Kawasaki 350 A7 Avenger – Röhrender Kraftprotz

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Der Konkurrenz auf und davon

Ein Jahr nach Erscheinen der 250 A1 vergrößerte Kawasaki den Markt der sportlichen Zweizylinder-Zweitakter um eine neue Hubraummarke und präsentierte 1967 die Kawasaki 350 A7 Avenger. Mit einer um neun Millimeter vergrößerten Zylinderbohrung, geänderten Steuerzeiten und einem Vergaser mit 26 mm Ansaugdurchmesser entlockte der japanische Motorradhersteller dem auf 338 ccm angewachsenen Triebwerk stolze 11 PS Mehrleistung im Vergleich zu 250 A1 Samurai.

Kawasaki 250 A1
Von der Kawasaki 250 A1 gab es auch eine Scrambler-Variante – die A1SS (Quelle: Nippon-Classic.de)

Mit mehr Dampf aus beiden „Kesseln“ brauchte es nicht lange, bis hierzulande die schnelle Avenger die Herzen vieler Motorrad-Enthusiasten eroberte. Denn von der Leistungsausbeute der Kawasaki konnten ihre damaligen Konkurrenten nur träumen. Kawas Neuauflage war damals die stärkste 350er und mit 42 PS den anderen Maschinen weit überlegen:

  • Suzuki entlockte seiner T 350 Rebel immerhin 39 PS aus nur 315 ccm Hubraum.
  • Hondas CB 350K brachte es auf 36 PS bei 325 ccm Hubraum und die
  • Yamaha R3 schöpfte nur 31 PS aus 348 ccm Hubraum.

Wir verdanken es Detlev Louis, seit 1969 Generalimporteuer von Kawasaki-Motorrädern, dass die Straßenversion der Kawasaki 350 A7 den Weg nach Deutschland fand. Die beliebten Scrambler-Versionen blieben Ende der 1960er Jahre allerdings dem US-Publikum vorbehalten.

Wie die 250 A1 Samurai wurde die 350er Avenger bis 1971 gebaut und von der Kawasaki 350 S2 (Mach II) abgelöst. Trotz leicht gewachsenen Hubraums verlor die Nachfolgerin mit dem legendären Dreizylinder-Motor ein PS. Rein äußerlich glichen sich die Samurai und Avenger wie eineiige Zwillinge. Das größere Modell war lediglich vier Kilogramm schwerer und kostete exakt 3.400 DM, ein Aufpreis von 450 DM gegenüber der 250er.

Neben der Großserienfertigung engagierte sich Kawasaki auch im Rennsport. So verwundert es nicht, dass eine Rennversion, die Kawasaki A7R, 1967 für Aufsehen sorgte. Sie gewann beim Singapur GP den 1. und 2. Platz. Wie die A1 durfte und darf auch sie bei Rennen der AHRMA (American Historic Racing Motorcycle Association) mitstreiten.

A7 Drehschiebermotor mit enormen Beschleunigungsvermögen

Herzstück der Kawasaki 350er Avenger war ein aufgebohrtes 250er Triebwerk, welches sich im Wesentlichen nur beim Hubraum, den Vergasern und Steuerzeiten unterschied. Hinzukamen eine leicht geänderte Auspuffanlage, ein verstärkter Kurbeltrieb und eine optimierte Schmierung, die durch erhöhte Pumpleistung für eine zusätzliche Schmierung der Kurbelwellenlager und Pleuellager sorgte. Durch diese Veränderungen stieg das Drehmoment von 29 Nm auf 39 Nm (bei 7.000 U/min) und die Leistung auf 42 PS bei 7.500 U/min. Alles in allem steht die 350 A7 für raffinierte Großserientechnik mit Rennsport-Genen par excellence.

Wie auch die 250 A1 verzichtete der A7 Motor auf einen Einlassschlitz und verfügte stattdessen über drei opulente Überströmkanäle in Kombination mit Plattendrehschiebern, wie sie MZ bereits Jahre zuvor im Rennsport einsetzte. Die beiden Mikunis machten sich unter den beiden Motorseitendeckeln unsichtbar – und den Motor damit breit. Durch die ungewöhnliche Platzierung der Rundschiebervergaser wanderten Lichtmaschine und die CDI-Zündanlage hinter das Zylinderbankett. Darüber saß wiederum der Papierluftfilter in einer unübersehbaren runden Box. Was gewöhnungsbedürftig anmutet, funktionierte in der Praxis tadellos. Die Motorkonstruktion war tatsächlich genial ausgedacht.

Kawasaki 350 A7 Avenger Motor
Unter den Motorseitendeckeln sitzen die Vergaser der Kawasaki 350 A7 (Quelle: Nippon-Classic.de)

Obwohl die nackten Zahlen für hohe Drehzahlen sprechen, schob der Avenger-Motor bereits ab 2.000 Touren vehement nach vorn und beschleunigte das Motorrad auf der Viertelmeile in beeindruckenden 14,35 Sekunden. Kawasakis Ingenieure spendierten der A7 ein wirklich breit nutzbares Drehzahlband, so dass dem Fahrer in jeder Lebenslage Kraft im Überfluss zur Verfügung stand. Lässt man die Spitzenleistung von der Kette, reagiert die Maschine mit einer martialischen Gasannahme und katapultierte die 149 Kilogramm auf locker 175 km/h. Das Ding machte einfach nur Spaß! Selbst die technisch aufwändige Yamaha RD 350 mit ihren sieben Spülkanäle und der Einlassmembrane konnte es Jahre später nicht besser.

