ihre Qualitäten machten die XT500 zur idealen Wahl für Teilnehmer der ersten Paris-Dakar-Rallye, die der Franzose Cyril Neveu auf einer Yamaha XT500 gewann. Die XT500 wurde schnell zum Standardmodell für abenteuerlustige Biker und Rallye-Fahrer und gilt bis heute als eines der bedeutendsten und legendärsten Motorräder des späten 20. Jahrhunderts, mit immer noch aktiven Owner Clubs auf der ganzen Welt.

Als Weiterentwicklung der siegreichen Rennversionen für die Rallye Dakar erschlossen Modelle wie die erste YamahaXT600Z Ténéré von 1983 jedem Fahrer die Möglichkeit für Langstreckentouren. Die Ténéré-Modelle der ersten Generation zeichneten sich durch ihre robuste Bauweise, große Kraftstofftanks und unübertroffene Zuverlässigkeit aus und wurden so absolute Bestseller in Europa. Aber mehr noch: Sie lösten weltweit eine ganz neue Bewegung aus.

XT 600Z Tenere
Das Serienmodell der Yamaha XT 600Z Tenere (55W) (Quelle: Yamaha Motor Europe)

Zu dieser Zeit entwickelte sich die Ténéré-Modellreihe ständig weiter. Ende der 80er Jahre wurde der Zweizylinder XTZ750 Super Ténéré vorgestellt, gefolgt von dem Einzylinder XTZ660 Ténéré Anfang der 90er Jahre. In dieser Zeit gewann die Yamaha Adventure-Reihe viele weitere Dakar Rallyes. Der Franzose Stéphane Peterhansel holte in den 90er Jahren mit seiner XTZ750-Werks-Yamaha 6 Siege.

Den herausragenden Erfolg der originalen luftgekühlten Adventure-Bikes setzte Yamaha mit Modellen wie der XTZ750 Super Ténéré und der XTZ660 Ténéré fort. Beide galten als ultimative Adventure-Bikes für Langstreckenfahrer. Wer Leistung, Qualität, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit suchte, kam an ihnen nicht vorbei. Die heutige Yamaha Adventure-Reihe umfasst die anspruchsvollen Modelle XT1200Z und XT1200ZE Super Ténéré, die 2010 auf den Markt kamen sowie die exklusive XT1200ZE Raid Edition mit aufwendigerer Ausstattung.

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