Yamaha XS 750 – Kraftvoller Viertakter mit solider Kardantechnik

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Dem weltweiten Trend zum Viertakter folgend, brachte der weltgrößte Zweitakt-Hersteller seit Jahren einige mehr und weniger erfolgreiche Motorräder mit Viertakt-Triebwerk auf den Markt. Den Anfang machte 1969 die kultige, aber schwächelnde Yamaha XS 1 mit Parallel-Twin-Motor. Die erste Yamaha mit Viertaktmotor war bis dato auch die leistungsstärkste Maschine der Marke mit den gekreuzten Stimmgabeln im Logo. Ein Bestseller und heute legendär war bzw. ist die XT 500, die 1976 auf den Markt kam. Bereits vier Jahr zuvor versuchte Yamaha im Segment großvolumiger Motorräder Fuß zu fassen und stellte der etablierten Konkurrenz die TX 750 entgegen, die aber von Anfang an mit technischen Problemen zu kämpfen hatte und sich deshalb nicht durchsetzten konnte.

Um die lukrative Oberklasse aber nicht Honda, Suzuki oder BMW allein zu überlassen entschied sich der japanische Motorradhersteller 1976 für ein völlig neu konstruiertes Motorrad. Für die Entwicklung der Yamaha XS 750 holten sich die Japaner angeblich aktive Schützenhilfe in Zuffenhausen – vermutlich eher ein Gerücht aus der damaligen Zeit. Wie auch immer, nach dem TX 750 Desaster wollte man bei Yamaha keinen zweiten Fehlstart hinlegen. Da die Viertakt-Konkurrenz bis dato mit Zwei- und Vierzylinder-Maschinen präsent war, entwickelten die Yamaha-Ingenieure für die XS 750 ein Dreizylinder-Triebwerk mit einem wartungsarmen Kardanantrieb bekommen.

In den USA war die gefragte Yamaha mit einer 3-in-1-Auspuffanlage schon ab 1976 zu haben. Deutsche Kunden mussten sich noch bis 1977 gedulden, bekamen dafür aber eine ausgewogenere 3-in-2-Anlage und eine Doppelscheibenbremse vorn. Nach dreijähriger Bauzeit wurde die 750er von der Yamaha XS 850 abgelöst. Im japanischen Heimatmarkt lief die Yamaha XS 750 unter der Bezeichnung GX 750.

Yamaha XS 750
US-Version mit 3-in-1 Auspuff (Quelle: Yamaha)

Wie sich die Yamaha XS 750  – auch im Vergleich zur Honda CB 750 Four, Suzuki GS 750, Kawasaki Z 750 und BMW R 75/7 – schlägt, hat Nippon-Classic.de in diesem Beitrag zusammengefasst.

XS 750 Motor – Moderner DOHC-Dreizylinder

In der Motorrad-Oberklasse hatten bei den Vierzylinder-Motoren die beiden Hersteller Honda und Suzuki längst die Nase vorn. Hier aufholen zu wollen erschien wenig angebracht. Bei den Zweizylinder-Motoren hatte sich Yamaha mit dem anfälligen TX 750 Parallel-Twin-Motor kräftig die Finger verbrannt und Kawasaki und BMW besetzten diese Nische bereits.

Deshalb entwickelte der Zweitaktspezialist in Kooperation mit Porsche einen nagelneuen Dreizylinder-Viertaktmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Konstruktiv bekam der Motor eine einteilige, gleitgelagerte Kurbelwelle mit 120 Grad Hubversatz, so dass man auf komplizierte Ausgleichwellen wie bei der TX verzichten konnte (und wollte). Die Laufruhe eines seidenweichen CB 750 Four Triebwerks erreicht der Yamaha-Motor zwar nicht, hält aber lästige Vibrationen trotzdem in erträglichen Grenzen.

Das fahrtwindgekühlte DOHC-Triebwerk kommt mit konventioneller Zwei-Ventil-Technik daher, was der Leistungsausbeute keinen Abbruch tut. Die Nockenwellen werden von einer Einfach-Rollenkette angetrieben, die mit Gleitschienen und einem federbelastendem ‚Stempel‘ auf Spannung gehalten wird. Tassenstößel übertragen wiederum die Nockenbewegungen auf die insgesamt sechs Ventile. Wartungsfreundlich lässt sich das Ventilspiel bei der Yamaha XS750 ohne Ausbau der Nockenwellen bewerkstelligen. Sog. ‚Shims‘ (Distanzblättchen) werden einfach zwischen Nocken und Stößel eingesetzt, das gleiche Prinzip wie bei der Suzuki GS 750.

