Kawasaki Z 1000 – würdige Nachfolge der Z1

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„Was bringt Jochen Mass in drei Sekunden von 0 auf 100?“

Schon ein Jahr nach der „Metamorphose“ der Z1 zur Z 900 präsentierte Kawasaki im Herbst 1976 deren Nachfolgerin Z 1000 – zeitgleich mit der Kawa Z 650 – auf der Kölner IFMA. Sie war der letzte Vertreter der großen Z-Motorräder mit weichen, geschwungenen Linien, die 1978 einer radikalen optischen Überarbeitung weichen mussten. Für 9.000 DM, also nur 500 DM mehr als für die Z 900, bekam man ein technisch und optisch überarbeitetes und perfektioniertes Superbike auf Basis der 900er.

Waren es auch nur kleine Änderungen, hatten sie doch große Wirkung. Durch minimale Vergrößerung der Zylinder-Bohrung von 66 mm auf 70 mm sprengte Kawasaki nun die magische Litergrenze mit einem Hubraum von exakt 1.016 ccm. Das war nicht etwa eine Reaktion auf einen untermotorisierten Vorgänger, sondern auf die Entwicklungen der anderen japanischen, aber auch europäischen Hersteller in der Einliter-Klasse. Um hier weiter mit zu spielen, war die vorhandene Basis perfekt und man konnte sich auf eine leichte Änderung der Charakteristik weg von Spitzenwerten zugunsten der „Kraft von unten“ und einem kulturvollen Lauf sowie verbesserten Fahrverhalten konzentrieren.

Optisch fiel vor allem die neue „vier-in-zwei“-Auspuffanlage auf. Die Kawasaki Z1000 anno 1976 wirkte damit schlanker und nebenbei freuten sich die Beifahrer über eine bessere Positionierung der Fußrasten. Mit verlängertem Radstand und der gestreckten Silhouette ging der japanische Motorradhersteller aus Akashi auch in Sachen Werbung neue Wege. Neben zahlreichen Werbe-Anzeigen, die vom „klassischen Leitbild im 1000er Club“ bis zur „Überlegenheit“ reichten, rückte jetzt auch ein prominenter Autorennfahrer in den Focus, der publikumswirksam seine Begeisterung für die Kawasaki Z 1000 zeigte.

Jochen Mass, damals sonst auf vier Rädern für Mc Laren unterwegs, sagte voller Überzeugung: „Dabei ist es nicht mal so sehr die urgewaltige Kraft des Triebwerks, die mich so an der neuen Z 1000 beeindruckt, ‚ne Menge Power hatten meine Z1 und später die Z900 auch. Es sind vielmehr die fantastischen Fahreigenschaften, die mir bei der neuen 1000er imponieren. Das Superfahrwerk, das immer noch ein bisschen schneller ist als die Tachonadel. Und die drei riesigen Bremsscheiben, die die ganze Kraft wieder im Handumdrehen zunichte machen.“ Auch 1977 warb Kawasaki weiterhin mit dem prominenten Motorrad-Enthusiasten und der oben genannten Headline.

Obwohl die Kawasaki Z 1000 bereits 2016 ihren 40. Geburtstag feiert, beeindruckt sie noch immer mit atemberaubenden Fahrleistungen und einem zeitlosen Design – eine würdige Nachfolge der sagenhaften Z1 900.

Kultivierter Z 1000 Motor mit Drehmoment ohne Ende

„Der Z 1000 Motor gewann durch die Überarbeitung vor allem an Laufkultur und steht nun dem ruhigsten Zweiradtriebwerk, der Honda Goldwing, kaum mehr nach. Vor allem im Bereich von 2.000 bis 6.500 U/min ist die Zunahme des Drehmoments gewaltig, und dementsprechend locker geht das Fahren vonstatten“

Was beim Motor der Z 900 noch Kritik bescherte, waren Vibrationen in bestimmten Drehzahlbereichen. Technisch reagierte man hier mit einem verstärkten Kurbelgehäuse, welches für die massiveren Kurbelwangen erforderlich war, die das Gewicht der rollengelagerten Kurbelwelle um zwei Kilogramm erhöhten. Diese senkten zwar etwas die Drehfreude und die Höchstgeschwindigkeit, vermindern aber die Vibrationen. „Der Motor gewann durch die Überarbeitung vor allem an Laufkultur und steht nun dem ruhigsten Zweiradtriebwerk, der Honda Goldwing, kaum mehr nach.“, lobte Franz Josef Schermer „Frankensteins Meisterstück“ im MOTORRAD-Test von 1976.

Dafür gewann die Maschine mit den vergrößerten Brennräumen deutlich Kraft aus dem Drehzahlkeller hinzu. In nackten Fakten gesprochen, erhöhte sich durch die Hubraum-Dosis das maximale Drehmoment von 73 auf nun 81 Nm bei 6.500 U/min (Z 900: 7000 U/min). „Vor allem im Bereich von 2.000 U/min bis 6.500 U/min ist die Zunahme des Drehmoments gewaltig, und dementsprechend locker geht das Fahren vonstatten.“, schrieb Schermer weiter im Test für die Zweirad-Bibel MOTORRAD. Die zusätzliche Elastizität fiel besonders im Soziusbetrieb auf. Bei der Leistung legte der luftgekühlte Reihenvierzylinder der Kawa Z 1000 auf 85 PS zu und benötigte hierfür 500 Touren weniger als das Vorgängermodell Z 900.

