Kawasaki W650 nach 15 Jahren – ein Erfahrungsbericht von Bertram Konert

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Die bildschöne Kawasaki W 650 feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. 1999 schuf Kawasaki mit der W 650 einen wahren Klassiker im Stil der 60er-Jahre. Meine Kawasaki W650 ist fünf Jahre jünger und ich werde sie so lange fahren, wie ich das Bein noch über die Sitzbank kriege. Ich fahre jedes Jahr so ca. 2.500 Kilometer und mache mir hinsichtlich Fitness und Langlebigkeit meiner W keinerlei Sorgen. Wie sich die Kawasaki W650 nach 15 Jahren und 40.000 Kilometern schlägt, erfahrt ihr in meinem persönlichen Erfahrungsbericht.

Kauf der W650

Im April 2004 habe ich meine W650 für genau 6.120 Euro mit schönem Tank (Luminous Polaris Blue) und als Kat-Version gekauft. Obwohl ich die Farbgestaltung des Tanks im Vergleich zu Ur-Version schöner fand, musste ich die Kröte schlucken, dass die PS-Leistung leider auf 47 PS gesunken war und auch die Klangkulisse des Kat-Auspuffes nicht mehr so gut rüberkam. Allerdings hatte Kawasaki die Vorderradachsenführung der W650 im Rahmen der Modellpflege verstärkt. Auch das maximale Drehmoment der W650 mit Kat lag jetzt bei 4.500 statt bei 5.500 U/min, was für mich besser zum Charakter der W passte. Auch der Klang der in den ersten Jahren etwas gepresst klingenden Kat-Auspuffanlage hat sich ab einem Tachostand von 30.000 km stark verbessert.

Die Kat-Verison der Kawasaki W650 hat 47 PS
Die Kat-Verison der Kawasaki W650 hat 47 PS (Foto: Kawasaki)

Typische Macken der Kawasaki W650

Schon früh begann das bekannte Klappern im Lampentopf, was aber durch Scotch Schwämmchen im Lampengehäuse und einem Zurechtbiegen der Lampenringhalterung schnell behoben werden konnte. Danach nervte ein drehzahlabhängiges Klackern aus der Motorgegend. Letztlich lag das an der verrutschten Kabelverlegung unter dem Tank und war ebenfalls leicht abzustellen. Auch das Kennzeichen war nach einiger Zeit durch die Vibrationen eingerissen. Hier habe ich aus der Sanitärabteilung gekaufte Gummidichtungen zwischen Kennzeichen und Halterung unterlegt und seitdem ist das Problem gelöst.

Kleine Verbesserungen im Laufe der Jahre

Die W ist jetzt nach über 15 Jahren und 40.000 km noch im Originalzustand, aber mit einigen kleinen Veränderungen versehen. Schon früh habe ich die Originalscheinwerferbirne durch eine H4 Motovison von Philips (mit orangefarbenen Ton und guter Ausleuchtung) ausgetauscht und den Öleinfüllstopfen durch einen Stopfen mit Temperaturanzeige ersetzt. Dadurch habe ich gemerkt, dass es ganz schön dauert, bis der Motor richtig warm geworden ist.

Die Batterie habe ich nach knapp sieben Jahren durch eine Yuasa YTX14-BS mit höherer Ah-Kapazität ersetzt. Da diese Batterie etwas höher baut als die originale, passt nicht mehr die ursprüngliche dicke Gummimatte ins Batteriegehäuse. Hier muss man sich eine dünnere besorgen, wenn man die Vibrationen für die Batterie etwas eindämmen möchte. Hinsichtlich der bescheidenen Vorderradbremse habe ich auf Lucas Stahlflex und GPZ 1100 Bremsbeläge (43082-1178) umgerüstet und bin nach anfänglichem stärkeren Schleifen und Sirren jetzt vollauf zufrieden mit der viel besseren Bremsleistung. Die Original-Zündkerzen wichen Iridium-Kerzen.

Die Gabelfedern wurden nach 40.000 km durch den progressiven Gabelfedersatz von Wirth (6031) ersetzt (Louis Bestellnr. 10045967). Zu beachten ist dabei, dass die enge Wicklung beim Einbau nach oben gehört und die originalen Distanzhülsen aufgrund der längeren Wirth-Federn nicht mehr benötigt werden. Auch das Luftpolster kann zur Erhöhung der Stabilität ein wenig niedriger ausfallen (ca. 10 mm) als beim Originalfedersatz. Durch diese Optimierung hat sich Handlichkeit und Stabilität doch erheblich verbessert.

Kawasaki W650 Baujahr 2004
Kawasaki W650 Baujahr 2004 (Foto: Bertram Konert)

Optisch schöner finde ich das Kettenschutzblech der W800. Das Plastikteil der W650 habe ich aus diesem Grund ausgemustert. Da mich die unzureichende Rücksicht nach hinten dauernd genervt hat, habe ich die originalen Rückspiegel gegen die Spiegel „Round“ von Louis getauscht und habe nun freie Sicht. Die Lenkergriffe wurden durch klassische Beston-Griffgummis ersetzt, die durch die mittlere Verdickung ein angenehmeres Griffgefühl vermitteln. Auch die Sitzbank habe ich gegen den etwas niedrigeren Low-Seat (Sitzhöhe nun rd. 780 mm) der W800/2 ausgetauscht. Dadurch fällt die Position von Armen und Oberkörper zum niedrigen Original-Lenker noch entspannter aus.

