Honda CBR500R – die Junior-Fireblade im Check

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Rot lackiert wirkt die Honda CBR500R mit ihren LED-Doppelscheinwerfern und den weiß-blauen Zierstreifen tatsächlich wie die zierliche Schwester der Honda Fireblade. Die Fireblade ist in den letzten Jahrzehnten längst zur Ikone gereift und braucht wie die Honda Goldwing eigentlich kein „Honda“-Label mehr, um eingeschworene Fans bei der Stange zu halten. Diese enorme Anziehungskraft versucht Honda derzeit auf seine beiden kleinvolumigen Supersportler zu übertragen: Erst wurde die vierzylindrige CBR650R in Richtung Fireblade getrimmt. Nun ist die frisch renovierte Honda CBR500R mit ihrem Zweizylinder-Halblitermotor dran.

Supersportler mit mehr Schein als Sein

Beim Fahren merkt man sehr schnell, dass die CBR500R nicht mehr als ein optisch zwar durchaus gelungener Versuch ist, an der Ikone anzudocken. Der Leistungsunterschied von fast 150 PS und auch die technischen Differenzen sind einfach zu groß. Freilich darf man nicht vergessen, dass sich auch der Preis markant unterscheidet: Muss man für eine Fireblade rund 20.000 Euro locker machen, reicht fürs Schwesterchen kaum mehr als ein Drittel davon. Und für 7.090 Euro kann auch der weltgrößte Zweiradproduzent keine voll einstellbaren Feder- und Dämpfungselemente, keine Leichtmetallschwinge und keine radialen Vierkolben-Bremssättel liefern.

Die CBR500R ist ein durchaus gelungener Versuch an der Ikone anzudocken
Die CBR500R ist ein durchaus gelungener Versuch an der Ikone anzudocken (Foto: Honda)

Natürlich wissen alle potenziellen Kunden um diese Diskrepanz. Aber schließlich kommt fast niemand als Valentino Rossi auf die Welt. So gut wie jeder A2-Führerscheinneuling muss erst mal mit der Sportler-Welt warmwerden. Und dafür ist die Honda CBR500R ein lohnendes Objekt. Denn die Neuauflage dieses 2013 erstmals präsentierten Modells ist konsequent sportlicher gemacht worden:

  • Lenkergriffe runter und weiter vor
  • Fußrasten ein wenig nach hinten und höher

Das von einer gleich gebliebenen Positionierung der Hüftknochen ausgehende Rezept zur sportlichen Ertüchtigung ist bekannt und bewährt. Honda hat es konsequent angewandt – das Ergebnis überzeugt: Steigt man auf den lediglich 78,5 Zentimeter hoch montierten Sattel, stellt sich fast auf Anhieb ein „schnelles“ Gefühl ein. Wobei die Sitzposition, verglichen mit der auf einer echten Fireblade, deutlich entspannter ist. Wie bei der großen Schwester ist im Cockpit alles perfekt angerichtet: Schalter und Hebel wie auch das LC-Display – jetzt mit Ganganzeige und individuell fixierbarem Schaltblitz – sind auch eine Klasse höher nicht besser.

Munterer Motor in der Honda CBR500R

Muntere 48 PS leistet der Zweizylinder-Motor der CBR500R, der bereits sein 2013 in der Halbliter-Klasse bei Honda eingesetzt wird und seitdem in rund 75.000 Motorrädern verbaut wurde. Die mobilisierten Pferdechen passen exakt zum Leistungslimit des A2-Führerscheins. Wer das neu entwickelte, sehr präzise und leichtgängig arbeitende Sechsganggetriebe virtuos zu bedienen weiß, kann auf Land- und Bergstraßen durchaus mit weit kräftiger motorisierten Motorrädern mithalten, sofern deren Fahrer nicht permanent jenseits der Führerschein-Verlustgrenze werken.

