Superlative auf zwei Rädern – Eckert Honda RE1

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In Deutschland ist Roland Eckert aus dem schwäbischen Kupferzell seit Jahrzehnten der Inbegriff für Motorradtechnik in Perfektion und muss wohl niemanden mehr vorgestellt werden. Viele Jahre waren Langstrecken-Rennmaschinen die Spezialität des Motorradkonstrukteurs und Rennteamchefs und sein Meisterwerk ist die unvergleichliche sowie in reiner Manufakturarbeit gefertigte Eckert Honda RE1.

Die finanzielle Mittel für dieses nicht ganz preiswerte Engagement brachte er mit seiner 1970 gegründeten Firma Eckert-Präzisionsteile auf, die es noch heute gibt. Und er konnte somit auch auf ein profundes Know How in der Metallbe- und verarbeitung zurückgreifen, was den schwäbischen Edeltuner unabhängig von Zulieferfirmen machte.

RE1 – teure Geduldsprobe des Meisters

Seinerzeit war die Eckert-Honda RE1 nichts für ungeduldige Gemüter. Denn der Meister seiner Zunft nahm sich ausreichend Zeit seine Motorräder nach eigenen Vorstellungen zu realisieren.

„Ein Motorrad ist ein komplexes und überaus kompliziertes Präzisionsgerät. Solange nicht jedes Detail perfekt durchkonstruiert und gefertigt ist, verlässt keine Maschine meine Werkstatt“ konterte Roland Eckert Anfang der 1980er Jahre die Bemühungen eines eifrigen MOTORRAD-Journalisten eine der raren Maschinen für einen Test zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Neben Geduld brauchten RE1-Interessenten auch einen dicken Geldbeutel, denn mit damals 35.000 DM war die Eckert Honda kein billiges Privileg ein solches Motorrad besitzen (und fahren) zu dürfen.

Eckert Honda RE1
Die Eckert Honda RE1 war und ist kein billiges Vergnügen (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

Stabiles Fahrwerk ohne Modetrends

Für die RE1 konstruierte Roland Eckert einen unten offenen Brückenrohrrahmen aus hochfestem Chrommolybdänstahl. Den getunten Honda Bol d’Or-Motor (dazu später mehr) integrierte er als tragendes Element weit unten im Chassis und schaffte somit einen tiefen Schwerpunkt der Rennmaschine.

Bei der Hinterradführung setze er auf eine Kastenschwinge, die in Kegelrollen gelagert per Exzenter verstellbar war. Von den Anfang der 80er Jahre aufkommenden Zentralfederbeinen mit komplexem Umlenkmechanismen distanzierte sich der Edeltuner und setzte stattdessen auf zwei, dreifach-verstellbare Bilstein-Federbeine. Vorn verbaute er in die Ecker Honda RE1 eine eigen konstruierte Magnesium-Telegabel mit 38er Standrohren.

Eckert Honda RE1
Kastenschwinge mit Bilstein-Dämpfern (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

Erstaunlicherweise verstand Eckert das Fahrwerk nur als Mittel zum Zweck, welches aber durch „außergewöhnliche Spurtreue und Handlichkeit“ und jeglicher Entsagung von Pendelerscheinungen begeistert.

Die Eckert Honda RE1 bot hochkarätige Technik

Herzstück der Eckert Honda RE1 ist jedoch der Motor, den der Schwabe zur Perfektion brachte. Das quicklebendige Bol d’Or Serien-Triebwerk reichte ihm für echte Rennsport-Ambitionen natürlich nicht aus. „Getunt mit hockkarätigen Teilen aus der Honda-Rennsportabteilung“, wie Motorrad im Test 1982 schrieb, tunte er das Vierzylinder-Triebwerk der RE1 auf satte 130 PS bei 9.500 U/min. Unter dem verrippten Aluminium werkelten ein „penibel gewuchteter Kurbeltrieb, spezielle Pleuel, größere Ventile und bearbeitete Ansaugkanäle“. Vier Keihin-Rennvergaser aus dem Motorsport wurden speziell für den Straßenbetrieb angepasst. Wem die Ehre eine Eckert RE1 fahren zu dürfen, freute sich zudem über ein eng-gestuftes Fünfgang-Renngetriebe und ein Triebwerk mit hoher Laufkultur über den gesamten Drehzahlbereich.

