Tagebuch einer Kawasaki Z750 Restauration – 3. Teil

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10.8.2016: Aller guten Dinge sind drei

…obwohl es nur um zwei Räder geht: Unser Urlaub passte zeitlich ganz gut, denn sowohl die Felgen wie auch die Motordeckel und der Tank waren noch unterwegs. Ich hatte mit meinem Sohn vereinbart, dass er, sobald das große Paket aus Preetz eintrifft, samt Reifen und Schläuchen zum Reifendienst fährt und die wirklich noch guten Reifen wieder aufziehen lässt. Hat er gemacht, alles fein, bis…mir einfiel, dass es ja am Hinterrad der Z750 diese komischen Reifenhalter gibt und dass die drin sein sollten, wenn der TÜV darauf schaut. Löcher in der Felge sind vermutlich plakettenschädlich.

Also Matti angerufen und ihm erklärt was zu tun ist: „Was sind denn Reifenhalter? Wie sehen die denn aus und wo finde ich die?“ Ja, da habe ich mal wieder gemerkt, dass ich doch älter bin und dass meine B altehrwürdiges britisches Kulturgut pflegt. Oder wo sonst gibt es solche Dinger noch?

„Ok, Gummiteile mit mittig einvulkanisiertem Gewindebolzen, etwa 10 mal 5 cm groß. Die liegen halb links auf etwa halber Höhe im Setzkasten“ (siehe Wimmelbild in Teil 2). „Jau, find ich, mach ich!“  Beruhigt konnte ich mich wieder der Ruhe Ålands hingeben.

Nach dem Urlaub also hin zum Reifendienst meines Vertrauens, der schon seit 20 Jahren sämtliche Gummis meiner Fahrzeuge montiert. Alles dran, Reifenhalter sitzen, also ab in den Kofferraum.

Juhu, heute Abend steht meine Kawasaki Z750 wieder auf eigenen Rädern – so die vorfreudige Planung. Beim verzückten Blick auf die polierten Naben, die nagelneuen Edelstahlspeichen und die wieder glänzende Felge – dann die Ernüchterung!

Kawasaki Z 750 Restauration
Ein Anblick, an den man sich gewöhnen könnte (Foto: CKB)

Aaaahhhrrrgh!  Kennt ihr auch nur ein einziges japanisches Motorrad mit Ketten-Sekundärtrieb rechts?  Ich auch nicht. Aber der Reifenfredel hatte genug Phantasie. Oder doch nur Schusseligkeit? Vermutlich. Jedenfalls war der Hinterreifen falschherum aufgezogen. Uha, viertel vor sechs – welch Glück, dass der Laden nur 2 km entfernt ist. Alles retour, auf ein Neues. Kann ja mal passieren.

Kawasaki Z 750 Restauration
Was ist das denn – Reifen verkehrt herum montiert!? (Foto: CKB)

Am nächsten Tag wieder hin (ich hatte noch Urlaub und war vorher noch zum 40 Kilometer entfernten Galvanisierer gefahren, doch dazu später), Reifen richtig herum wieder abgeholt und aus dem Kofferraum geholt…Nein!? Das glaub ich jetzt nicht! Eben, beim Einladen war der irgendwie härter…

Richtig, beim zweiten Versuch wurde der Schlauch eingeklemmt und hatte nun ein Loch. Oouuh, ich hätte…   …neuer Anlauf, neuer Versuch, neuer Schlauch (das war dann Ehrensache, dem Reifenmenschen war‘s schon wirklich peinlich) und ja, beim dritten Versuch hat alles geklappt.

11.8.2016: Nein, es funktioniert nicht

Mir schwante schon vorher Böses, denn ich hatte bereits aus Schweden beim Galvanisierer angerufen um zu fragen, ob ich meine Teile auf meiner Rückreise abholen könne. So hätte ich mir zwei Stunden Stadtverkehrgetrödel durch Hamburg erspart. Aber der Chef des Hauses war seinerseits in Urlaub und sein Vertreter wollte am Telefon so gar nicht rausrücken mit der Sprache – sehr eigenartig. Vor Ort, am nächsten Tag, war dann klar warum: Die Deckel sahen, bis auf die beiden kleinsten, alle unbefriedigend bis katastrophal aus. Wo die Chromschicht noch drauf war – ok, war alles schön blank, aber die Übergänge zum wieder polierten Alu blieben eben doch sichtbar.

