Nach dem Krieg wurde Honda mit dem Bau kleinerer Zweiradtriebwerke – vor allem mit 50 und 98 ccm Hubraum – erfolgreich. Trotz enormer Nachfrage nach Motorrädern auf dem japanischen Heimatmarkt suchte Honda bereits sehr früh nach weiterem Wachstum außerhalb Japans. Hierfür begann Honda größere Triebwerke mit mehr Motorleistung zu entwickeln. Eine der frühen Motorräder der „neuen“ Generation war die Honda C 71.

Bereits Mitte der 50er Jahre legte Soichiro Honda den Grundstein für das 1957 gegründete „Research & Development Center“, in welchem seinerzeit bereits 300 Ingenieure beschäftigt waren. Diese frühzeitige Investition in Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zahlte sich für Honda später aus. Denn bereits 1957 brachte Honda die erste Serienmaschine mit einem 247 ccm großen Parallel-Twin Viertakt-Motor auf dem Markt – die C 70.

Das Motorrad leistete 18 PS bei 7.400 U/min. Die C 70 stellte die technische Basis für alle in den nächsten Jahren nachfolgenden 250 ccm Motorräder aus dem Hause Honda. Zwei Jahre, 1959, später debütierte die Dream Honda C71, von der insgesamt 95.359 Maschinen gebaut wurden. Wesentliche Änderungen gegenüber ihrer Vorgängerin betrafen:

  • Eine höhere Verdichtung und damit eine Leistungssteigerung auf 20 PS bei 8.400 U/min.
  • Neben dem obligatorischen Kickstarter konnte nun auch elektrisch gestartet werden
  • Der Einzelsitz wich einer bequemen Sitzbank für zwei Personen
Die Honda C71 kam mit Doppelsitzbank

Die Honda C71 kam mit Doppelsitzbank (Foto: Messe Friedrichshafen)

Motor und Antrieb der C 71

Der Zweizylinder-Viertakt-Motor mit 247,3 ccm Hubraum ist als Parallel-Twin im Gegenläuferprinzip konstruiert und verfügt über eine Trockensumpfschmierung. Bohrung und Hub wurden mit 54 x 54 mm identisch ausgelegt. Mit 20 PS kam die Dream auf ein Leistungsgewicht von ca. 8 Kg pro PS. Ein Keihin-Einzelvergaser lieferte dem Honda-Motor das Benzin-Luft-Gemisch.

Für das Motorgehäuse sowie Zylinderblock und -kopf entschied sich Japans führender Motorradhersteller für eine Aluminium-Leichtbauweise. Wie in späteren Parallel-Twins von Honda, verfügte der Dream C71 Motor über eine obenliegende Nockenwelle, die per Steuerkette von der Kurbelwelle angetrieben wurde. Jeweils zwei Ventile öffnen und schließen die Brennräume, die über Kipphebel betätigt werden. Die Motorleistung übertrug eine Einfachkette zum klauengeschalteten Vierganggetriebe.

Neben der Honda C71 gab es auch die CR 71 Super Sport ohne Anlasser

Neben der Honda C71 gab es auch die CR 71 Super Sport ohne Anlasser (Quelle: Honda)

Eine in einem geschlossenen Kasten laufende Kette übernahm den rechtsseitigen Sekundärantrieb zum Hinterrad. Damit wirkten Motor und Kettenkasten als eine kompakte, optisch gelungene Einheit. Die Zweischeiben-Kupplung lief im Ölbad und sitzt unter dem linken Motorgehäusedeckel, während die Lichtmaschine rechts untergebracht war.

Das Vierganggetriebe besaß eine gewöhnungsbedürftige Schaltreihenfolge, wie Winni Scheibe schon 2009 schrieb:

„Zum „Hochschalten“ wird der Schalthebel nach unten gedrückt. Tritt man im vierten Gang angekommen erneut auf den Hebel, schaltet man erst in den Leerlauf und dann gleich zurück in den ersten Gang.“

Neben der 247 ccm Variante gab es wieder ein identisches Motorrad mit 305 ccm Hubraum – die Honda C 76.

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Das Fahrwerk und Besonderheiten

Bei Rahmen und Fahrwerk setzte Honda auf den bewährten und dem damaligen Zeitgeist entsprechenden gepressten und unten offenen Stahlrahmen des Vorgängermodells. Für den notwendigen Fahrkomfort sorgte am Vorderrad eine Kurzschwinge und hinten eine Schwinge mit zwei geschlossenen Federbeinen. Der C 71 Fahrer verzögerte vorn und hinten jeweils mit einer 175 mm Simplex-Trommelbremse.

Auf der Sitzbank hatten zwei erwachsene Personen bequem Platz. Wobei der Beifahrer damit leben musste, dass die Fußrasten an der Hinterradschwinge befestigt waren und seine Beine somit den Federbewegungen während der Fahrt folgten. Unterhalb der Sitzbank hatte Honda auf der rechten Rahmenseite den 1,5 Liter Öltank für die Trockensumpfschmierung verbaut.

Neben einer „Touring“ Variante (CA 71) hatte Honda auch eine „Sport“ Ausführung (CE 71) ins Programm aufgenommen. Letztere unterschied sich u.a. durch 18 Zoll Räder bei den frühen Modellen, Kniegummis am Tank sowie andere Lackierungen: die Kotflügel, Rahmen, seitliche Abdeckung, Gabel und Scheinwerfer waren entweder schwarz oder rotbraun. Der „Touring“ Käufer konnte zwischen vier Farbtöne entscheiden.

Honda CS 71 mit hochgezogener Auspuffanlage

Honda CS 71 mit hochgezogener Auspuffanlage (Foto: Honda Motor Co.)

Zu den Besonderheiten gehört sicherlich die 1958 präsentierte CS 76 bzw. CSA 76 „Sport“ – ein Schwestermodell der C 71 – mit hochgelegter Auspuffanlage.

Technische Daten

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