Yamaha TX 750 – Ritt auf dem Stier

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Schönster Fehlstart in die 750er Klasse

Als Ende der 1960er und Anfang der 70er Jahre Motorräder wie die Honda CB 750 Four, BMW R 75/5, Suzuki GT 750 und viele andere Maschinen auf den Markt kamen, debütierte Yamahas TX 750 als Konkurrenz-Modell. Die innovative Technik und der edle Look der TX 750 waren in den 1970er Jahren durchaus angesagt.

Zu den Besonderheiten der TX 750 zählten die beiden kettengetriebenen Ausgleichswellen des gleichläufigen Twins, ein absolutes Novum zu der damaligen Zeit. Die damit einhergehende Laufruhe des Motors schätzten nicht nur renommierten Motorradtester jener Tage. Des Weiteren verbaute der japanische Motorradhersteller einige interessante Features und echte Hingucker im Cockpit der Yamaha TX 750. Hier wären zum Beispiel die drei roten Kontrollleuchten zu nennen, welche zur Kontrolle von Öldruck, von verschlissenen Hinterradbremsen und des Rücklichts gedacht waren. Ein Hilfslicht-Relais schaltet bei Ausfall des Abblend-Glühfaden im Scheinwerfer automatisch auf Fernlicht um. Funktionen, die uns bis in die heutige Zeit der Motorräder begleiten und schon damals von Yamaha mit Weitsicht bedacht wurden.

Heute ist die Yamaha TX 750 eine gesuchte Rarität

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch immer Schatten! Trotz progressiver Technik kam bereits nach nur zweijähriger Produktionszeit das Aus für die TX 750. Schuld daran waren nicht gerade wenige technische Macken. Yamaha bekam zwar die Probleme mit der dritten Motorgeneration in den Griff, konnte aber den beschädigten Ruf der Maschine nicht mehr kitten. Massive thermische Probleme, hervorgerufen durch das Interferenzrohr am Zylinderkopf, zwangen Yamaha zu einer Rückholaktion, bei der nachträglich ein Ölkühler auf Kulanz montiert wurde. Aber auch der Balancer bereitete anfangs Schwierigkeiten, wenn sich die Steuerkette mit der Zeit längte.

Heute gilt die TX 750 in Fachkreisen als Rarität, die besonderer Pflege und Fürsorglichkeit bedarf. Das Angebot für noch auf dem Markt gehandelte Motorräder und Ersatzteile dieses Typs ist inzwischen rar – besonders in Deutschland. Für Motorrad- und Oldtimer-Liebhaber zählen das zeitlose Design, der gediegene Fahrgenuss und die für damalige Verhältnisse super-modernen Extras, die die TX 750 immer wieder zu etwas Besonderem machen.

TX 750 Motor – technisch anspruchsvoll und mit Marotten

Die Yamaha TX 750 verfügte über einen leistungsstarken, luftgekühlten Zweizylinder-Viertaktmotor mit 360 Grad Hubzapfenversatz. Dem kräftigen Parallel-Twin spendierten die Ingenieure einige technische Raffinessen, die man 1972 bei den englischen Vertretern der Zweiradfraktion vergeblich suchte. Wie hoch der von Yamaha betriebene technische Aufwand war, belegen…:

  • die drei im Inneren verbauten Antriebsketten für Nockenwellenantrieb, für das „Omni-Phase-Balancersystem“ und für den Anlasser,
  • zwei Eaton-Ölpumpen in Verbindung mit einer Trockensumpfschmierung sowie
  • eine Zündanlage mit zwei Unterbrechern.

Im Detail: Das OHC-Triebwerk verfügte über eine obenliegende Nockenwelle, die – per Einfach-Rollenkette angetrieben – zwei Ventile pro Zylinder über Kipphebel betätigte. Die einteilige Stahlkurbelwelle war dreifach gleitgelagert. Im Unterschied zu anderen Gleichläufern jener Tage bekam der Motor zwei Ausgleichswellen spendiert, um auftretende Vibrationen zu eliminieren. Der seidenweiche Lauf des Yamaha-Twins war einzigartig, vorausgesetzt, dass sich die zuständige Kette zum Antrieb der beiden gegenläufig rotierenden Ausgleichsgewichte nicht längte und die Wirkung des Balancers ins Gegenteil umkehrte. Leider erwies sich die Ausgleichswellenkette nach einiger Laufleistung als schwächstes Glied. Sich überlagernde Massenkräfte führten dann zu heftigen Motor-Vibrationen. Yamaha reagierte schnell auf diesen Schlamassel mit einer Spannvorrichtung, so dass die Kette im Rahmen der Inspektion korrekt eingestellt werden konnte.

