Honda GL 1000 – Ein Goldwing-Dickschiff geht auf Reisen

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Evolutionsstufen der Honda GL 1000 bis GL 1200

Während der fünfjährigen Produktionszeit erhielt die Goldwing mehrere Modellpflegen, wobei sich erst mit der K3 sichtbar etwas änderte. Für detailverliebte Interessenten hat der GWCD alle Maßnahmen dokumentiert. Hier die knappe Zusammenfassung:

  • Die GL1000 K0 von 1974 bis 1975 war die ursprüngliche GL1, die ihr Debüt auf der 1974er IFMA feierte.
  • Die GL1000 K1 kam 1976 in limitierter Auflage von knapp 1.300 Maschinen nach Deutschland. Neben einer dunkelbraunen Sonderlackierung verbesserten die Ingenieure die Wartungsarbeiten. Hierzu gehörten Schmiernippel am Endantriebsgehäuse und ein Schauglas zur Ölstandskontrolle. Die „Limited“ hatte zudem zwei Helmhalter, eloxierte Felgen und ein in Kunstleder gebundenes Fahrerhandbuch.
  • Die K2 von 1977 erhielt eine komfortablere Sitzbank. Zur Verbesserung der Fahrwerksstabilität tauschte man die Kugellager im Lenkkopf gegen Kegelrollenlager aus. Die Auspuffkrümmer erhielten Chromblenden.
  • 1978 gab es umfangreichere Änderungen an der K3, die vor allem das Fahrwerk betrafen. Das Bike wurde sieben Zentimeter kürzer, während der Radstand um zwei Zentimeter zulegte. Für noch mehr Fahrkomfort verlängerte Honda den Federweg vorn auf 126 Millimeter und verbaute hinten neue Federbeine mit geänderten Dämpfern. Die Achse der Hinterradschwinge wuchs im Durchmesser auf 30 Millimeter (zuvor: 23 mm). Leichter als die bisherigen Drahtspeichen waren die die nun verbauten Comstar-Räder.
  • Die „Quadratur des Kreises“ war das Motto der kosmetischen Anpassungen an der GL1000 K4 von 1979. Die Blinker und der Ausgleichsbehälter der vorderen Scheibenbremse wurden eckig. Neu geformt und schwarz waren nun Brems- und Kupplungshebel. Die vorderen Bremsscheiben waren nun aus einem Guss gefertigt.

Die neue Honda GL 1100 debütierte Mitte 1980 mit einer super-bequemen Sitzbank, endlich sicherem Fahrwerk und einem auf 1.085 ccm vergrößerten Hubraum mit mehr Leistung und Drehmoment.

1984 wird dann die GL 1200 zum echten Reisemobil. Die Bezeichnung „Sofa auf zwei Rädern“ trifft ab dieser Baureihe auf die Goldwing voll und ganz zu.

Honda GoldwingTypische Schwachstellen und Preisspiegel

Das Fahrwerk der Honda Goldwing war mit dem extrem hohen Gewicht und der strotzenden Motorleistung in vielen Situationen überfordert. Die unzureichende Fahrstabilität – der als Supersporttourer positionierten ersten Baureihe – ist daher eines der größten Mankos. Die 300 Kilogramm dieses Oldtimers gehen auch nicht spurlos am Hinterradreifen vorüber. Nach wenigen tausend Kilometer muss der Pneus gewechselt werden. Kleinere Verbesserungen (Lenkkopflager, Schwinge, Radstand) gab es ab der K3.

Nach längeren Standzeiten wird meistens ein Austausch der Zahnriemen erforderlich, da diese im Laufe der Jahre hart werden. Weitere Schwachstellen betrafen durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen (v.a. GL 1200), defekte Anlasser und streikende Vergaser. Letztere lassen sich mit einem gründlichen Ultraschallbad, neuer Düsenbestückung und Dichtungen und der obligatorischen Synchronisation wiederbeleben. Aber auch die Lichtmaschine streikte bei der GL 1200 gerne, ein Wechsel klappte nur bei ausgebautem Motor. Und das wird richtig teuer, wie GL 1000 Fahrer Gremmelsbacher bestätigt: „Nach 35 Jahren hatte ich an meiner 79’er Goldwing nur zwei größere Reparaturen. Neben der Erneuerung der rechten Zylinderkopfdichtung hatte ein gelöster Magnet gelöst die ganze Lichtmaschine zerstört. Die ganze Reparatur kostete stolze 1.500 Euro, da ja der Motor komplett raus musste.“

Die GL 1000 schwächelte außerdem durch eine rostige Auspuffanlage, eine schwach ausgelegte Kupplung, Getriebeprobleme und stark beanspruchte Bremsen. Während der Modellpflege besserte Honda nach, so auch bei den Schaltklauen im Getriebe.

Laut KBA sind noch ungefähr 1.800 Honda GL 1100 und GL 1200 in Deutschland zugelassen. Die Honda Goldwing Oldies haben entsprechend viele Kilometer auf der Uhr, waren doch Autobahnen und Landstraßen ihr bevorzugtes Revier. Gepflegte Maschinen mit weniger als 20.000 Kilometern, sind selten und werden zwischen 6.000 und 8.000 Euro offeriert.

Honda Goldwing
Der ersten Honda Goldwing sah man die einstige Bestimmung noch an (Quelle Nippon-Classic.de)

Weiterführende Informationen rund um die Honda Goldwing.

Kaum ein Motorrad fasziniert noch heute wie die Honda Goldwing. Dies erklärt auch, warum es hierzulande mehr als 70 regionale Vereine und Clubs gibt.
Zwei Webseiten, die sich seit Jahren liebevoll dem Thema Goldwing widmen, seien besonders erwähnt:

  • Der Goldwing Club Deutschland besteht bereits seit 1978. Unter der URL findet ihr die komplette Entstehungsgeschichte mit allen Facetten von 1972 bis heute.
  • Unter www.gl1000.de gibt es eine umfangreiche Materialsammlung von Identifikationsnummer bis hin zu zeitgenössischer Werbung.
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