Kawasaki Z 1000 Motor
Genial konstruiert: Kawasaki Z1000 Motor (Quelle: Nippon-Classic.de)

Geringe Abstriche waren nur beim Topspeed zu machen. Dieser sank auf ca. 210 km/h, was aber in keiner Weise negativ aufgefasst wurde. Das Gemisch wurde weiterhin wie beim Vorgänger in den vier 26 mm-Vergasern zubereitet. Positiv aufgenommen wurde auch ein Sinken des Benzinverbrauches im Vergleich zum Vorgänger, ca. acht Prozent weniger Benzin brauchte das Litermodell im Schnitt.

Kawasaki Z1000 Fahrwerk – kurvenfest und bremssicher

Musste die Kawa Z1 900 noch einige Häme für ihre Bremsen einstecken, trug die Kawasaki Z1000 endlich dem Leergewicht von 256 Kilogramm und den überlegenen Fahrleistungen entsprechend Rechnung. Am Vorderrad werkelte ab sofort eine Doppelscheibenbremsanlage mit Einkolben-Schwimmsattel. Auch am Hinterrad war jetzt die Zukunft eingezogen, hier verzögerte ab sofort eine gut dosierbare 290 mm Festsattel-Scheibenbremse. Vorn rollt die Z 1000 auf Reifen im Format 3.25-19 und hinten 4.00-18.

Zur Verbesserung der Fahrstabilität wichen in der Schwingenlagerung am Hinterrad die anfälligen Kunststoff-Lagerbuchsen endlich verschleißfesten Nadellagern. Diese kleine Veränderung hatte eine riesige Wirkung. Die Fahrstabilität nahm spürbar zu und bescherte der Z 1000 nun fantastische Fahreigenschaften. Nicht zuletzt trug hierzu auch der auf 1.505 Millimeter angewachsen Radstand bei. Aber auch an die passive Verbesserung der Sicherheit dachten die Kawasaki-Ingenieure: mit ausgeklapptem Seitenständer wurde die Zündung unterbrochen und die Maschine konnte nicht mehr gestartet werden.

Z 1000
Werbung Kawasaki Z 1000 von 1976 (Quelle: Kawasaki)

Dezente Modellpflege 1978 für die Z 1000

Das letzte Modell Z 1000 (A2) bekam 1978 neben einem neuen Lackdesign Änderungen an den vorderen Bremszangen, die nun hinter den Gabelholmen befestigt waren. Der vorher runde Handbremszylinder wich einem trapezförmigen. Die Einteilung am Drehzahlmesser wurde überarbeitet, der Sitzbankbezug bekam eine neue Musterung, die Treibstoffzufuhr wurde durch einen unterdruckgesteuerten Benzinhahn geregelt.
Die Farbpalette umfasste zwei Lackierungen mit einem dunklen Rot oder einem dunklen Blau, die wiederum mit dünnem gold-gelben Dekor abgesetzt waren.

Technische Daten Kawasaki Z 1000

  Z 1000 (A1)Z 1000 (A2)
1. Fakten
Produktionszeit1976 bis 19781978 bis 1980
Nummerierung
FarbenDiamond Wine Red, Diamond Sky Blue,Luminous Green, Luminous Red; Ebony; Luminous Navy Blue, Luminous Dark Red
Neupreis9.000 DM
2. Motordaten
Motortyp4-Zylinder, 4-Takt4-Zylinder, 4-Takt
VentilsteuerungDOHC, 2 Ventile/Zyl.DOHC, 2 Ventile/Zyl.
Nockenwelle2 obenliegend2 obenliegend
Hubraum1.016 ccm1.016 ccm
Bohrung70 mm70 mm
Hub66 mm66 mm
Verdichtungsverhältnis8,7:18,7:1
Vergaser4 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 26 SS) mit je 26 mm4 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 26 SS) mit je 26 mm
3. Leistungsdaten
Leistung85 PS85 PS
bei Drehzahl8.000 U/min8.000 U/min
Drehmoment81 Nm81 Nm
bei Drehzahl6.500 U/min6.500 U/min
Leistungsgewicht2,8 Kg/PS2,8 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h
4. Abmessungen
Länge2.250 mm2.250 mm
Radstand1.505 mm1.505 mm
Leergewicht236 Kg236 Kg
5. Bremse
Bremse vorn2 Scheiben 295 mm2 Scheiben 295 mm
Bremse hinten1 Scheibe 285 mm1 Scheibe 285 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKette
StarterKickstarter, E-StarterKickstarter, E-Starter

Bewertung

  • Design 10
  • Motorleistung 10
  • Kultfaktor 8
  • Seltenheit 7
  • Wertsteigerung 7
  • User Ratings (8 Votes) 9.9
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Summary

Sie machte alles irgendwie etwas besser als ihre Vorgängerin 900 Z1, erlangt aber dennoch nicht ihren Kultstatus.

8.4 Score

Discussion3 Kommentare

  1. Pingback: Kawasaki Z 1000 MK II und Z 1000 ST (1979 bis 1980)

  2. Leider fehlen in der Daten-Aufstellung der Z 1000 A Rad- und Reifengrössen. Das sind wichtige Details. Und: Der Mann heisst nicht Franz-Josef Schirmer, sondern Schermer…

    Gruss aus Zürich
    Jürg Dedial

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