Eckert Honda RE1
Getunter Motor mit hochkarätigen Teilen aus der Honda-Rennsportabteilung (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

Das Ergebnis ließ sich damals kaum mit bekannten Superlativen beschreiben: „Die hohe Leistungsausbeute schlicht mit dem Ausdruck gewaltig zu bezeichnen, hieß derb zu untertreiben. Was sich tut, wenn die Nadel des Drehzahlmessers die 6000er Marke passiert hat, ist bestenfalls Dragster-Piloten ein alltägliches Erlebnis“, kommentierte die Zeitschrift MOTORRAD ehrfürchtig das Erlebte.

Erst bei 250 Sachen endete der Vortrieb im fünften Gang bei rund 10.000 Touren. Damit steht auch das Revier der Honda Eckert RE1 fest – wenn es keine Rennstrecke sein darf, dann bitte aber mindestens eine Autobahn mit freier Strecke.

Da im Rennsport bekanntlich neben Leistung und Traktion auch Aerodynamik zählt, legte Roland Eckert beim Motor auch äußerlich Hand an, damit der sonst breit bauende Bol d’Or Motor unter die schmale Vollverkleidung passt. Der auslandende Gehäusedeckel für die Zündung wich einer schlanken Version. Für diese Maßnahme verlegte Eckert die Zündanlage einfach in ein separates Gehäuse aus Magnesium hinter den Zylinderblock. Rechts verbaute er eine schmale Lichtmaschine aus dem Motorsportprogramm. Viel Aufwand, um sieben Zentimeter Baubreite einzusparen. Für einen Perfektionisten und Rennsportfanatiker wie Roland Eckert jedoch nicht.

Eckert Honda RE1
Versetzte Zündanlage zur Verschmälerung der Motorbreite (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

„Spiel ohne Grenzen“

Ein Superlativ war dem schwäbischen Motorradtuner Roland Eckert wohl nicht genug. 1984 legte er mit der Eckert Honda RE1 S noch einmal nach. Leistung diesmal: 145 PS, Gewicht 201 Kilogramm, Top Speed 270 km/h, Preis: schwindelerregende 50.000 D-Mark.

Ein Motorrad für Kenner und Sammler

Wolfgang Fuchs, der die hier gezeigte RE1 von 1983 zum Verkauf anbietet, machte sich vor über zehn Jahren mit dem Handel von klassischen Motorrädern selbstständig. In der Anfangszeit befasste sich Motorrad-Fuchs schwerpunktmäßig mit Motorrädern der 1970er Jahre, entwickelte aber in den Folgejahren ein ganz breites Spektrum bis in die Vorkriegszeit und von Motorrädern unterschiedlichster Hersteller. Preis und weitere Informationen zu dieser Eckert-Honda gerne auf Anfrage an Motorrad-Fuchs.

Eckert Honda RE1
Diese Eckert Honda RE1 von 1983 steht zum Verkauf (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

Technische Daten der Eckert Honda RE1

Motor

  • Luftgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor mit zusätzlichen Ölkühler
  • 1062 ccm Hubraum (Bohrung/Hub: 70/69 mm)
  • 2 obenliegende, über Zahnkette angetriebene Nockenwellen
  • 4 Ventile pro Zylinder
  • 4 Keihin-Vergaser mit je 32 mm Durchlass
  • 4-1 Auspuffanlage Eckert
  • Leistung: 130 PS bei 9.500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h (Test MOTORRAD: 253 km/h liegend)

Fahrwerk

  • Brückenrohrrahmen unten offen, Motor mittragend
  • Kastenschwinge mit 2 Bilstein Gasruckdämpfern
  • Magenesium-Telegabel von Eckert
  • Radstand: 1460 mm
  • Bremsen: vorn Doppelscheibenbremse mit 280 mm, hinten: Einfachscheibe mit 260 mm Durchmesser
  • Vollverkleidung von Eckert
Eckert Honda RE1
Vollverkleidung von Eckert (Foto: Motorrad-Fuchs.com)

Weitere Fotos der Eckert Honda gibt es in der Bilder-Galerie.

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