Twin mit ausreichend Dampf ab mittleren Touren

Der Zweizylinder-Motor hatte einen Hubraum von 743 ccm und war mit einer Bohrung von 80 mm und einem Hub von 74 mm leicht unterquadratisch ausgelegt. Anders als bei englischen Twins mit langem Hub verfügte das Yamaha-Aggregat daher nicht über die bullige Durchzugskraft aus dem Keller heraus, aber über ausreichend Dampf ab mittleren Touren. Leistung und Drehmoment fielen länderspezifisch verschieden aus. Das maximale Drehmoment von 69 Nm erreichte der TX 750 Motor zwischen 4.500 und 5.500 U/min (Deutschland: 57,8 Nm bei 4.500 U/min). International ausgelieferte Exemplare kamen auf eine Leistung von 63 PS, während sich in Deutschland zugelassene Maschinen aufgrund geänderter Schalldämpfer mit 51 PS bei 7.200 U/min zufrieden geben mussten. Deutsche Gründlichkeit lässt grüßen. Zwei Membran-Unterdruckvergaser von Mikuni mit jeweils 38 mm Durchlass versorgten die beiden Brennräume mit Kraftstoff. Ausgeatmet wurde über einfache, aber schöne 2-in-2-Auspuffanlage.

Trotz hohem Leergewicht von 220 Kilogramm ließ sich der „Stier“ in knapp über 5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und erreichte ungefähr 185 km/h in der Spitze. Ein gut abgestuftes Fünfganggetriebe sorgte für leichtgängiges Schalten. Nur die Suche nach dem Leerlauf forderte dem Fahrer einiges an Geduld ab. Mit 19 Liter Kraftstoff und 3 Liter Öl für die Druckumlauf-Schmierung wuchs das fahrfertige Gewicht auf insgesamt 240 Kilogramm.
Spätestens mit der dritten Motorgeneration ist der Antrieb bei regelmäßiger Wartung absolut vibrationsarm, läuft kultiviert und drehfreudig und sorgte für ein angenehmes Fahrgefühl.

Handliches Fahrwerk trifft tolles Design

In Sachen Fahrwerk hatte Yamaha seine Hausaufgaben gemacht und aus den Fehlern bei der X1 gelernt. Der Doppelschleifen-Rohrrahmen erwies sich als sehr verwindungssteif und äußerst stabil rund um den Steuerkopf abgestützt.

Für Führung und Federung des 19 Zoll großen Vorderrades sorgte eine hydraulisch gedämpfte Telegabel mit 36 mm Standrohren und komfortablen 120 mm Federweg. Hinten arbeitete eine klassische Doppelschwinge aus Stahl, die leider nur in Gleitlagern ruhte. Die dreifach verstellbaren Federbeine mit 80 mm Federweg waren in der Werksbestückung recht hart. Der Radstand von 1.455 mm unterschied sich nur in wenigen Millimeter von dem anderer Maschinen dieser Klasse. Obwohl die Maschine vollgetankt 240 Kilogramm wog, war das Handling überraschend einfach und die Maschine erlaubte problemlos schnell gefahrene Kurven. Zudem war das Bremsverhalten der Yamaha TX 750 vorbildlich. Kein Wunder, die Doppelscheibenbremse mit 300 mm Durchmesser vorn und die hintere Trommelbremse mit 180 mm Durchmesser zeigten sich in der Praxis von ihrer wirkungsvollen Seite. Ein richtiger Augenschmeichler waren nicht nur die beiden Hochschulterfelgen aus Aluminium, sondern der gesamte klassisch-elegante Auftritt der zeitlos schönen Japanerin.

