Honda CB 125R – Leichtgewicht mit Leistungsnachteil

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Letztes Jahr feierten Hondas neuen CB-Roadster-Modelle mit Hubräumen von 125 bis 1.000 ccm Premiere auf der EICMA in Mailand. Nun rollen die ersten Fahrzeuge zu den Händlern. Den Anfang macht die Einsteigervariante Honda CB 125 R mit 13,3 PS.

Die neue Honda CB 125R wiegt mit lediglich 126 Kilogramm sage und schreibe 20 Kilogramm weniger als der Platzhirsch der beiden letzten Jahre, die super erfolgreiche KTM 125 Duke. Und sie immer noch 14 Kilogramm leichter als eine Yamaha MT-125, hierzulande auf dem zweiten Platz gelistet. 15 Prozent Gewichtsvorteil – das muss man erst mal hinkriegen.

Yamaha MT-125
14 Kilogramm schwerer als die Honda: Yamaha MT-125 (Foto: Yamaha)

Im Detail gewichtsoptimiert

Dazu hat Honda bei der 4.390 Euro teuren 125er an vielen Schräubchen gedreht. So ist beispielsweise das Anzeigeinstrument im Cockpit kaum schwerer als zwei Tafeln Schokolade. Die Stahlschwinge weist, in Abhängigkeit von den Belastungsspitzen, unterschiedliche Wandstärken von minimal 1,2 Millimeter bis maximal 2,3 Millimeter auf. Und trotzdem ist die Steifigkeit gegenüber der Schwinge des Superbikes CBR 125R um 15 Prozent höher. Resultat der vielfältigen Bemühungen um leichte Bedienbarkeit ist eine ausgezeichnete Handlichkeit der kleinen Honda: Die Gewichtsverteilung vorne/hinten ist nahezu ausgeglichen, der Massenschwerpunkt liegt dank vieler Konstruktionskniffe günstig.

Honda CB 125R
Das Anzeigeinstrument im Cockpit ist kaum schwerer als zwei Tafeln Schokolade (Foto: Honda)

Der Wendekreis der Honda CB 125R ist dank 40 Grad Einschlagwinkel des konifizierten Lenkers mit nur 4,6 Metern gering, die Sitzhöhe beträgt moderate 81,6 Zentimeter. Weil auch die Maße für Lenkerbreite und Fußrastenhöhe gut gewählt sind, fühlen sich Menschen zwischen 1,65 und 1,90 Metern Körpergröße gleichermaßen gut untergebracht.

Honda CB 125R
Die Honda CB 125R erfreut mit moderaten 81,6 Zentimeter Sitzhöhe (Foto. Honda)

Wer auf der kleinen, nackten Honda Platz nimmt, fühlt sich demzufolge spontan wohl. Das liegt auch an der guten Haptik aller Bedienungselemente sowie an den geschickt gestalteten Oberflächen. Mutig ist das modern-minimalistische Design im sogenannten Neo-Sports-Café-Stil: Ganz anders als KTM und Yamaha setzt Honda nicht auf aggressiven Look, sondern auf noble Gediegenheit.

Honda CB 125R
Hondas modern-minimalistisches Design im Neo-Sports-Café-Stil (Foto. Honda)

Leistungsnachteil gegenüber der Konkurrenz

Der kleine Einzylinder-Viertakter begnügt sich mit einer Nockenwelle, weil es lediglich zwei Ventile zu betätigen gilt. Er läuft angenehm zurückhaltend, vibriert niemals über Gebühr, und dreht leichtfüßig hoch. Schaltung, Sechsganggetriebe und Kupplung arbeiten so, wie man das von einem Hersteller erwartet, der längst mehr als 100 Millionen Zweiräder produziert hat. Mit 2,1 Litern Benzin auf 100 Kilometern liegt der Verbrauch im ziemlich praxisnahen WMTC-Messzyklus angemessen niedrig; die Wettbewerber brauchen etwas mehr. Dank des 10-Liter-Tanks ergeben sich Praxis-Reichweiten von gut 400 Kilometern.

Gut gewählt sind die Fahrwerkskomponenten. Die 41-Millimeter-USD-Gabel, baugleich mit der des 750er Offroad-Rollers X-ADV, überzeugt durch gutes Ansprechverhalten wie durch geringes Gewicht dank geringer Wandstärken. Das neue Federbein protzt mit je einer Kammer für Gas und Öl und spricht ausreichend sensibel auf Unebenheiten an. Die Stabilität der CB 125R ist auch auf schlechten Straßen gut, der Komfort leidet freilich, das gilt aber für alle Leichtkrafträder. Absolut einwandfrei verzögert die vordere Bremse mit Vierkolben-Radialbremszange und 29,6 Zentimeter großer Bremsscheibe; die hintere Bremse ist – segmenttypisch – eher Beiwerk.

Honda CB 125R
Bei den Fahrwerkskomponenten der CB 125R hat Honda geklotzt (Foto. Honda)

Als Nachteil der leichten Honda CB 125R könnte sich herausstellen, dass sich die Entwickler mit einer Maximalleistung von 13,3 PS beschieden haben. Die KTM wie die Yamaha schöpfen den gesetzlichen Rahmen von 15 PS voll aus. Auch beim Drehmoment hinkt die Honda den beiden Wettbewerbern um gut zehn Prozent hinterher und büßt damit ihren Gewichtsvorteil zumindest in der Dynamik wieder ein. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit ist die Honda um bis zu 14 km/h unterlegen. Dafür liegt ihr Preis um gut 15 Prozent niedriger, ohne dass bei der Ausstattung (u.a. LED-Licht, Zweikanal-ABS, Bordcomputer) nennenswerte Abstriche gemacht werden müssten. Es läuft also alles darauf hinaus, dass die Optik das Zünglein an der Waage darstellt; die edler wirkende, in vier attraktiven Farbtönen lieferbare Honda kompensiert das leichte Leistungsminus durch einen durchaus maßgeblichen Gewichts- und Preisvorteil.

Honda CB 125R
In Sachen Leistung hinkt die neue CB 125R der Konkurrenz aber hinterher (Foto: Honda)

Technische Daten Honda CB 125R

  • Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 2 Ventile, SOHC, 125 ccm Hubraum, 9,8 kW/13,3 PS bei 10.000 U/min., 10 Nm bei 8.000 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kettenantrieb.
  • Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen; vorne USD-Telegabel ø 41 mm, 11,8 cm Federweg; Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Vorspannung fünffach einstellbar, 13,1 cm Federweg; Aluminiumguss-Räder; schlauchlose Reifen 110/70 R 17 (vorne) und 150/60 R 17 (hinten). 29,6 cm Einscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten.
  • Assistenzsysteme: Zweikreis-ABS, LED-Beleuchtung.
  • Maße und Gewichte: Radstand 1,345 m, Sitzhöhe 81,6 cm, Wendekreis 4,6 m; Gewicht fahrfertig 126 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt 10 Liter.
  • Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 101 km/h, 0-50 km/h 11,4 Sekunden; Normverbrauch lt. EU4 2,1 l/100 km.
  • Farben: Schwarz, Matt Axis Gray Metallic, Pearl Metalloid White, Candy Chromosphere Red.
  • Preis: 4.390 Euro
Honda CB 125 R
Eine von drei Farben: Pearl Metalloid White (Foto. Honda)

 

Hier geht’s zum Testbericht der größeren Schwester CB 300R.

(Ulf Böhringer/SP-X, Jens Schultze)

 

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