Honda CB 300R – auf das Wesentliche reduziert

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Vor einem halben Jahr stellte Honda seine neue CB-Serie im neu erschaffenen „Neo Sports Café“-Design auf der Mailänder Motorradmesse EICMA vor. Inzwischen hat sich die anfängliche Verwunderung über die forsche Stilrichtung erheblich abgeschwächt. Blickt man auf die jüngst nach Deutschland gekommene Honda CB 300R, so positioniert sie sich gut zwischen der sehr zierlichen CB 125R und der vergleichsweise muskulösen CB 1000R. Die Honda CB 300 R ist ein harmonisch gestaltetes Viertelliter-Motorrad für Motorrad-Einsteiger oder Wiedereinsteiger. Allerdings ist der Auspuff-Endtopf gemessen an dem Proportionen recht groß geraten. Die ersten Proberunden machen deutlich: Es gibt eine „typische“ Honda mehr im Programm der japanischen Erfolgs-Marke.

Leichter als die Konkurrenz

Mit fahrfertig 145 Kilogramm legte die CB 300R im Zuge des Homologationsprozesses zwar um zwei Kilogramm im Vergleich zur Präsentation vor einem halben Jahr zu, doch damit ist sie im Feld der Wettbewerber noch immer die leichteste. Sowohl die KTM 390 Duke, wie auch die BMW G 310R oder die Yamaha MT-03 wiegen mehr, teils sogar um die 20 Kilogramm. Die Honda profitiert vom enormen Aufwand der Entwicklungsabteilung, den man in Japan getrieben hat. Dank Plattformstrategie teilt sie sich zahlreiche Komponenten mit der CB 125R: Rahmen, Räder, Bremsen, Cockpit und vieles mehr sind identisch. Leichtbau war angesagt, und zwar konsequent: Beispielsweise ist das Anzeigeinstrument im Cockpit kaum schwerer als zwei Tafeln Schokolade, und die Stahlschwinge beider Bikes weist in Abhängigkeit von den Belastungsspitzen unterschiedliche Wandstärken auf: Maximal sind es 2,3 Millimeter, minimal aber nur 1,2 Millimeter – bei erhöhter Steifigkeit der Schwinge.

Die vielfältigen Bemühungen der Entwickler um leichte Bedienbarkeit spürt man bereits beim ersten Starten der Honda CB 300R in Form ausgezeichneter Handlichkeit: Die Gewichtsverteilung vorne/hinten ist nahezu ausgeglichen, der Massenschwerpunkt liegt dank vieler Konstruktionskniffe günstig, der Wendekreis ist dank 40 Grad Einschlagwinkel des konifizierten Lenkers mit nur 4,6 Metern gering, die Sitzhöhe liegt knapp unter 80 Zentimetern. Wohlfühlen im Sattel und am Lenker ist für Menschen zwischen 1,65 und 1,90 Meter Körpergröße gleichermaßen angesagt, weil zudem die Maße für Lenkerbreite und Fußrastenhöhe gut gewählt sind. Das gegenüber der CB 125R etwas breitere und längere Heck bietet einer Sozia ein ganzes Stück mehr Raum.

Honda CB 300R
Wendekreis von nur 4,6 Metern (Foto: Honda)

Motor der CBR 300R

Der Motor der Dreihunderter hat seine Bewährungsprobe bereits bestanden, und zwar im zuvor gebauten „Einsteiger-Renner“ CBR300R. Wasserkühlung, vier Ventile und zwei obenliegende Nockenwellen sind die technischen Kennzeichen des 286 Kubikzentimeter großen Einzylinder-Aggregats. Der Motor leistet in seiner Euro-4-Ausbaustufe 31 PS bei 8.500 U/min und gehört damit nicht zu den kräftigsten Triebwerken im Wettbewerbsvergleich.

Honda CB 300R
Der moderne Vierventiler ist nicht der stärkste im Vergleich, muss er aber auch nicht (Foto: Honda)

Doch angesichts des relativ geringen Gewichts der Honda relativiert sich das. Denn das Paket stimmt und im „Neo Sports Café“-Stil geht’s ja ohnehin nicht um die letzte Zehntelsekunde, sondern eher um Coolness. Laufkultur und Leistungsentwicklung des Motors gefallen, zudem ist seine Drehfreude ok. Auch Übersetzung und Schaltbarkeit des Sechsganggetriebes passen bestens. Ebenfalls Zufriedenheit herrscht beim Verbrauch: Die 3,1 Liter pro 100 Kilometer, gemessen im recht realitätsnahen WMTC-Test, scheinen annähernd erreichbar. Womit der 10-Liter-Tank für eine Praxisreichweite von fast 300 Kilometern gut ist.