Yamaha XS 750
Der Dreizylinder-Motor der Yamaha XS 750 war einer der besten seiner Zeit (Quelle: Nippon-Classic.de)

Durchzugsstarker Motor mit großem Durst

In der Praxis lagen bei der XS750 knapp 64 PS Leistung bei 7.200 U/min an der Kurbelwelle an, von denen immerhin 52 PS am Hinterrad übrig blieben. Der ruckfreie, zweifach umgelenkte Kardanantrieb, für den der schwäbische Getriebehersteller Getrag verantwortlich zeichnete, kostet Leistung ist aber ansonsten vorbildlich geraten. Die zweifache Umlenkung war erforderlich, da der Motor der XS 750 quer eingebaut ist.

XS750
Die XS 750 besaß einen soliden Kardan-Antrieb ‚Made in Germany‘ (Quelle: Nippon-Classic.de)

Insgesamt haben die Zuffenhausener Ingenieure an dem Yamaha-Triple ganze Arbeit geleistet. Das Triebwerk erlaubt sowohl untertouriges Cruisen im Standgas als auch eine forsche Gangart. Dreht der Fahrer aus niedrigen Drehzahlen heraus abrupt am Gasgriff reagiert der Motor problemlos mit entschlossenem Vortrieb ohne zu Mucken. Mit viel Dampf aus dem Keller vermittelte die Yamaha XS 750 ein Fahrgefühl, dass Biker eher von englischen Maschinen vom Schlage einer Triumph oder BSA gewohnt gewesen waren. Das maximale Drehmoment von 64,75 Nm erreichte der durchzugsstarke Motor bei relativ niedrigen 6.000 Touren.

Drei Mikuni Zentralschwimmervergaser mit jeweils 34 Millimeter Durchlass befeuerten die Brennräume und ließen dem ungezügelten Durst der Yamaha XS 750 freien Lauf. Mit 177 km/h Spitzengeschwindigkeit war die XS zwar schnell, aber bei aufgedrehtem Gas auch durstig wie eine Bergziege. Gut 10 bis 12 Liter schossen dann bei voll geöffneten Drosselklappen in den Triple. Selbst bei normaler Fahrweise zog sich der Motor fast acht Liter rein. Hier lag dann auch die Achillesferse der Touren-Maschine. Mit einem lächerlich kleinen Tank sollte spätestens nach 150 bis 200 Kilometern die nächste Zapfsäule angesteuert werden.

XS750
Der Tank der XS 750 war bis 1979 viel zu klein für lange Touren (Quelle: Nippon-Classic.de)

Die Yamaha XS 750 und ihre Mitstreiter

Vollgetankt markiert die Yamaha XS 750 mit 257 Kilogramm das obere Ende der Fahnenstange. Das kann die Konkurrenz deutlich besser und trumpft mit vergleichsweise geringen 220 (BMW R 75/7) bis 247 (Honda CB 750 F2) Kilogramm auf. Dazwischen tummeln sich Suzuki und Kawasaki.

Wie erwähnt, entpuppte sich die XS 750 als durstiger Zeitgenosse mit kleinem Tank, was den Aktionsradius auf 215 Kilometer begrenzte und für ein Touren-Motorrad kein Benchmark war. Nur die Honda CB 750 F2 gönnte sich mit 9,4 Litern noch mehr auf der 100 Kilometer Strecke. Nach 190 Kilometern war der 18 Liter Tank furztrocken. Vergrößerte Ventile, längere Ventilöffnungszeiten und ein Vergaser mit Beschleunigungspumpe sorgen bei der Honda für eine ordentliche Leistungssteigerung, aber auch einen erhöhten Durst. Hier setzte die „Gummikuh“ mit 310 Kilometern die Referenz im Vergleichsfeld.

Honda kitzelte aus dem kleinsten Hubraum (736 ccm) mit 67 PS die höchste Leistung aus dem Triebwerk heraus. Allerdings verlangte der Motor hierfür rund 1.300 U/min mehr als die Yamaha. Unangefochten verteidigte die XS750 die Drehmoment-Spitze und deplatzierte ihre Mitstreiter in dieser Leistungskategorie.

