Yamaha TZ 700 – Renn-Kaliber der Extraklasse

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So viel vorweg: Mit der Yamaha TZ 700 stellen wir heute ein Bike vor, das so selten ist wie ein Taaffeit-Edelstein. Denn mit nur einem Produktionsjahr und nur 238 gebauten Maschinen ist der Yamaha Production Racer heute alles andere als alltäglich und inzwischen mega-teuer. Deutlich populärer ist das Nachfolgemodell TZ 750.

Die Wiege der TZ 700

Die Geschichte der Yamaha TZ 700 geht bis auf das Jahr 1970 zurück, als sich am 31. Oktober die Tore zur Tokyo Motor Show in der japanischen Hauptstadt öffneten. Und die Weltöffentlichkeit wartete gespannt auf die neuen Motorradmodelle der nächsten Saison. Suzuki beabsichtigte die Vormachtstellung der Honda CB 750 Four zu brechen und präsentierte den Prototyp der wassergekühlten GT 750, die in Tokio wie eine Bombe einschlug. Denn ein Tourenmotorrad mit einem so großen wassergekühlten Dreizylinder-Zweitaktmotor hatte die Welt bis dato noch nicht gesehen. Yamaha konnte zu diesem Zeitpunkt dem „Wasserbüffel“ nichts entgegensetzen und beschloss ein eigenes Projekt auf die Räder zu stellen, um seinen Konkurrenten in die Schranken zu weisen.

Und eines muss man den Japanern lassen, wenn sie sich etwas vornehmen, dann machen sie das auch. So präsentierte Yamaha im darauffolgenden Jahr die 70 PS starke GL 750 mit einem wassergekühlten Reihenvierzylindermotor mit Zweitaktherz, welches eigentlich eine Kopplung zweiter Twins darstellte. Obwohl die Yamaha GL 750 mit moderner Benzin- Einspritzung, Fünfganggetriebe und Doppelscheibenbremsen vorne ausgestattet war, ging sie nie in Serie. Yamaha verwirft den Prototypen, besinnt sich auf seine Viertakt-Wurzeln bei großvolumigen Motorrädern und bringt 1972 stattdessen die TX 750 als Serienmaschine auf den Markt.

Yamaha TZ Production Racer und die Formel 750

Im Straßenrennsport mussten noch in den 1950er Jahren rennbegeisterte Amateure auf Serienmotorräder zurückgreifen und frisierten die Teile nach Herzensbelieben. Das änderte sich im darauffolgenden Jahrzehnt. Denn ab Mitte der 1960er Jahre nahmen nicht nur die japanischen Motorradhersteller sogenannten Production Racer in ihr offizielles Programm mit auf. Yamaha legte die luftgekühlten  TD- und  TR-Varianten auf, die später von wassergekühlten TZ Production Racern abgelöst wurden. Mit seinen käuflichen Rennmaschinen nahm Yamaha Anfang der 1970er Jahre eine führende Rolle ein und ermöglichte auch Privatiers erfolgreich an Motorradrennen teilnehmen zu können. Die kleineren Yamaha TZ 250 und TZ 350 Modelle wurden bereits Ende 1972 vorgestellt.

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Yamaha TZ350 von Stefan Horwege (Foto: Nippon-Classic.de)

Allerdings konzentrierte sich die Motorradweltmeisterschaft seit 1949 nur auf Hubräume bis 500 ccm. Parallel erfreuten sich einige prestigeträchtige Rennen wie die „Isle of Man“ oder die „Daytona 200“ zunehmender Beliebtheit, bei der auch große Serienmaschinen teilnahmen. Auf Initiative des Motorrad-Weltverbands FIM wurde daraufhin 1973 die Formel 750 aus der Taufe gehoben, bei der ursprünglich modifizierte Straßenmaschinen an den Start gingen. Das erste Rennen der Formel 750 fand am 15. April 1973 mit den 200 Meilen von Imola statt.

Kawasaki und Suzuki setzten jeweils 750er-Dreizylinder-Maschinen ein, die mit stark modifizierten Motoren und eigen­ständigen Fahrwerken von Serienmotorrädern abgewandelt waren. Obwohl Yamaha mit seinen TZ 350-Rennern auch in der Formel 750 starten durfte, hatte der japanische Motorradhersteller längst beschlossen einen eigenständigen 750er Production Racer zu entwickeln.

