Suzuki RV 125 – auf Gummibällen querfeldein

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Schon Ende der 1960er Jahre gelang der kleinen Honda Dax ein fulminanter Erfolg als „Bonsai-Motorrad“. Während deutsche Hersteller in konservativer Langweile erstickten und eher biedere Mofas und Mopeds für den Stadtverkehr anboten, machten die Japaner spaßorientierte Mini-Motorräder mit einem beschwingten Styling daraus. Wie immer, fanden (und finden) erfolgreiche Konzepte schnell Nachahmer. Nicht anders war es bei der Suzuki RV 125.

Suzuki verkaufte die RV 125 ab 1973 zunächst nur in den USA und erfreute die deutsche Kundschaft erst vier Jahre nach dem US-Start mit dem größten City-Bike aus den eigenen Reihen. Die RV-Familie gab es nämlich nicht nur als 125er, sondern auch mit 50 und 90 ccm Hubraum.

125er Motor von der RM 125

Obwohl Suzuki ab 1976 eine Kehrwende im Motorenbau einleitete und dem Zweitakt-Prinzip den Rücken kehrte, wurde die Suzuki RV 125 von einem schlitzgesteuerten Einzylinder-Zweitaktmotor angetrieben, der bereits beim RM 125 Moto-Cross-Modell erfolgreich seinen Dienst verrichtete. Das bewährte CCI-Schmiersystem mit last- und drehzahlabhängiger Kolbenölpumpe gehörte zur Grundausstattung des leicht zu wartenden Motors, der via Kickstarter zu Leben erweckt wurde. Anders als bei der RV 50, war der Vergaser dr Suzuki RV 125 hinten am Zylinder angeflanscht und verfügte nur über eine konventionelle Schlitzsteuerung mit Überströmkanälen.

Suzuki RV 125 Motor
Der RV 125 Motor stammt von der RM 125 ab, wurde aber auf 7,8 PS gedrosselt (Quelle: Nippon-Classic.de)

Allerdings tunten die Techniker das Triebwerk für die Anforderungen an die RV 125 ordentlich herunter. Von den ‚motorsportlichen‘ 23 PS blieben bei der Van-Van gerade einmal 7,8 PS bei 6.000 U/min übrig. Hört sich dramatisch an, ist es aber nicht. Denn das Einsatzgebiet der RV 125 war ganz klar auf den Stadtverkehr und spaßige Geländeausritte ausgerichtet. Und so überzeugte der leistungsgeschrumpfte 125er Eintopf dank kurzer Getriebeübersetzung mit ordentlicher Beschleunigung und der Möglichkeit für eine schaltfaule Fahrweise. Wer mochte, schaffte auch Wheelies mit der 125er Van-Van.

„Autos ziehen der Suzuki Van-Van im Stadtverkehr nicht davon. Vor allem beschleunigt die RV 125 erstaunlich wuchtig aus dem Stand.“, bescheinigte Tester Paul Simsa 1977 (s)einer brandneuen Maschine.

Gut 80 Sachen waren durchaus mit der RV 125 drin, obwohl Suzuki die Höchstgeschwindigkeit mit 100 Km/h angab. Aber, zwischen Theorie und Praxis liegen ja bekanntlich oft Welten. Zudem war die Suzuki RV 125 eher für den Spaß als Speed gemacht. Besonders die Ballonreifen mit dem Blockprofilreifen vermittelten zwar querfeldein ein angenehmes Gefühl, waren aber nicht als ‚Kurvenjäger‘ ausgelegt.

Suzuki RV 125 Van Van
Typisch sind die breiten „Ballonreifen“ für die Suzuki RV 125 Van Van (Quelle: Nippon-Classic.de)

Mit dem Hintern knapp über den Asphalt

Niemand würde auch auf die Idee kommen mit dem City-Bike auf große Touren zu gehen. Denn mit 70 Zentimeter Sitzhöhe hockte man auf dem Fun-Bike nur knapp über dem Asphalt – für großgewachsene Fahrer ein Gefühl wie der berühmte ‚Affe auf dem Schleifstein‘.

Suzuki schenkte der RV 125 aber einen stabilen Zentralrohrrahmen mit Unterzug, eine ölgedämpfte Telegabel vorn sowie zwei dreifach-verstellbare Federbeine hinten. Mit einem Wendekreis von zwei Metern und einem Gewicht von nur 110 Kilogramm bot die 125er RV ein leichtes Handling und ideal für winkelige Gässchen und schmale Waldwege. Zwei einfache Trommelbremsen reichten auch aus, um die ballonbereifte Fuhre (Bereifung vorn 5,40-14 und hinten 6,70-12) zu bändigen.

Mit 2.995 DM war das Mini-Motorrad damals nicht ganz billig, erfreute aber die Besitzer mit einer günstigen Versicherungsklasse. Zweiter Wermutstropfen war der Durst der Suzuki RV 125. Denn der gerade einmal 4,7 Liter fassende Tank zwang nach rund 100 gefahrenen Kilometern zum nächsten Tank-Stopp.

Suzuki RV 125
Die Suzuki RV 125 kam 1977 nach Deutschland (Quelle: Nippon-Classic.de)

Neuauflage der RV 125 und RV 200 Van Van

Nach dem Millennium legte Suzuki das erfolgreiche Fun-Bike als RV 125 Van Van und RV 200 Van Van neu auf, die aber jetzt von einem luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor (SOHC) angetrieben werden.

Das waschechte Spaßmobil begeistert mit hohem Alltagsnutzen und einem quirligen 199 ccm Motor sowie zuverlässiger Technik und einer niedrigen Sitzhöhe kombiniert mit einem völlig unproblematischen Fahrverhalten. Egal ob Anfänger, Wiedereinsteiger, Purist oder Nostalgiker – die VanVan 200 zieht mit ihrem Retro-Look und ihrer Besinnung aufs Wesentliche alle Motorradfans in ihren Bann.

Suzuki RV 200 Van Van
Neuauflage: Suzuki RV 200 Van Van (Quelle: Suzuki)

Die wichtigsten technischen Fakten zur RV 200 van Van:

  • 199cm, 4-Takt-Einzylinder Motor
  • Benzineinspritzung
  • Luft-/Ölkühlung
  • Komfortabler Elektrostarter
  • 770mm Sitzhöhe mit komfortabler Sitzbank
  • 130mm Federweg für hohen Komfort bei sportlichem Handling
  • Breite Reifen erhöhen die Geländetauglichkeit

Technische Daten Suzuki RV 125

 EinheitSuzuki RV 125
1. Fakten
Jahr1977-1981
Startn/a
blau, orange
DM2.995 DM
2. Motordaten
1-Zylinder, 2-Takt
schlitzgesteuert
keine
ccm123 ccm
mm56 mm
mm50 mm
6,3:1
1 Mikuni Kolbenschieber-Vergaser mit je 2 mm Durchlass
3. Leistungsdaten
PS7,8 PS
min-16.000 U/min
Nm9,6 Nm
min-15.500 U/min
Kg/PS14,1 Kg/PS
km/h88 km/h
4. Abmessungen
mm1.960 mm
mm1.305 mm
Kg110 Kg
5. Bremse
Simplex
Simplex
6. Antrieb
5-Gang Fußschaltung
Kette
Kickstarter

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