40 Jahre Kawasaki Z1000 – „Frankensteins Meisterstück“ 1976 vs. 2016

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Ich höre schon die Aufschreie, wie man denn eine moderne Kawasaki Z1000 von 2016 mit „Frankensteins Meisterstück“ von 1976 vergleichen kann. Das geht doch nicht! Natürlich hinkt der Vergleich (etwas). Den diesjährigen 40. Geburtstag der Z 1000 nahm ich trotzdem zum Anlass, um einen genaueren Blick auf die weitere Entwicklung des testosteronstrotzenden Motorrades zu werfen.

Auf der IFMA 1976 feierte die erste Z 1000 ihr Debüt

Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit brachte Kawasaki 1972 die Z1 Super Four mit dem potenten DOHC-Vierzylinder-Motor als stärkstes und schnellstes Serienmotorrad auf den Markt. Mit dem japanischen Superbike in Vollendung war die Z-Legende geboren. Damit leiteten die Grünen ihre große Viertaktoffensive in den Siebzigern ein und legen den Grundstein für die erfolgreichen Z-Modelle. Bis heute prägt die Z-Baureihe das sportliche Markenimage Markenbild von Kawasaki entscheidend mit.

Kawasaki 900 Z1
Die Kawasaki 900 Z1 wurde 1972 zur Legende (Quelle: Kawasaki Europe Motors N.V.)

Auf der IFMA 1976 präsentierte dann Kawasaki die Z 1000, die äußerlich „Frankensteins Tochter“ sehr ähnlich sah und kaum von dieser zu unterscheiden war. Die auffälligsten Unterschiede zur Z1 betrafen die 4-in-2-Auspuffanlage und die aufgerüsteten Bremsen. Ansonsten gab es wie gewohnt viel Chrom, Speichenräder, einen hohen Lenker und das typische Heckbürzel mit Staufach.

Das Publikum war dennoch aus dem Häuschen und belagerte den Stand der frisch gegründeten deutschen Niederlassung, die nun in Frankfurt residierte. Die Führung übernahm damals Vertriebs- und Verkaufsprofi Osamu Sam Tanegashima, der die Geschäfte in Deutschland mit einer offiziellen Präsenz von Kawasaki als Werksniederlassung voranbringen wollte.

Um das neue Super-Bike perfekt zu promoten, ging Kawasaki bei der Werbung sehr moderne und  professionelle Wege. So wurde Automobilrennfahrer Jochen Mass, ein echter Motorradnarr, für eine frühe Promotion-Kampagne gewonnen und gab sein persönliches Statement zur Kawasaki Z 1000 ab:

„Dabei ist es nicht mal so sehr die urgewaltige Kraft dieses Triebwerks, die mich so an der neuen Z1000 beeindruckt, ’ne Menge Power hatten meine Z1 und später die Z900 auch. Es sind vielmehr die fantastischen Fahreigenschaften, die mir bei der neuen 1000er imponieren. Das Superfahrwerk, das immer noch ein bisschen schneller ist als die Tachonadel. Und die drei riesigen Bremsscheiben, die die ganze Kraft wieder im Handumdrehen zunichtemachen.“ Besser kann man die dazu gewonnen Qualitäten der Z1000 nicht auf den Punkt bringen.

Die Kawasaki Z 1000 von 1976

Kawasaki setzte 1976 bei der Z1000 den aus der Z1 bewährten, luftgekühlten Motor ein, vergrößerte aber die Zylinder-Bohrung um vier Millimeter und sprengte die bis dato magische Litergrenze.

Aus exakt 1.016 ccm Hubraum schöpfte der Vierzylindermotor der Z 1000 nun 85 PS Leistung bei 8.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 81 Nm kam bei dem Naked Bike insbesondere in unteren Drehzahlbereichen mit einem spürbar stärkeren Durchzugsvermögen zum Tragen. Mit 236 Kilogramm Trockengewicht kam die 210 km/h schnelle Kawasaki schon 1976 auf ein hervorragendes Leistungsgewicht von nur 2,8 Kilogramm pro PS.

Kawasaki Z 1000
Das DOHC-Triebwerk hatte bereits die Z1 von 1972 (Quelle: Nippon-Classic.de)

Während sich MOTORRAD- Tester Franz-Josef Schermer noch kritisch über das pendel-anfällige Fahrwerk der Z1 äußerte, hatte Kawasaki bei der Z 1000 seine Hausaufgaben gemacht.