Ein großes Positivum der Honda CB 300R stellt ihr Fahrwerk dar, denn sie gehört zu den besonders wendigen Motorrädern. Die 41 Millimeter Upside-Down-Gabel, ähnlich derjenigen des 750er Offroad-Rollers X-ADV, überzeugt durch gutes Ansprechverhalten wie durch geringes Gewicht dank geringer Wandstärken, zudem bietet sie reichlichen Federweg. Das neue Federbein gefällt mit je einer Kammer für Gas und Öl und spricht ausreichend sensibel auf Unebenheiten an. Die Stabilität der CB 300R ist auch auf schlechten Straßen gut, der Komfort leidet freilich, wenn der Asphalt nicht mehr wenigstens der Kategorie zweikommafünf entspricht. Das ist freilich klassentypisch. Absolut einwandfrei verzögert die vordere Bremse mit Vierkolben-Radialbremszange und 29,6 Zentimeter großer Bremsscheibe; die hintere Bremse ist – segmenttypisch – eher Beiwerk. Das Zweikanal-ABS ist neuester Bauart und regelt sehr sauber, sofern man mal richtig reinlangen muss.

Honda CB 300R
Die Honda CB 300R bringt ein überzeugendes Fahrwerk mit (Foto: Honda)

Recht vollständig ist die Ausstattung: Angesichts des Preises von 5.090 Euro inklusive der Nebenkosten sind LED-Beleuchtung vorne und hinten, Aluminium-Fußrastenhalter für Fahrer und Sozius sowie ein recht umfänglicher Bordcomputer positiv zu werten. Ungewöhnlich und deshalb gewöhnungsbedürftig ist die vertauschte Anordnung von Hupe und Blinker links am Lenker, aber Honda zieht das bei allen Modellen durch.

Unterm Strich überzeugt Hondas jüngstes Nakedbike: Seine Technik ist aktuell, die Optik eigenständig und die Anmutung durchaus wertig. Angesichts des absolut konkurrenzfähigen Preises wäre ein Verkaufserfolg der CB 300R in ihrem Segment keine Überraschung.

Honda CB 300R
Digitales Cockpit der Honda CB 300R (Foto: Honda)

Zubehör-Industrie hat die CB 300R schon für sich entdeckt

Kaum ist sie auf dem Markt, da bietet Hepco & Becker bereits Zubehör für die Honda CB 300 R an. Mit dem C-Bow-Halter, einer kleinen Gepäckbrücke und dem Lock-it-Tankring für einen Tankrucksack ist für die Gepäckmitnahme gesorgt. Zudem gibt es für das kleine Ein-Zylinder-Modell einen Motorschutzbügel und eine Seitenständerplatte sowie einen Frontschutzbügel für Fahrschulen und alle, die ihr Motorrad noch besser gegen Umfaller schützen wollen. In Vorbereitung ist auch ein so genanntes Sportrack, das zur Gepäckmitnahme an Stelle des Soziussitzes montiert wird.

Honda CB 300R
Neu: Zubehör für die CB 300R (Foto: Hepco & Becker)

Technische Daten Honda CB 300R

Motor:

  • Typ: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 4 Ventile, DOHC,
  • Hubraum: 286 ccm
  • Leistung: 23,1 kW/31 PS bei 8.500 U/min
  • Drehmoment: 27,5 Nm bei 7.500 U/min;
  • Gemischaufbereitung: Einspritzung,
  • Antrieb: 6 Gänge, Kettenantrieb.

Fahrwerk:

  • Rahmen: Stahl-Brückenrahmen; vorne USD-Telegabel ø 41 mm, 13 cm Federweg; Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Vorspannung fünffach einstellbar, 10,7 cm Federweg;
  • Räder/Reifen: Aluminiumguss-Räder; schlauchlose Reifen 110/70 R 17 (vorne) und 150/60 R 17 (hinten).
  • Bremsen: 29,6 cm Einscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten.
  • Assistenzsysteme: Zweikreis-ABS, LED-Beleuchtung.

Sonstiges

  • Maße und Gewichte: Radstand 1,352 m, Sitzhöhe 79,9 cm, Wendekreis 4,6 m; Gewicht fahrfertig 145 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt 10 Liter.
  • Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 142 km/h; Normverbrauch lt. EU4 3,1 l/100 km.
  • Farben: Schwarz, Matt Axis Gray Metallic, Matt Crypton Silver Metallic, Candy Chromosphere Red.
  • Preis: 5.090 Euro
CB 300R
CB 300R in Candy Chromosphere Red (Foto: Honda / Buenos Dias)

 

(Ulf Böhringer/SP-X)

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