Soichiro Hondas Aufstieg zum weltgrößten Motorradhersteller

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1928 bis 1945: Erste Selbständigkeit mit der Produktion von Kolbenringen für Toyota

Nach dem Ende seiner Ausbildung eröffnete Soichiro Honda 1928 im Alter von 21 Jahren eine Niederlassung von „Art Shokai“ in Hamamatsu – die „Art Autombile Service Station“. Die Firma wuchs bis 1935 auf 30 Mitarbeiter an. Da seine Begeisterung für den Motorsport ungebrochen war und die Firma auch wirtschaftlich erfolgreich war, konnte er Zeit und Geld in eigene Rennsport-Aktivitäten stecken.

Mit seinem Bruder Benjiro, der als Mechaniker arbeitete, baute Honda erneut einen Rennwagen. Soichiro lenkte den „Hamamatsu“-Renner am 7. Juni 1936 im Eröffnungsrennen am Tamagawa Speedway, Japans erster Rennstrecke. Dock das Glück war nicht auf seiner Seite des talentierten Werkstattchefs und Fahrers. Es kam zu einem schweren Unfall, bei dem sich sein Bruder und Co-Pilot die Wirbelsäule brach. Obwohl selbst nicht ernsthaft verletzt, beendete Soichiro an diesem Tag seine Rennsport-Karriere.

1937 gründete Honda sein erstes eigenes Unternehmen. Die Tokai Seiki Heavy Industry Co. Ltd. beschäftigte sich mit der Herstellung von Kolbenringen. Tagsüber arbeitete er weiterhin für „Art Shokai“ und tüftelte in den Nächten an der Entwicklung von Kolbenringen. Um seine Produkte zu verbessern und die Produktion massentauglich zu machen, studierte er Metallurgie am Hamamatsu Industrieinstitut sowie die Herstellungsverfahren vieler Stahlunternehmen in ganz Japan. Nach einigen Fehlschlägen gelang ihm vier Jahre später endlich der Durchbruch. Seine Kolbenringe erfüllten die erforderlichen Standards und er konnte Toyota und Nakajima Aircraft als namhafte Kunden gewinnen. Auf dem Höhepunkt des Unternehmens beschäftigt Tokai Seiki Heavy Industry mehr als 2.000 Menschen. Doch Anfang 1945 stand Honda vor einem Scherbenhaufen. Amerikanische Luftangriffe während des zweiten Weltkriegs und ein schweres Erdbeben im Januar 1945 legten seine Fabrik in Schutt und Asche.

Ab 1946: Honda machte sein Land in der „Stunde null“ wieder mobil

Im Nachkriegs-Japan waren selbst einfache Transportmöglichkeiten Mangelware. Soichiro Honda erkannte den Bedarf an bezahlbarer Mobilität und macht sich daran Fahrräder mit kleinen Hilfsmotoren zu bestücken. Mit dem Honda Technical Research Institute, das er 1946 in einer kleinen Holzhütte gründete, wagte er als Einmannunternehmen den Neustart. Vom Militär kaufte er die Restbestände von 500 nicht mehr genutzten 50-ccm Motoren auf. Obwohl er vom lokalen Kasernenkommandanten hierfür einigen Spott erntete, bewies er wieder einmal ein unternehmerisches und technisches Gespür. Honda montierte die kleinen Zweitaktmotoren einfach im Rahmendreieck eines Herrenrades, brachte auf der Querstange einen Bettwärmer als Tank an und trieb mit einem einfachen Riemen das Hinterrad an. Das Geschäft florierte und nach einem Jahr war der letzte Hilfsmotor bereits ausverkauft.

Das Model A aus dem Jahr 1946 (Quelle: Honda Motor Co.)
Das Model A aus dem Jahr 1946 (Quelle: Honda Motor Co.)

Als findige Unternehmer forschte er parallel an einem eigenen 50-ccm-Triebwerk und brachte unter Verwendung sämtlicher Ersparnisse 1947 schließlich das „A-Model“ auf den Markt. Der ein PS starke, luftgekühlte Zweitaktmotor verfügte über eine Magnetzündung und Drehschiebersteuerung und funktionierte einwandfrei. Da Benzin zu jener Zeit knapp war, wurde es mit Terpentin und einem eigens von Honda destillierten Pinienharzextrakt gestreckt. Die dadurch entstandene starke Rauchentwicklung bescherte dem „A-Model“ den Beinamen „Schlot“. Dieses motorisierte Fahrrad war Hondas erstes, eigenständiges Produkt und fand reißenden Absatz. Mit einem erstaunlichen Marktanteil von 60% wurde es ein voller Erfolg und legte den Grundstein zum späteren Aufstieg zum größten Motorradhersteller.

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