Bereits bei der Z900 wurde die Wandstärke der Rahmenrohre des Doppelschleifenrahmens auf 2,3 Millimeter erhöht. Außerdem hatte Kawasaki den Lenkkopfbereich verstärkt und eine zusätzliche Strebe unter dem geänderten Batteriekasten (nun mit kleinerer Batterie) eingeschweißt. Die Tauchrohre der 36er-Telegabel fielen etwas länger aus, was wegen der größeren Überlappung von Stand- und Tauchrohr mehr Stabilität brachte. Bei der Z 1000 glitt die Schwinge zusätzlich in standesgemäßen verschleißfesten Nadellagern, die für deutlich mehr Fahrstabilität sorgen. Und der Radstand war leicht auf 1.505 Millimeter vergrößert worden. Alle Maßnahmen bescherten der Z 1000 nun bemerkenswerte Fahreigenschaften und eine ausreichende Kurvenstabilität.

Für eine sehr gute Verzögerung sorgte bereits vor 40 Jahren eine Doppelscheibenbremsanlage mit Einkolben-Schwimmsattel und 295 Millimeter großen Bremsscheiben vorn. Hinten verrichtete eine 285 mm große Einfachscheibenbremse mit Festsattel ihren Dienst und ersetzte die antiquierte Trommelbremse.

Mit 9.000 DM kostete die Kawasaki Z 1000 im Jahr 1976 nur 500 DM mehr als ihre Vorgängerin und lag damit 700 DM unterhalb einer Suzuki GS 1000 von 1978 und war knapp 300 DM günstiger als die Honda GL 1000.

Kawasaki Z1000
… und überzeugte schon damals mit viel Leistung und einem starken Durchzugsvermögen (Quelle: Nippon-Classic.de)

Die Kawasaki Z1000 von 2016

Statt sich hinter Verkleidungen zu verstecken, stellt die aktuelle Kawasaki Z1000 ihre Funktionalität und Leistungsfähigkeit weiterhin wie vor 40 Jahren offen zur Schau. Der heutige Auftritt steht ganz im Zeichen des aggressiven Z-Designs, hat aber mit dem Design (und der Technik) von 1976 gar nichts mehr gemeinsam. Erfreute uns der Kawasaki-Oldtimer mit einer zeitlosen, klassischen Linie, so schlägt die Z von heute einen völlig radikalen Weg ein.

Die neue Kawasaki ist die radikalste Super-Naked ihrer Klasse und wird von Kawasaki selbst mit dem Begriff „Sugomi“ umschrieben, was die intensive Aura oder Energie beschreibt, die von großen Persönlichkeiten oder beeindruckenden Objekten ausstrahlt. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche und einer explosiven Leistungsentwicklung, weist sie Z1000 von heute Charakterzüge eines echten Raubtiers auf.

Z1000
Die Kawasaki Z1000 wirkt wie ein Raubtier (Quelle: Kawasaki)

Saß man 1976 eher auf dem Motorrad, so sitzt der Fahrer beim aktuellen Modell quasi in der Maschine. Die tiefere Front und das hohe Heck – im Vergleich zur Z 1000 von vor 40 Jahren – führen zu einer sportlichen Haltung mit Bauchkontakt zur steilen Rückwand des Tanks.

Angetrieben wird die Z1000 von einem nun flüssigkeitsgekühlten Reihenvierzylinder mit 1.043 ccm Hubraum. Vor 40 Jahren mit zwei Ventilen pro Zylinder ausgestattet, handelt es sich heute um ein 16V-Triebwerk. Die sorgsame Wahl von Bohrung und Hub auf 77,0 x 56,0 mm (+7 bzw. -10 mm) zeichnet den drehfreudigen Charakter dieses Motors aus. Das Ergebnis ist ein Aggregat, das im gängigen Drehzahlband in fast allen Fahrsituationen bärenstark antritt. Mit 142 PS (+67%) stellt der leistungsstarke Motor die Z 1000 von einst klar in den Schatten. Gleiches gilt auch für das Drehmoment von 111 Nm (+37%).

