CX 500 Cafe Racer – „Güllepumpe“ Schönheits-OP

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Albert Weishäupl aus einem beschaulichen Örtchen bei Wien knöpfte sich eine in die Tage gekommene „Güllepumpe“ vor und verwandelte den einst unansehnlichen V-Twin in einen wunderschönen CX 500 Cafe Racer. Dass das Ergebnis kein ‚Low Budget‘ Racer ist, sieht man ihm auf Anhieb an.

Die Verwandlung vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan kostete den Österreicher 8.500 Euro allein an Materialkosten. Insgesamt flossen ungefähr 250 Arbeitsstunden in das einzigartige Projekt, das sich bei einer 1978er Honda CX 500 als Ausgangsbasis bediente. Mit viel Vorstellungskraft, einem äußerst hohen Qualitätsanspruch und viel fachlichem Know How aus seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machte er sich frisch ans Werk und bringt das Resultat kurz und knapp auf den Punkt:

„Bei so einer Restauration inklusive Umbau gibt es keine Kompromisse. Die Maschine befindet sich danach in einem Fabrikneuen Zustand!“

Auf die Frage, was man für so ein Schätzchen hinlegen müsste, antwortet der Verwandlungskünstler nüchtern:

„Die sind unbezahlbar! Ich habe nicht vor sie jemals herzugeben.“

Die Honda CX 500 besitzt einen besonderen Charakter

Oftmals geschmäht und verhöhnt, besitzt die 1977 debütierte Honda CX 500 einen für die damalige Zeit sehr innovativen Antrieb und machte sich aufgrund ihrer ausgezeichneten Alltagstauglichkeit schnell einen Namen. Der mittragende Motor – mit den um 22 Grad nach innen verdrehten Zylindern – besitzt einen kernigen Sound und zieht auch bei niedrigen Drehzahlen bärig an. Die sprichwörtliche Zuverlässigkeit und Kraft stehen jedoch im extremen Kontrast zur biederen Anmutung der „Güllepumpe“. Wie immer, eine Medaille hat stets zwei Seiten.

Bei Weishäupl’s Ausgangsbasis aus dem Jahr 1978 kamen jedoch noch deutliche Gebrauchs- und Standspuren hinzu, die neben der geplanten optischen Verwandlung auch eine gründliche technische Revision erforderlich machte. Denn der Motor wies die für die „Güllepumpe“ so typischen Verschleißerkrankungen auf. Im Innenleben kamen ein gebrochener Steuerkettenspanner sowie eine eingelaufene Nockenwelle zum Vorschein. Zudem verdiente die Dichtung der Wasserpumpe ihren Namen und nicht mehr und sorgte für Rostbefall in der rechten Zylinderlaufbuchse. Rein äußerlich war das Aluminium des Motorgehäuses ebenfalls stark korrodiert. Kein schöner Anblick und nichts, was so bleiben konnte.

Umfangreiche Motorrevsion für den V-Twin

Nachdem der schwere Brocken aus dem Rahmen befreit und anschließend zerlegt war, bekam der CX Motor eine grundlegende Motorrevision verpasst. Die korrodierten Zylinder hatte Albert Weishäupl hohnen und die Zylinderköpfe planschleifen lassen. Nach langer Suche fand er auch die passenden Original Honda Übermaßkolben für den CX 500 Motor.

Da die Nockenwelle von dem Wasserschaden auch betroffen gewesen war, wurde diese ebenfalls überholt und geschärft und zwar von dem Bochumer Nockenwellen-Spezialisten Campro Technologie. Nach Rückkehr aus Deutschland besaß die Nockenwelle 1 Millimeter mehr Hub und modifizierte Steuerzeiten. Der Honda CX 500 Cafe Racer sollte also nach der Motormontage erwartungsgemäß über mehr Leistung verfügen. Des Weiteren erneuerte der „Transformationskünstler“ eingelaufene Lager und undichte Simmerringe sowie die Steuerkette inklusive Spann- und Gleitschiene.

Der Oberfläche des Honda-Triebwerks rückte ein Freund mit Sand- und Glasperlen-Strahlen zu Leibe und versetzte den Motorblock nebst Zylindern mit einer anschließenden Pulverbeschichtung in absoluten einen Neuzustand. Stimmige Kontraste setzte er mit geschwärzten Motordeckeln. Die Optik soll ja auch passen!