Kurvenflitzer mit Spaßpotential

Um mit der unglaublichen Leistung zurechtzukommen, setzten die Kawasaki-Konstrukteure auf Sicherheit. Der Kurvenräuber bekam einen stabilen Doppelschleifenrohrrahmen sowie einen hydraulischen Lenkungsdämpfer spendiert. Knotenbleche versteiften die Steuerkopfpartie mehr als ausreichend. Eine zusätzliche Querstrebe – vom Übergang der Knotenbleche zu den Rahmenunterzügen hin zum hinteren Teil des Oberrohrs – sorgte für weitere Stabilität. Über den Auspuffrohren montierte Fußrasten erlaubten dabei ordentliche Schräglagen, mit denen das Fahrwerk spielend fertig wurde.

Im Vergleich zur 250 A1 dimensionierte Kawasaki die Bereifung der 350 A7 etwas größer. Das Motorrad stand nun auf 3.25-18 Pneus vorn und 3.50-18 am Hinterrad. Anders als heute, besaß die ölgedämpfte Telegabel damals noch Standrohre aus Stahl und Chrom und verfügte über einen Federweg von 110 Millimeter. Hinten waren es drei Zentimeter weniger.

Modellvarianten und Modellpflege

Neben der Straßenversion brachte der japanische Motorradhersteller nach nur kurzer Zeit auch eine Scrambler-Variante auf den Markt. Wie bei der 250er besaß die A7 SS Avanger Auspuffrohre, die beide auf der linken Seite hochgezogen waren. Die ersten Modelle verfügten über einen ovalen Tank mit Chromwangen und Kniepads. Die Haupt-Lackfarben waren Rot, Blau und Weiß.

1969 wurde die CDI-Zündung eingeführt, die mit ihren 25.000-30.000 Volt dafür sorgte, dass das Kraftstoff-Luftgemisch im Zylinder besser und vollständiger verbrannt wurde.

Ab 1970 spendierte man dem Modell ein neues Design. Der Tank war nun langgezogen und oben abgeflacht. Statt blinkendem Chrom gab es nun Dekorelemente.

Kawasaki 350 A7
Die Kawasaki 350 A7 bekam 1971 ein völlig neues Design (Quelle: Loudbike)

Technische Daten Kawasaki 350 A7

  350-A7350-A7 (A, B)350-A7SS
1. Fakten
Produktionszeit1967 bis 19691970 bis 19711967 bis 1971
Nummerierung
FarbenCandy Red, Candy BluePearl Candy Red, Pearl IvoryCandy Red, Candy Blue, Pastel Yellow, Pastel White
Pearl Ivory
Neupreis3.400 DM
2. Motordaten
Motortyp2-Zylinder, 2-Takt2-Zylinder, 2-Takt2-Zylinder, 2-Takt
VentilsteuerungDrehschieberDrehschieberDrehschieber
Nockenwellekeinekeinekeine
Hubraum338 ccm338 ccm338 ccm
Bohrung62 mm62 mm62 mm
Hub56 mm56 mm56 mm
Verdichtungsverhältnis7.0:17.0:17.0:1
Vergaser2 Mikuni-Vergaser (VM 26 SS) mit je 26 mm2 Mikuni-Vergaser (VM 26 SS) mit je 26 mm2 Mikuni-Vergaser (VM 26 SS) mit je 26 mm
3. Leistungsdaten
Leistung42 PS42 PS42 PS
bei Drehzahl7.500 U/min7.500 U/min7.500 U/min
Drehmoment39 Nm39 Nm39 Nm
bei Drehzahl7.000 U/min7.000 U/min7.000 U/min
Leistungsgewicht3,5 Kg/PS3,5 Kg/PS3,5 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit175 km/h175 km/h175 km/h
4. Abmessungen
Länge2.005 mm2.005 mm2.005 mm
Radstand1.290 mm1.290 mm1.290 mm
Leergewicht149 Kg149 Kg149 Kg
5. Bremse
Bremse vornDuplex 180 mmDuplex 180 mmDuplex 180 mm
Bremse hintenSimplex 180 mmSimplex 180 mmSimplex 180 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKetteKette
StarterKickstarterKickstarterKickstarter
  • Design 8
  • Motorleistung 8
  • Kultfaktor 8
  • Seltenheit 9
  • Wertsteigerung 8
  • User Ratings (2 Votes) 10
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Summary

Die 350 A7 Avenger überraschte mit seitlichen Vergasern - eine auch im Rennsport bekannte Anordnung. Die Avenger war schnell und zeigte sich der Konkurrenz gerne von hinten.

8.2 Awesome

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