Suzuki GT750 – Ein „Wasserbüffel“ auf sportlicher Tour

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Der „Wasserbüffel“ krönte Suzukis frühe Zweitakterfolge

Suzuki begann 1952 mit dem Bau von zweitaktgetriebenen Motorrädern und nutzte hierfür die Erfahrungen aus den motorisierten Vorkriegskonstruktionen. Dem Zweitakt-Motorkonzept hielt der ehemalige Webstuhl-Produzent aus Hamamatsu 24 Jahre lang die Treue. Die ersten bescheidenen Anfänge machten Fahrrad-Hilfsmotörchen mit winzigen 36 ccm Hubraum.
Das erste „echte“ Motorrad hörte 1955 auf den Namen “Colleda” und hatte schon 125 ccm Hubraum. Die Motoren wuchsen über die Jahre in Größe und Leistung, aber – von zahllosen Rennsporterfolgen bestätigt – alle im Zweitakt-Prinzip. Im Oktober 1967 stellte Suzuki mit der GT 500 seinen ersten Halbliter-Parallel-Twin vor.

Den absoluten Knaller präsentierte Suzuki dann auf der Tokio Motor Show 1970 mit dem Prototypen der GT 750. Ein Tourenmotorrad mit einem so großen wassergekühlten Dreizylinder-Zweitaktmotor hatte die Welt bis dato noch nicht gesehen. Bislang galten in dieser Hubraumklasse vier Takte als das Maß der Dinge. Honda hatte zwei Jahre zuvor seine CB 750 Four am gleichen Ort dem staunenden Publikum vorgestellt, Yamaha präsentierte seine neue TX 750 im selben Jahr. Und in Europa hießen Big Bikes in jenen Tagen BMW R 75/5, BSA Rocket 3 oder Ducati 750 Sport.

Ihrer bulligen Durchzugskraft schon bei niedrigen Drehzahlen verdankte die Suzuki GT750 ihren Spitznamen „Wasserbüffel“, der sie zur Legende werden ließ. Sie überzeugte Tester und Fahrer gleichermaßen mit einer souveränen Leistungsentfaltung, ruhigem Motorlauf und durch die Wasserkühlung gedämpfte Geräuschkulisse. Zwei Jahre später gelangte die seinerzeit größte Suzuki dann im Frühjahr 1972 endlich in die Show-Räume der Händler und etablierte sich zum Verkaufsschlager bis zur Einstellung im Jahr 1977.

Motor und Antrieb der GT 750 Wasserbüffel waren einzigartig in der Klasse

Der Zweitaktspezialist konstruierte für seinen künftigen „Platzhirsch“ einen neuen flüssigkeitsgekühlten, schlitzgesteuerten Dreizylinder- Reihenmotor mit 738 ccm Hubraum. Bohrung und Hub betrugen 70 bzw. 64 Millimeter. Suzuki verpasste diesem Kraftwerk einige technische Raffinessen:

  • So zum Beispiel hatte die Kurbelwelle einen Hubversatz von 120 Grad, weshalb das Triebwerk sehr kultiviert lief.
  • Die gepresste Kurbelwelle saß in vier großen Kugellagern. Kolbenbolzen und Pleuel besaßen käfiggeführte Nadellager.
  • Zur Unterbringung des schrägverzahnten Primärantriebs zwischen dem mittleren und rechten Zylinder waren die Spülkanaleingänge um ca. 90 Grad verdreht.
  • Bei drei Zylindern atmete der Motor aus vier Auspufftöpfen aus. Des Rätsels Lösung lag in einem gegabelten Auspuffrohr des mittleren Zylinders.

Auf dem rechtsseitigen Kurbelwellenstumpf saß die 280 Watt starke Drehstromlichtmaschine, auf der linken Seite die Zündplatine mit Unterbrecher und Spulenzündung, was für eine beachtliche Baubreite des Motors von 60 cm sorgte. Die Ölbad-Kupplung befand sich direkt auf der Primärantriebswelle.

Eine vertikal sitzende Ölpumpe förderte last- und drehzahlabhängig 1,8 Liter Frischöl zu den beweglichen Motorteilen im Kurbelgehäuse und in den drei Zylindern. Die als Crankshaft-Cylinder-Injection (CCI) bezeichnete Getrenntschmierung sorgte auch für die Getriebeschmierung.
Um den Motor zum Leben zu erwecken standen dem Fahrer ein Kick- und E-Starter zur Verfügung. Eine offene Rollenkette übertrug die Motorleistung vom klauengeschalteten Fünfganggetriebe zum Hinterrad.

Suzuki GT 750 Prospekt
Suzuki GT 750 Prospekt (Quelle: Hersteller, Foto: Nippon-Classic.de)

Leistung und Drehmoment bestimmen den unverkennbaren Charakter des Motorrades. Der „Büffel“ leistete stramme 67 PS bei 6.500 U/min, von denen nach Berücksichtigung sämtlicher deutscher Normen leider noch 52 PS bei 6.800 U/min hierzulande übrig blieben. Ein maximales Drehmoment von 75 Nm bei 5.500 U/min (Deutschland: 65 Nm bei 5.250 U/min) zeichnet für den souveränen Durchzug des „Büffel“-Triebwerks verantwortlich. Drei Mikuni Unterdruck-Membranvergaser mit je 32 Millimeter Durchlassöffnung befeuerten den Dreizylinder.
Die von Werk angegeben Höchstgeschwindigkeit lag bei 185 km/h, in Tests schaffte das Motorrad im Solobetrieb bis zu 196 km/h. Trotz hohem Gewicht in fahrfertigem Zustand von 251 Kilogramm, beschleunigte die Suzuki GT750 in sechs Sekunden von null auf 100 km/h. Der Durst der Maschine fiel entsprechend hoch aus, im Schnitt flossen neun bis zehn Liter pro 100 Kilometer durch die drei Vergaser.

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