Für die Beatmung des V-Motors sind ab sofort zwei 36er DellOrto Vergaser zuständig. Die Ausatmung erfolgt über selbst gefertigte, bandagierte Krümmer sowie Single-Pipes zu jeder Seite im Brit-Style, die sich parallel zu Rahmendreieck nach oben recken.

Die Verwandlung in einen atemberaubenden CX 500 Cafe Racer

Nachdem der Motor technisch wie optisch exzellent da stand, konnte sich Albert Weishäupl dem Fahrwerk und der anstehenden Umbauarbeiten zuwenden.
Zunächst musste das lange Rahmenheck einer kürzeren Version weichen. Da es den gewünschten Hilfsrahmen für den knackigen Racer-Sitz nicht zu kaufen gab, fertigte er ihn kurzerhand aus hochwertigem Stahl selber an. Die obere Gabelbrücke wurde plangefräst und zusammen mit den Gabelrohren und Rahmen ebenfalls gesandstrahlt und pulverbeschichtet. Die Entscheidung für eine rote Farbgebung für den Rahmen stand von Anfang an fest. Zurück in der eigenen Werkstatt, bekam die Telegabel progressiv ausgelegte Federn von der Firma Wilbers aus Nordhorn sowie frisches Gabelöl und neu Dichtringe spendiert. Das Heck stützt sich nun auf Hagon-Federbeinen ab.

Den entscheidenden Look erhielt die Honda CX durch die Anbauteile von Vonzeti aus England verpasst. Die auf Cafe Racer Parts spezialisierten Briten steuerten sowohl den formschönen Tank wie auch den knackigen Sitzhöcker bei, der sogar die kompakte Elektrik mit aufnahm. Größte Herausforderung war für Weishäupl die finale Entscheidung für die Lackierung der Anbauteile. Schließlich sollte sich sein Erstlingswerk reizvoll von all den anderen Cafe Racern abheben. Mit der zeitlos schönen Kombination aus silber-metallic mit einem fetten Kontraststreifen in schwarz schuf er die perfekte Vereinigung zu dem zinnoberroten Rahmen.

Budgetschonend, stammen die weiteren Anbauteile wie Schalldämpfer, Schutzblech, Scheinwerfer und Instrumente aus dem gut sortierten Zubehörhandel und fügen sich perfekt in das bisherige Ensemble ein.

Wie gut ihm die klare, auf das Wesentliche reduzierte, Design-Linie des Cafe Racers gelungen ist, zeigt eindrucksvoll das fertige Bike. Der Kontrast aus den drei dominierenden Farben, mit dem knallroten Rahmen in der Mitte, den filigranen Anbauteilen sowie den martialisch bandagierten Krümmern ist eine wahre Freude für die Augen. Der Honda CX 500 Cafe Racer von Albert Weishäupl schreit es geradezu heraus: „…los, fahr mich, bring mich auf die Straße und ich zeige Dir, was in mir steckt!“

Durchgeführte Arbeiten am Motor im Überblick:

  • Hohnen und Schleifen der Zylinder, Einbau Übermaßkolben
  • Schleifen der Nockenwelle mit 1 mm mehr Hub (www.campro-technologie.de)
  • Überprüfung und Überarbeitung Ventilsitze
  • Erneuerung der Lager, Simmeringe, Steuerkette sowie Spann- und Gleitschiene
  • Sand- und Glasperlen-Strahlen mit anschl. Pulverbeschichtung
  • Lackierung durch Ernst Just (www.justvienna.at)

Durchgeführte Umbauarbeiten im Überblick:

  • Modifikation des Rahmenhecks
  • Sand-Strahlen mit anschl. Pulverbeschichtung von Rahmen, Tauchrohre und Gabelbrücke
  • Progressive Gabelferdern (www.wilbers.de), Federbeine von Hagon (www.hagon-federbeine.de)
  • Tank und Sitzhöcker (www.vonzeti.com)
  • Schalldämpfer, Schutzblech vorn, Instrumente, Scheinwerfer aus dem Zubehörhandel

 

Mehr zu Albert Weishäupls Projekten findet ihr unter: http://www.aw-classics.at/ Die Story über den Umbau einer biederen Suzuki LS 650 zu einem schlanken Café Racer gibt es hier zu lesen.

 

Die Portugiesische Motorrad-Schmiede „Ton-up Garage“ kreierte, vom Meer inspiriert, einen heißen Honda CX 500 Café Racer.

 

(Fotos: http://www.fotowerkstatt-gassler.at/)

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