Kawasaki Z 750 Restauration
Nicht mehr schön – Motorseitendeckel der Z 750 Restauration (Foto: CKB)

Schlimmer aber waren alle die Stellen, wo das Elektrolyt zugeschlagen hatte und gnadenlos die Alu-/Magnesiumlegierung weggalvanisiert hatte.

Kawasaki Z 750 Restauration
Hier hat Elektrolyt zugeschlagen (Foto: CKB)
Kawasaki Z 750 Restauration
Die Alu-/Magnesiumlegierung ist verschwunden (Foto: CKB)

Besonders schlimm hatte es den Ventildeckel und das Lichtmaschinengehäuse erwischt. Trotz der vielen Polierarbeit, die der Galvanisierer geleistet hatte, hat er mir dann einen fairen Preis gemacht, weil er selber mit dem Ergebnis unglücklich war. Insoweit  kein Vorwurf an diese Firma, es war ein hohes Risiko.

Kawasaki Z 750 Restauration
Das Gehäuse von der Lichtmaschine sah richtig schlimm aus (Foto: CKB)

Was tun? So konnten die Teile ja nun nicht bleiben. Ich habe mir dann zunächst einmal eine biegsame Welle besorgt und Schleifteller, Polierscheibe und –wachs von einem Vertrieb für professionelle Oberflächenbehandlung geholt, die narbigen Oberflächen mit Einhandflex geschliffen und danach Polieren geübt, geübt, geübt. Fotos mit Blitzlicht sind gnadenlos – der kleine Deckel ist vom Profi gemacht, beim großen muss ich noch ordentlich weiter polieren.

Kawasaki Z 750 Restauration
Der kleine deckel wurde vom Profi wieder hergerichtet (Foto: CKB)

Das Ganze ist jedenfalls ne ziemliche Sauerei – nicht nur meine Hände, sondern die ganze Garage sah nach dem Schleifen so aus.

Mit den beiden Hauptsorgenkindern bin ich nicht wirklich zufrieden, die Narben sind einfach zu tief und an unzugänglichen Stellen, aber ich habe mich dann, nachdem ich ein einigermaßen akzeptables Erscheinungsbild erzielt hatte, entschieden, diese Originalteile einzubauen, um weiter zu kommen. Immerhin, die direkt sichtbaren Stellen habe ich nach und nach wieder einigermaßen glatt bekommen.

Kawasaki Z 750 Restauration
Direkt sichtbare Stellen sehen wieder gut aus (Foto: CKB)

Parallel habe ich über das Forum aber einen gebrauchten, deutlich besser erhaltenen Ventildeckel aus England  (Thank you Andy, your personal attitude „Keep as many Twins as possible alive“ is really great!)  und einen ebenso guten LiMa-Deckel (Danke, Gaga, du denkst genauso) bekommen, die nun als Winterarbeit auf ihre Überholung und den Einbau warten.

Merke: Verchromen von Alu geht, aber es ist nicht so dauerhaft, wie man es sich erhofft und ein Zurück gibt es nicht.

13.8.2016: Die Z750 kann wieder rollen!

Endlich: Die Ziegelsteine brauche ich nicht mehr, denn die Twin steht wieder auf ihren eigenen Rädern. Unglaublich, wie man sich an einem Gerippe erfreuen kann – jetzt wo alles glänzt und glitzert.

Kawasaki Z 750 Restauration
Die Kawasaki Z 750 steht wieder selbständig (Foto: CKB)
Kawasaki Z 750 Restauration
Und sie bekam auch ein neues Kettenritzel spendiert (Foto: CKB)

23.8.2016: Hochzeitstag der Z750 Restauration

Ich habe meine Freunde zum Grillen eingeladen, und als Ehrengäste bei der Hochzeitsfeier: Exakt 100 Tage nach dem Ausbau kommt heute der Motor wieder in den Rahmen. Vor Wurst, Steak und Bier müssen alle aber noch arbeiten. Das Reinzirkeln des Triebwerks ist doch etwas fummeliger als der Ausbau. Blöderweise verwechsele ich auch noch die richtige Einbaulage eines der vorderen Dreiecksbleche, die – grummel – nicht gleichschenklig sind. Es hat etwas gedauert zu verstehen, warum der letzte Bolzen partout nicht passen wollte. Aber wir hatten unseren Spaß und als der Motor dann doch endlich fixiert war, war der Grill auch heiß und das Bier wartete auf seine standesgemäße Verwendung. Prost.