Die Frage nach den richtigen Reifen

Längere Zeit bin ich den Avon Roadrider AM26 (mit 2,1 bar vorne und 2,4 bar hinten) gefahren und war damit gut zufrieden. Einen großen Unterschied zum TT auf trockener Straße konnte ich allerdings nicht feststellen. Auffällig finde ich, dass das Hinterrad beim Avon trotz gleicher Maße breiter erscheint als der Dunlop TT oder der ab Werk aufgezogene Accolade. Missfallen hatte mir aber letztlich am Avon, dass nach rd. 3 Jahren Nutzungszeit alle Hinterradreifen eine Rissbildung in den Profilrillen aufwiesen. Inzwischen bin ich nach über 30.000 km auf den Conti ClassicAttack (vorne) und Road Attack 2 (hinten) umgestiegen. Der Cointinental-Reifen ist wirklich hinsichtlich der Fahrstabilität und der Kurvenlage eine Offenbarung. Und bei dieser für die W650 per Unbedenklichkeitsbescheinigung zugelassenen Radialreifenkombination werde ich bleiben.

Die W650 Wartung

Öl- und Ölfilterwechsel mache ich an meiner Kawasaki W650 nur alle zwei Jahre (2,9 Liter mit Filterwechsel). Ölschaum im Schauglas habe ich bisher nicht bemerkt, da ich mit der W650 keine Kurzstrecken fahre und somit das Öl immer die Betriebstemperatur erreicht. Die Kontrolle des Ölstandes mache ich immer an der gleichen Stelle, und drehe die W bei der zweiten Messung einmal um die Achse, um den höchsten und niedrigsten Stand im Rahmen des zumeist nicht zu vermeidenden Standgefälles besser einschätzen zu können. Bei rd. 10.000 km und 21.000 km habe ich die Ventileinstellungen überprüfen lassen. Alles war im grünen Bereich und Shims mussten nicht ausgewechselt werden. Ich denke, jetzt mit rd. 40.000 Kilometern auf der Uhr wird mal wieder eine Überprüfung der Ventileinstellungen anstehen.

Als Kettenspray habe ich von Anfang an alle 300 Kilometer Dry Lube verwendet. Da ich nicht bei Regen fahre, ist das für mich eine gute Lösung, auch wenn die Kette ein wenig lauter läuft als mit traditionellem Kettenfett. Die Original ENUMA-Kette hat mit diesem Schmiermittel bis 37.000 Kilometer ohne gravierende ungleichmäßige Längung durchgehalten. Die Einstellung der Kette wurde überwiegend nur beim fälligen Reifenwechsel vorgenommen. Nach rd. 37.000 km habe ich die Kette durch eine neue ENUMA 525 SRX (104 Glieder) ersetzt. Gleichzeitig wurde auch das Ritzel (Z-15) sowie das Kettenrad (Z-39) erneuert. Für mich ist diese Originalkettenübersetzung für den von mir gefahrenen Wohlfühlbereich (3.000-5.000 U/min) voll in Ordnung.

Knapp 40.000 km gehen für eine Kette voll in Ordnung
Knapp 40.000 km gehen für eine Kette voll in Ordnung (Foto: Kawasaki)

Die Kontrolle des Kettendurchhangs mache ich unter Belastung, d.h. ich setze mich auf das Motorrad und kontrolliere den Durchhang, der dann etwas über 1 cm betragen sollte. Der Luftfilter ist nach wie vor ok und wird von mir sporadisch gesäubert und mit etwas Öl befeuchtet. Bei rd. 34.000 km musste der Bremssattel gereinigt werden, da sich die Kolben nicht mehr leicht in die Ausgangsstellung zurück schoben, was sich durch sporadisches Schleifen der Bremsbelege nach dem Lösen der Bremse im Fahrbetrieb bemerkbar machte.

Überwinterung

Ich melde meine Kawasaki W650 nicht ab (also kein Saisonkennzeichen) und habe damit auch die Möglichkeit bei schönem Winter- oder Frühlingswetter zu fahren. Manchmal stand die W650 aber auch fünf Monate am Stück in der Garage ohne bewegt zu werden. Ich achte hierbei immer darauf, dass:

  • der Tank bis zum Rand mit Super-Plus Benzin gefüllt ist,
  • die W auf dem Hauptständer steht und
  • der Lenker bis zum Anschlag ganz nach links gerichtet ist, um Standmarken im Lenkkopflager zu vermeiden.

Die Batterie lässt sich gut ohne Ausbau aufladen, da sich bei der 2004er Version unter der Sitzbank zwei Klappen zum Batteriekasten befinden, über die man mit etwas Fummelei an den Plus- und Minus-Pol gelangen kann. Bisher ist meine W650 all die Jahre auch nach längerer Standzeit (4-6 Monate) immer nach dem zweiten oder dritten Kick angesprungen, wobei ich den Benzinhahn vorher auf PRI stelle und ein bis zweimal ohne Zündung den Kickstarter durchtrete.

Weitere Beiträge über die W 650 von Nippon-Classic.de

Auf unserer Seite Kawasaki W-Modelle haben wir vom Stammbaum der Kawasaki W aus dem Jahr 1966 bis in die Gegenwart in verschiedenen Beiträgen zusammengefasst.

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