Honda CB350 RS – Retro-Single aus Indien

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Honda legte bereits 1959 mit Einführung der CB92 den Grundstein für eine der erfolgreichsten Motorradmodelle in der Geschichte. Um den Geschmack europäischer Motorradfahrer scheinbar zu treffen, entschieden sich Hondas Modellstrategen in der jüngsten Vergangenheit jedoch für immer futuristischere Maschinen mit dem CB-Kürzel im Namen. Einzige Ausnahme war die CB 1300, die mit klassischen Linien zumindest an die Seven-Fifty erinnerte. Doch in den mittleren Hubraum-Klassen hielt Moderne und Sportlichkeit Einzug. Mit der brandneuen Honda CB350 RS präsentiert der Honda-Ableger in Indien, die Motorcycle & Scooter India Pvt. Ltd. Ltd, ein wunderschönes Retro-Bike.

Honda positioniert die CB350RS ganz bewusst gegen die Ende 2020 debütierte Royal Enfield Meteor 350, die nun im Frühjahr auch nach Europa kommt. Das lässt hoffen, dass Honda mit der CB 350 RS gleichzieht und sie auch in Deutschland anbieten wird. Wir bleiben gespannt.

Kleinere Motorräder in Indien bedeutend

Hubraumgigantismus spielt in Indien überhaupt keine Rolle. Eine BMW R18 wäre eine reine luxuriöse Verschwendung. In dem zweitbevölkerungsreichsten Land erfüllen Zweiräder einen ganz profanen Zweck als zuverlässiges und günstiges Transportmittel für die Familie oder Waren. Bei einem Motorradbestand von ca. 140-150 Millionen Maschinen sind deshalb vor allem kleine Einzylinder-Motorräder und Scootern bei der Bevölkerung besonders gefragt.

Motorräder und Scooter sind profane Fortbewegungsmittel in Indien
Motorräder und Scooter sind profane Fortbewegungsmittel in Indien (Foto: Bosch)

Die „Rezeptur“ der CB350 RS passt für den indischen Motorradmarkt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ach wenn die Honda mit 350 ccm Hubraum den sonst üblichen Rahmen „sprengt“, sind die Zutaten, bestehend aus einem kräftigen Einzylinder-Motor, robusten Rahmen aus Stahlrohr, Zweifachfederbeinen und einer komfortablen Sitzbank, perfekt in einem klassischen Design verpackt. Und wir sind überzeugt, dass die gefällige Honda CB350 RS auch hierzulande viele Käufer finden würde. Mit umgerechnet 2.250 EUR erscheint die 350er Honda recht günstig. Allerdings entspricht der Kaufpreis rund 14 Monatsgehältern, wenn man den Einkommensdurchschnitt in Indien zugrunde legt.  

Das Design der Honda CB350 RS

Mit aller Liebe zu klassischen Motorrad-Design hebt sich die CB350RS trotzdem positiv aus jeder Richtung ab. Der runde LED-Scheinwerfer betont den modernen Retro-Look. Die augenförmigen LED-Blinker und die elegante LED-Rückleuchte unter dem Sitz verleihen der CB 350 RS ein zeitloses Profil. Die mattschwarzen Kotflügel vorne und hinten sind aus Kunststoff gefertigt und und betonen die sportliche Note der Honda. Ebenfalls mattschwarz ist die doppelwandige Auspuffanlage gehalten, die jedoch einen verchromten Trittschutz besitzt.

Die Sitzbank der Honda CB350 RS gefällt auf Anhieb
Die Sitzbank der Honda CB350 RS gefällt auf Anhieb (Foto: Honda)

Langhubiges Motorkonzept

Die Honda wird von einem luftgekühlten Einzylinder-Viertakt-Motor mit 348,36 ccm Hubraum angetrieben, der senkrecht im Fahrtwind steht. Auch wenn die maximale Leistung mit 21 PS bei 5500 U/min nicht besonders üppig ausfällt, liegt das maximale Drehmoment von 30 Nm bereits bei 3000 U/min an. Der Motor wurde hierfür mit einem Verhältnis bei Bohrung und Hub von 70,0 x 90,5 mm – Honda untypisch – langhubig ausgelegt. Damit der Donnerbolzen nicht zu sehr vibriert, verpassten die Konstrukteure dem Single eine Ausgleichswelle vor der Kurbelwelle. Der Koaxialausgleicher soll sowohl Primär- als auch Sekundärvibrationen eliminieren.