Z750 Restauration
Hochzeit – der Z750 Motor wird wieder eingebaut (Foto: CKB)

26.8.2016: So lieber nicht

Ich fahre seit Kette Nummer 2 eine offene mit Kettenschloss und so wollte ich es auch wieder machen. Leider lag nur ein vernietbares Schloss bei der neuen Kette und ohne das richtige Werkzeug wird’s natürlich nix. Da ich sowieso nach Hamburg musste, bin ich eben bei Tante Louise reingesprungen und hab das Schloss besorgt. Tja, die Jungs da sind ja im Allgemeinen ganz fit, aber hier hat er sich dann vertan – natürlich erst zu Hause gemerkt, als die Schlossfeder so gar nicht dahin wollte, wo sie hingehört. Die Bolzen des X-Ring-Kettenschlosses sind einen Tick länger… so jedenfalls wollte ich keinen Meter fahren.

Z750 Restauration
Die Restauration der Z750 bot so manches Hindernis (Foto: CKB)

Also mal wieder eine Bestellung. Da sich schon ein paar weitere Kleinteile angesammelt hatten, schmerzte das – glücklicherweise diesmal innerdeutsche –  Porto nur ganz kurz. Mit dem richtigen Schloss ist nun alles prima.

31.8.2016: Die Z750 Restauirung erfordert Teamarbeit

Heute sollen die Vergaser wieder rein. Bei der B sind die Stutzen zwischen Vergaser und Luftfilterkasten, anders als bei den LTD, unproblematisch. Auch meine waren noch schön flexibel und ließen sich ohne Probleme wieder in der LuFi-Box fixieren. Aber die andere Seite…! Offensichtlich sorgt das Benzingemisch auf der Motorseite dann doch über die Jahre für eine Verhärtung. Da die Vergaser auch noch eine Nut haben, in die eine ringförmige Rippe im Stutzen einrasten soll, muss man noch mehr Kraft aufwenden. Ich habe es trotz Gleitmittel nicht geschafft und zudem noch Energie fürs Fluchen verschwendet.

Ok, dann eben nachdenken. Es hat ein wenig gedauert und ich habe vor meinem geistigen Auge sämtlich Werkzeuge abgescannt, die so bei uns zu Hause bereitliegen. Jepp, das hilft! Mit zwei Latten und den größten Schraubzwingen  wurden die Vergaser langsam und schön gleichmäßig auf die Stutzen geschoben. In Ermangelung genügender Hände ist so auch meine Tochter dazu gekommen, bei der Restaurierung mit anzufassen.

Ich kann mich auch an Details erfreuen. Der jahrelang fehlende Deckel des Lenkerschlosses ist nun wieder dran. Erstaunlicherweise ist der sogar als Neuteil erhältlich.

Z750 Restauration
Das Deckelchen vom Lenkerschloss sitzt (Foto: CKB)

Auch der Tank ist endlich wieder zurück. Den Ärger mit dem Lackierer, der dann noch eine satte Nachforderung für eine Leistung gestellt hat, die vereinbart, aber nicht erbracht war, erspare ich euch hier. Ein ziemlich mieses Schlitzohr.

Schließlich an zwei Stellen smart repaired und komplett klarlackiert, sieht der Tank nun aber wieder gut aus.

Z750 Restauration
Der Z750 Tank ist vom Lackierer zurück (Foto: CKB)

 

Die anderen Beiträge der Z750 Restaurierung:

Teil 1 der Kawasaki Z750 Restauration: Im ersten Teil ging es mit der Bestandsaufnahme los. Anschließend wurde die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Weiterlesen ….

Teil 2 der Kawasaki Z750 Restauration: Im 2. Teil der Restaurationsgeschichte stellt Carsten die Ventile ein. Die Kupplung wird erneuert und mit widerspenstigen Teilen gekämpft. Weiterlesen….

 

(Text, Fotos: Carsten Kohlmeier-Beckmann)

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