Die österreichische Custom-Schmiede Exesor Motorcycles gibt es bereits seit 20111 und hat sich ein klares Kredo gesetzt: „To use less stock components from the donor motorcycle as possible, while manufacture as many parts in the way of custom parts. In that way individual motorcycles arise.“ Wo „Plug and Play“ verpönt ist, muss einfach etwas Einzigartiges entstehen. Und im Fall der messerscharfen Suzuki GT 250 „Santoku“ darf man das auch mit Recht behaupten.

Christian Schwarzenlander, der Kopf hinter Exesor Motorcycles, stieß auf der Suche nach einem passenden Motorrad für sein nächstes Projekt auf einen echten Garagenfund. Wo andere bei dem Wort schon leuchtende Augen bekommen, blieb der Mann vom Attersee cool. Denn das besagte Bike war eine rostige Suzuki GT 250 A von 1976, die von einer dicken Schmutzschicht bedeckt war. „Liebe auf dem ersten Blick“ sah eindeutig anders aus. Auf der anderen Seite lodert in Christian eine große Leidenschaft für den Motorradrennsport der 1970er Jahre, in der die Zweitakt-Motorräder ihr ganzes Potenzial in den Asphalt brennen durften.

Neues Leben für einen vergessenen Champion

Aber, die siegreichen Champions von einst sind längst vergessen. Die blühende Ära der Zweitakt-Motorräder ist vorbei. Eigentlich sehr schade, denn die Technologie bietet aufgrund der wenigen beweglichen Teile etliche Vorteile. Und die GT 250 A verzichtete bereits auf das etwas zweifelhafte Ram-Air-System, welches Suzuki einige Jahre zuvor seiner GT-Mittelklasse aufdrückte. Zudem der überzeugt der Motor mit einer atemberaubenden Literleistung von über 100 PS und besticht gleichzeitig mit einer sprichwörtlichen Standfestigkeit. Damit brachte der Scheunenfund alles mit, um einem Klassiker ein zweites Leben zu schenken.

Die Frage nach klassischer Restauration oder Umbau in ein Custombike war schnell beantwortet. Und so entschied Exesor Motorcycles einen klassischen Racer mit einem Custombike zu kombinieren.

Zerlegen und Sortieren

Der einjährige Umbau begann – wie andere Projekte auch – mit dem Zerlegen der arg mitgenommenen Suzuki GT 250. Christian begutachtete die einzelnen Teile, um zu entscheiden, welche wiederverwendet werden konnten und wo eindeutig Ersatz her musste.

Mit dem Winkelschleifer rückte er dem Rahmen zu Leibe und formte das Chassis – das Zielbild klar vor Augen – nach seinen Vorstellungen. Am Heck war kurz nach der Stoßdämpferaufnahme Schluss, sämtliche Halterungen und Ösen verschwanden im Funkenflug. Nach dem Cleanen bekam das Chassis eine schützende Lackierung in einem faszinierenden Senfgelb.

Die Rahmenfarbe der Suzuki GT 250 ist ein starker Kontrast zur Lackierung

Die Rahmenfarbe der Suzuki GT 250 ist ein starker Kontrast zur Lackierung (Foto: HPhotography)

Der Motor bekam neue Übermaßkolben. Die Kurbelwelle wurde komplett überholt, alle Lager und Dichtungen wurden erneuert und es wurden neue Mikuni-Vergaser montiert. Für eine freie Atmung des Motors fertigte die Custom-Schmiede eine 2-in-2 Auspuffanlage mit großen Resonanzkammern, die ein Fest für die Augen ist. Eine richtig clevere Lösung fand Christian auch für den Öltank, den er aus einem URAL-Ventildeckel fertigte und unter dem Sitz hängend montierte. Die vordere Scheibenbremse ersetzte er durch eine Duplex-Trommelbremse aus einer Suzuki T500, die dem angestrebten klassischen Racing-Look eindeutig zuträglicher ist. Neue Felgen, polierte Naben und Edelstahlspeichen kombiniert Christian mit Heidenau-Reifen in den Dimensionen 3.00 x 18 und 3.25 x 18, die das passende Vintage-Profil mitbringen.

Viele, maßangefertigte Teile für die Suzuki GT 250 Santoku

Viele Teile an der Suzuki GT 250 Santoku wurden nach Maß gefertigt, einige davon aus unbehandeltem Aluminium, wie beispielsweise die gediegene Fußrastenanlage. Viel Arbeit steckte auch in dem von Hand getriebenen Heckbürzel hinter dem knackigen Sitzpolster aus schwarzem Leder. Ein altes Schutzblech wurde so lange gedengelt und poliert, bis es schließlich die gewünschte Form annahm und metallisch glänzte.

Richtig kniffelig wurde es dann bei der Frontverkleidung aus GFK, die an die Suzuki GT 250 angepasst werden musste. Denn das Teil gehörte ursprünglich zu einer größeren Yamaha und passte nicht auf Anhieb. Alle Halterungen fertigte Christian von Hand an und schnitt die Verkleidung passend zu.

Die Yamaha-Verkleidung musste für die Suzuki GT 250 Santoku angepasst werden

Die Yamaha-Verkleidung musste für die Suzuki GT 250 Santoku angepasst werden (Foto: HPhotography)

Farblich setzt der Österreicher überzeigende Akzente und wählte ein Mattweiß und mattes Grau als Kontrastfarben zu dem senfgelben Rahmen. „Moon-Eyes“ ergänzen das farbliche Ensemble auf der Verkleidung.

„Ich bin ein großer MOON-Fan, da ich auch mit der Hot Rod-Szene verbunden bin. Also entschied ich mich, die MOON EYES hinzuzufügen und es fühlte sich richtig an.“, wie Christian bemerkt.

Nach erfolgter Endmontage suchte er nach einem geeigneten Namen für seine Kreation. Es sollte ein japanischer Namen werden, der die Suzuki trefflich charakterisiert. Dies brachte ihn auf die Idee, sein Custom-Racer nach dem populären, japanischen Küchenmesser „Santoku“ zu benennen. Der Name SANTOKU bedeutet übersetzt so viel wie „drei Tugenden“ oder „drei Verwendungszwecke“ ist ein allgemeines Küchenmesser mit Ursprung in Japan.

Und der Name passt perfekt, denn die Suzuki GT 250 Santoku verbindet:

  • einen klassischen Straßenrenner
  • mit einem individuellen Custombike und
  • hält unsere Erinnerungen an ein legendäre Zweitakt-Ära eindrucksvoll wach.
Messerscharfer Racer - Suzuki GT 250 Santoku von Exesor Motorcycles

Messerscharfer Racer – Suzuki GT 250 Santoku von Exesor Motorcycles (Foto: HPhotography)

 

Die Fotos wurden von Christians Freund, Herman Pillichshammer von HPhotography, in dessen Studio aufgenommen. Kontakt zur Exesor Motorcycles: www.exesor-motorcycles.com