Der Motor der CB350RS ist langhubig ausgelegt
Der Motor der CB350RS ist langhubig ausgelegt (Foto: Honda)

Der Eintopf wird per Knopfdruck zum Leben erweckt und eine PGM-FI-Einspritzung sorgt für die notwendige Kraftstoffzufuhr zum Moto. Geschaltet wird über ein 5-Gang-Getriebe und eine Kette überträgt die Kraft zum Hinterrad.

Das dürfte die CB350RS zu einem unkomplizierten, vielseitigen Motorrad für den täglichen Pendelverkehr in der Stadt machen. Und wer schon einmal eine Yamaha SR 500 mit 27 PS bewegt hat, weiß dass die Leistung durchaus auch für eine flottere Gangbar ausreichend ist.

Die neue Honda CB 350 RS in Radiant Red Metallic
Die neue Honda CB 350 RS in Radiant Red Metallic (Foto: Honda)

Das Motorrad ist mit einer 310-mm-Scheibenbremse vorne und einer 240-mm-Scheibe hinten ausgestattet. Ein Zweikanal-ABS verhindert das Blockieren der Räder und sorgt für mehr Vertrauen auch auf nassen Straßen. Das 19-Zoll-Vorderrad ist mit einem schicken 100/90-19M/C 57H Reifen bestückt. Das 17-Zoll-Rad hinten läuft auf einen 150/70-17M/C 69H Gummi und sorgt für eine niedrigere Heckposition.

Trocken wiegt die Honda CB 350 RS laut Hersteller 179 Kilogramm. Die Sitzhöhe von 80 Zentimetern gefällt genauso wie der tourentaugliche Tank mit seinen 15 Litern Fassungsvermögen.

Die CB350RS wird in zwei Farbvarianten angeboten
Die CB350RS wird in zwei Farbvarianten angeboten (Foto: Honda)

Angeboten wird die Honda in zwei Farbvarianten: Black mit Pearl Sports Yellow sowie Radiant Red Metallic.

Discussion4 Kommentare

  1. Noch besser gefällt mir die H’ness.
    Verchromte Blechkotflügel und ein schöner Auspuff.
    Endlich wieder ein Motorrad, dass wie ein Motorrad aussieht.
    Liebe auf den ersten Blick!

    Die Leistung ist für mich zweitrangig.
    Der Einzylinder gefällt!
    Mehr als 2 Zylinder braucht kein Motorrad. ;o)

    Viele Grüße,
    Dom

    Hoffentlich kommen diese Modelle nach Deutschland, bzw. Europa.

    Die H’ness würde ich sofort bestellen!

  2. Peter Maschberger

    Sehr schöner Artikel! Gibt es Neuigkeiten darüber, ob das Moped noch in diesem Jahr nach Deutschland kommt? Laut Medien sollen wohl schon Gespräche mit dem Honda Headquarter stattfinden.

  3. Hallo zusammen,

    schick sieht sie aus, die neue Bescheidenheit. Nachdem die meisten Neuerscheinungen aus dem Land der aufgehenden Sonne eher einem „angry insect“ aus einem dystopischen Sci-Fi-Film ähneln, kommt mit der nie verebbenden Welle der Retro-Bikes wieder eine ansehnlichere Formensprache in den Markt. Der Erfolg der Customizing-Szene, welche die 70er und 80er-Jahre-Bikes mal mehr, mal weniger gekonnt neu in Szene setzt, gibt dem neuen Designtrend recht. Die Natur hat als perfekte Form nun einmal die Rundung, das wußte schon der geniale Luigi Colani. Dabei empfinde ich persönlich jetzt die SUZUKI KATANA 750/1100-Baureihe ausdrücklich nicht als Sündenfall, den hier gelang es dem TARGET-DESIGN-Team, den Fahrer trotz des eckig-technologischen Designansatzes bei Tank, Sitzbank und Verkleidung organisch in die Maschine zu integrieren. Damaliger O-Ton von L.Colani: „Da kneten die Kollegen nachts an ihren runden Weibern `rum und tagsüber bauen die dann so schreckliche Knick-Knack-Kisten“!
    Wie dem auch sei, so schlecht waren die 70er und 80er-Jahre im Design nicht, sonst würden heute keine fünfstelligen Preise für Ikonen wie die CB 750 Four (K0-K5) oder die Z900/Z1 bezahlt werden (von der japanischen Warte aus gesehen). Und das die Entwicklung hin zu noch mehr Hubraum, noch mehr Leistung (über 200 PS) nicht immer zielführend für ein Mehr an Fahrspass ist, versteht sich auch.
    Daher freue ich mich auf die kleinen, feinen Retro-Bikes, die auf der Suche nach neuen Käufergruppen noch aufgelegt werden.

    Bikergruß
    Frank Colling

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