Die schnellste im Bunde der 750er war die Suzuki GS 750, die in zeitgenössischen Tests auf eine Maximalgeschwindigkeit von 187 km/h kam, gefolgt von Yamaha und Honda. Schlusslicht war die BMW R75/7.

Yamaha XS 750
Die Yamaha XS 750 punktete beim Drehmoment (Quelle: Nippon-Classic.de)
Suzuki GS 750
Die Suzuki GS 750 war dafür die Schnellste im Bunde (Quelle: Nippon-Classic.de)

1978 kam bereits die erste Modellüberarbeitung

Kaum auf dem deutschen Markt, machten sich die Yamaha-Konstrukteure daran die XS 750 mit technischen Neuerungen aufzufrischen. Bei der 1978 erschienenen Yamaha XS 750 E änderte Yamaha die Form des Zylinderkopfes von einer Halbkugel in eine Doppel-Halbkugel und verbaute Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten. Eine stärkere Ölpumpe förderte nun 5,4 statt 3,7 Liter Schmiermittel pro Minute, was auch thermische Vorteile mit sich brachte. Eine kontaktlose Zündanlage sorgte zudem für eine stabilere Zündung. Durch diese Maßnahmen stieg Motorleistung von 64 auf 74 PS bei 8.350 U/min und deplatzierte damit die Honda CB 750 F2.

Eine speziell für das Warmlaufen des Motors entwickelte Düse wurde in die Starterklappe eingebaut, um das Anlassen des Motors zu erleichtern. Die Vorspannung der Telegabelfedern konnte mit der XS750 E dreistufig eingestellt werden. Dadurch verbesserte sich die Lenkstabilität.

Im darauffolgenden Jahr spendierte Yamaha der XS 750 E den lang ersehnten großen Tank mit 24 Liter Fassungsvermögen. Endlich war die Yamaha zu einem langstreckentauglichen Tourer herangereift.

1980 löste dann die Yamaha XS 850 mit mehr Hubraum und Leistung die XS750 ab.

Yamaha XS 750 technische Daten

  Yamaha XS 750Yamaha XS 750 EYamaha XS 750 E
1. Fakten
Produktion197719781979-1980
Nummerierung (Rahmen)
FarbenSilber/Blau; Schwarz/SilberSilber/Blau; Schwarz/SilberSilber/Blau; Schwarz/Silber
Neupreis7.250 DM7.540 DM7.665 DM
2. Motordaten
Motortyp3-Zylinder, 4-Takt3-Zylinder, 4-Takt3-Zylinder, 4-Takt
VentilsteuerungDOHC, Kette, 2 VentileDOHC, Kette, 2 VentileDOHC, Kette, 2 Ventile
Nockenwelle2 obenliegend2 obenliegend2 obenliegend
Hubraum747 ccm747 ccm747 ccm
Bohrung68 mm68 mm68 mm
Hub68,6 mm68,6 mm68,6 mm
Verdichtungsverhältnis8,5:19,1:19,1:1
Vergaser3 Mikuni-Zentralschwimmervergaser mit je 34 mm3 Mikuni-Zentralschwimmervergaser mit je 34 mm3 Mikuni-Zentralschwimmervergaser mit je 34 mm
3. Leistungsdaten
Leistung63,7 PS74 PS74 PS
bei Drehzahl7.200 U/min8.350 U/min8.350 U/min
Drehmoment64,7 Nm69 Nm69 Nm
bei Drehzahl6.000 U/min7.000 U/min7.000 U/min
Leistungsgewicht4,0 Kg/PS3,7 Kg/PS3,5 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit188 km/h200 km/h200 km/h
4. Abmessungen
Länge2.220 mm2.220 mm2.220 mm
Radstand1.470 mm1.470 mm1.470 mm
Leergewicht257 Kg257 Kg260 Kg
5. Bremse
Bremse vorn2 Scheiben 265 mm2 Scheiben 265 mm2 Scheiben 265 mm
Bremse hinten1 Scheibe 265 mm1 Scheibe 265 mm1 Scheibe 265 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung
AntriebKardanKardanKardan
StarterE-StarterE-StarterE-Starter

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