Die 2019er Honda CBR500R wirkt auch mit 48 PS sehr aufgeweckt
Die 2019er Honda CBR500R wirkt auch mit 48 PS sehr aufgeweckt (Foto: Honda)

Und werden die Straßen richtig kurvig, zeigt die kleine Honda, dass sich nun besser als beim Vormodell auf dem Sitz herumturnen lässt, um das Knie auf den Asphalt zu bringen. Bei gutem Asphalt gibt’s keinerlei Stabilitätsprobleme, bei starken Verwerfungen und harten Kanten muckt die CBR500R dann allerdings auf und teilt mit, dass ihr das nicht wirklich behagt. Nimmt der Fahrer geringfügig Tempo heraus – die Zweischeiben-Bremsanlage ist bestens auf das Fahrzeugkonzept abgestimmt – und mäßigt sich ein wenig, ist sofort wieder alles in Butter. Wie die Bremse selbst, so gefallen auch das gut regelnde ABS und die neu entwickelte Antihopping-Kupplung.

Weder Fahrwerk noch Ausstattung der Honda CBR500R lassen ernsthaft Kritik zu
Weder Fahrwerk noch Ausstattung der Honda CBR500R lassen ernsthaft Kritik zu (Foto: Honda)

Weder fahrwerkstechnisch noch bei der Ausstattung lässt sich an der Honda CBR500R ernsthaft Kritik üben. Natürlich wären eine Blinker-Rückstellautomatik oder eine Fernbedienung für die Bordcomputer-Funktionen lässig, aber die Honda-Controller sind diesbezüglich konsequent. Immerhin wurden LED-Licht rundum wie auch eine Warnblinkanlage genehmigt. Wirklich darben muss also niemand im Sattel der CBR500R. Die gut 7.000 Euro Einstiegspreis kann man noch aufmörteln, denn es gibt allerlei nützliches, passgenau gefertigtes Zubehör, vom Topcase samt Innentasche bis zum sportlichen Tankpad.

500 Exemplare der CBR500R will Honda Deutschland in diesem Jahr an den jungen Mann sowie die junge Frau bringen. Das sollte angesichts der sehr gelungenen Formgebung der Junior-Fireblade für die Händler keine allzu harte Nuss sein. Insbesondere jene Kunden, die sich für ein rotes Bike entscheiden, erhalten on top das insbesondere bei jungen Leuten sehr beliebte Fireblade-Gefühl.

500 Exemplare der CBR500R will Honda Deutschland noch dieses Jahr verkaufen
500 Exemplare der CBR500R will Honda Deutschland noch dieses Jahr verkaufen (Foto: Honda)

Technische Daten Honda CBR500R

Motor:

  • Typ: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor
  • Ventilsteuerung: 8 Ventile, DOHC
  • Hubraum: 471 ccm
  • Max. Leistung: 35 kW/48 PS bei 8.600 U/min.
  • Max. Drehmoment: 43 Nm bei 6.500 U/min
  • Kraftübertragung: 6 Gänge, Kettenantrieb

Fahrwerk:

  • Rahmen: Stahl-Brückenrahmen;
  • Telegabel vorn: Standrohre 41 mm, 108 mm Federweg
  • Zweiarmschwinge hinten: aus Stahl, Zentralfederbein, Vorspannung einstellbar, 119 mm Federweg
  • Räder: Aluminiumgussräder, schlauchlose Reifen 120/70-17 (vorne) und 160/60-17 (hinten).
  • Bremsen: 320 mm Einscheibenbremse vorne, 240 mm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme:

  • Zweikreis-ABS,
  • Antihopping-Kupplung

Maße und Gewichte:

  • Radstand: 1.410 mm
  • Sitzhöhe: 785 mm
  • Gewicht fahrfertig: 192 kg
  • Zuladung: 179 kg
  • Tankinhalt: 17,1 Liter

Fahrleistungen:

  • Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h
  • Normverbrauch lt. EU4: 3,5 l/100 km

Die CBR500R ist für 7.090 Euro in drei Farbvarianten lieferbar:

  • Matt Axis Grey Metallic,
  • Grand Prix Red und
  • Pearl Metalloid White

 

 

[Autor: Ulf Böhringer/SP-X]

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