Wo früher ein Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohren das Chassis bildete, sorgt heute ein kompakter Aluminiumrahmen für ein hohes Maß an Steifigkeit und eine optimale Massenzentralisierung, wodurch ein leichtes Handling bei gleichzeitiger Stabilität erreicht wird. Gewichtsoptimierte Räder und der Einsatz von Leichtmetall und Kunststoff machen aus der Z1000 heute einen nur 237 Kilogramm schweren Supersportler (-19 Kilogramm) mit einem exzellenten Leistungsgewicht von nur 1,7 Kilogramm pro PS (2,8 Kg/PS).

Z1000
Mit einem Leistungsgewicht von nur 1,7 Kg/PS gehört die Z1000 zu den Besten (Quelle: Kawasaki)

Das direkte Handling der neuen Z1000 ist auch auf die neue 41 Millimeter starke Upside-Down Vorderradgabel zurückzuführen, deren Vorspannung am linken Rohr und die Dämpfung am rechten Rohr einstellbar ist. der Kombination der Die Gabeleinstellungen wurden mittels Showa SFF- und BPF-Technologie für kurvenreiche Straßen optimiert. Das bedeutet nicht nur Renn-Performance auf hohem Niveau, es eröffnet auch bessere Möglichkeiten beim Fahren auf der Autobahn und in der Stadt. Im Heck der 2016’er Z1000 arbeitet ein horizontal angeordnetes Back-Link-Hinterradfederbein.

Die neue Z1000 verfügt über einteilige Tokico-Vierkolben-Monobloc-Bremssättel mit großen 310-mm- Petal-Bremsscheiben vorn. Die Hinterradbremse besitzt einen Einkolben-Schwimmsattel, der eine 250-mm-Bremsscheibe im Petal-Design in die Zange nimmt.  Und eine ABS-Einheit von Bosch steuert den Bremsflüssigkeitsdruck mit höchster Präzision, was 1976 noch unvorstellbar gewesen ist.

Alles in allem wirkt hier ein Rückblick in die Mitte der 1970er Jahre wie, wenn man Dampflokomotive und ICE miteinander vergleichen möchte. Nach vier Jahrzehnten hat die Z1000 heute mit „Frankensteins Meisterstück“ von 1976 optisch wie technisch nichts mehr gemeinsam. Beide Motorräder verbindet jedoch auch nach Jahrzehnten die gemeinsame Philosophie die besten Naked Bikes ihrer jeweiligen Epoche zu sein und dies als typische Z-Modelle zu manifestieren.

Technische Daten der Kawasaki Z1000 damals und heute

  Z 1000 (1976)Z1000 (2016)
1. Fakten
Produktion1976 bis 19802016
Nummerierung
FarbenRot-Metallic, Blau-MetallicMetallic Matte Graphite Gray / Golden Blazed Green Pearl Stardust White / Golden Blazed Green
Neupreis9.000 DM10.995 EUR
2. Motordaten
Motortypluftgekühlter
4-Zylinder, 4-Takt
flüssigkeitsgekühlter
4-Zylinder, 4-Takt
VentilsteuerungDOHC, 2 Ventile/Zyl.DOHC,4 Ventile/Zyl.
Nockenwelle2 obenliegend2 obenliegend
Hubraum1.016 ccm1.043 ccm
Bohrung70 mm77 mm
Hub66 mm56 mm
Verdichtungsverhältnis8,7:111,8:1
Vergaser4 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 26 SS) mit je 26 mmEinspritzanlage mit ovalen Sekundär-Drosselklappen 4 x 38 mm
3. Leistungsdaten
Leistung85 PS142 PS
bei Drehzahl8.000 U/min10.000 U/min
Drehmoment81 Nm111 Nm
bei Drehzahl6.500 U/min7.300 U/min
Leistungsgewicht2,8 Kg/PS1,7 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit210 km/h237 km/h
4. Abmessungen
Länge2.250 mm2.045 mm
Radstand1.505 mm1.435 mm
Gewicht (fahrfertig)256 Kg237 Kg
Bereifung vorn3.25 H 19120/70 ZR17
Bereifung hinten4.00 H 18190/50 ZR17
5. Bremse
Bremse vorn2 Scheiben 296 mm2 Scheiben 310 mm
Bremse hinten1 Scheibe 290 mm1 Scheibe 250 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung6-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKette
StarterKickstarter, E-StarterE-Starter

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