Yamaha TZ 700 für die Formel 750

Bei der Entwicklung der TZ 700 griffen die Yamaha-Konstrukteure tief in die Trickkiste. Da sie bereits Erfahrungen mit ihren Zweizylinder-Rennmaschinen hatten, bauten sie das TZ 700 Triebwerk auf zwei nebeneinander liegenden, wassergekühlten 350er-Motoren mit den Zylinderabmessungen der TZ 350 auf. Viele Kurbelwellenbauteile der TZ 350 fanden sich in dem 700er Vierzylinder-Rennmotor wieder.

Yamaha TZ 700
Der Motor entstammt zwei gekoppelten TZ 350 Triebwerken (Foto: Motorrad-Fuchs)

Mit 64 x 54 mm (Bohrung/Hub) kam die Yamaha TZ 700 auf einen Hubraum von exakt 695 ccm. Der auch TZ 750 A bezeichnete Yamaha Production Racer erreichte eine Leistung von 90 PS bei 10.500 U/min und damit 50 Prozent mehr als der TZ 350 Motor mit seinen 60 PS.

Während das 350er Triebwerk schlitz­gesteuert gewesen ist, verordnete man dem 750er Vierzylinder zur Kultivierung des Leistungsverlaufs einen membrangesteuerten Einlass. Zudem wurde die Auspuffanlage der Yamaha TZ 700 für ein breites, nutzbares Drehzahlband abgestimmt.

1975 vergrößerte Yamaha den Hubraum der TZ 750 B mit einer von 64 auf 66,4 mm vergrößerten Bohrung auf 747 ccm Hubraum. Die maximale Leistung kletterte auf 105 PS, die 1977 mit der vierten Ausbaustufe auf 120 PS anstieg. Vier Mikuni-Vergaser mit jeweils 34mm Durchlass versorgten den Reihenmotor mit Öl-Kraftstoff-Gemisch im Verhältnis 1:16

Yamaha TZ 700
Offene Ansaugtrichter der vier Mikunis (Foto: Motorrad-Fuchs)

Beim Chassis setzten die Yamaha-Ingenieure jedoch auf eine komplette Neukonstruktion. Das Fahrwerk bestand aus einem Doppelschleifen-Rohrrahmen mit ölgedämpfter Teleskopgabel vorn sowie Doppelschwinge und zwei einstellbaren Federbeinen hinten. Ab 1977 bekam die TZ 750 D anstelle der konventionellen Schwinge eine Cantilever-Version mit ölgedämpftem Zentralfederbein. Trotz steifem Rückgrats litt die TZ 700 unter Fahrwerksschwächen bei hohen Geschwindigkeiten, weshalb damals zahlreiche TZ’s auf Nico Bakker Chassis umgebaut wurden. Und das war gut so, immerhin war die als „The Beast“ getaufte TZ 750 sauschnell und erreichte Spitzengeschwindigkeiten von bis 300 km/h.

Die Zweikolben-Festsattel Scheibenbremsanlage mit den drei, 296 mm großen Bremsscheiben stammte wiederum aus dem Gleichbauteilesortiment der Yamaha RD Modelle ab.

Yamaha TZ 700
Die TZ 700 hatte insgesamt drei Bremsscheiben (Foto: Motorrad-Fuchs)

Die hier gezeigte Maschine von Motorrad-Fuchs mit abgenommener Vollverkleidung hat nichts zu verstecken und befindet sich in einem sehr guten und weitgehenden Originalzustand. Auch kleine heute gesuchte Details wie der Kettenspanner sind noch vorhanden. Die Auspuffanlage ist in einem ungeschweißten und sehr guten Zustand. Kenner der Materie wissen, dass die flachen Expansionskammern mit dem dünnen Blech gerne im Rennbetrieb rissen. Unzählige Schweißnähte waren das sonst übliche Resultat der Misere.

Yamaha TZ 700
Yamaha TZ 700 wurde nur 1974 gebaut (Foto: Motorrad-Fuchs)

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