Tipps zum Gebrauchtkauf und Preisspiegel

Die Yamaha TX 750 ist heute ein begehrtes Sammlerobjekt bei Oldtimer-Liebhabern. Nur wenige Exemplare wechseln den Besitzer, und wenn, dann zu Preisen meist oberhalb der von Classic-Data angegebenen Schwelle von 5.000 Euro (für makellose Exemplare). Hierzulande ist dieser Motorrad-Oldtimer eine echte Rarität und gesucht. Denn von 1973 bis 1974 fanden gerade einmal etwas mehr als 1.300 Maschinen einen Käufer und nur wenige überlebten die technischen Probleme.
Späten Exemplaren, soweit überhaupt verfügbar, ist klar der Vorrang zu geben. Denn die Maschinen des Modelljahrs 1974 erhielten etliche Verbesserungen, die sich positiv auf die Lebensdauer der Maschinen auswirkte.

„Mit einer Nockenwelle mit „zahmen“ Steuerzeiten, geänderten Pleuelschrauben, neuen Zylinderkopfdichtungen, einigen Feinheiten am Rande und einem neuen Ölkühler nebst Zuleitungen ist so die dritte Generation der Yamaha TX 750-Motoren mit insgesamt 18 gravierenden Motoränderungen entstanden, die nun tatsächlich zu „stehen“ scheinen.“, resümierte MOTORRAD in Heft 14/1974.

Die wesentliche Schwachstelle der 1972er TX 750 waren die thermischen Probleme des Motors, hervorgerufen durch das am Zylinderkopf angeflanschte Interferenzrohr. Da Kurbelwelle, Pleuel und Nockenwelle sich in Gleitlagern bewegten, waren diese besonders von der Schmierfähigkeit des Motoröls abhängig. War dieses zu heiß, konnte die lebensnotwendige Schmierung versagen und Motorschäden hervorrufen. Um das Manko in den Griff zu bekommen, rief Yamaha die Maschinen offiziell zurück. Die Vertragshändler montierten dann einen zusätzlichen Ölkühler. Vermutlich gibt es auch Exemplare, bei denen versierte Schrauber selbst Hand anlegten und eine eigene Lösung schufen. Bei Kauf einer Maschine sollte hier auf Originallösung von Yamaha geachtet werden.

TX 750 Adressen

Beim Kauf einer TX 750 rate ich die Expertise eines Fachmanns einzuholen. Die Interessengemeinschaft TX 750 steht mit Rat und Ansprechpartnern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerne zur Verfügung. Motorrad-Fuchs aus Osnabrück hilft bei der Suche nach Motorrädern und Ersatzteilen. In Holland bieten „Wolters & Sons“ gebrauchte und neue Teile, technische Ratschläge und Motorüberholungen an. Horst Meise in Itzehoe betreibt die Firma „YAMAHA Klassiker Teile“ und hält ständig über 7.600 Ersatz- und Verschleißteile auf Lager.
Tipps und Tricks für eine Transistorzündung und Ölfilteradapter gibt es unter http://c-work.de/tx750/inhalt.htm.

Technische Daten Yamaha TX 750

  TX 750
1. Fakten
Produktionszeit1972 bis 1974
Nummerierung (Rahmen)n/a
FarbenMetalflake Gold, Candy Gold, Candy Red,
Neupreis5.995 DM
2. Motordaten
Motortyp2-Zylinder-Reihe, 4-Takt
VentilsteuerungOHC, Kette, 2 Ventile
Nockenwelle1 obenliegend
Hubraum743 ccm
Bohrung80 mm
Hub74 mm
Verdichtungsverhältnis8,4:1
Vergaser2 Mikuni Unterdruckvergaser mit je 38 mm Durchlass
3. Leistungsdaten
Leistung51 PS
bei Drehzahl7.200 U/min
Drehmoment57,8 Nm
bei Drehzahl4.500 U/min
Leistungsgewicht4,3 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit185 km/h
4. Abmessungen
Länge2.205 mm
Radstand1.455 mm
Leergewicht220 Kg
5. Bremse
Bremse vorn2 Scheiben 300 mm
Bremse hintenSimplex 180 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung
AntriebKette
StarterKickstarter, E-Starter

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