Kawasaki Z 400J – rostfrei ins zweite Leben

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Ich habe meine Kawasaki Z 400J (KZ400J) im Jahr 2001 für damals extrem bescheidene 150 DM erworben. Und, die Maschine mit der Erstzulassung im April 1981 stammte aus erster Hand, ein wahrer Glücksgriff also. Hinzukam, dass die Kawa erst rund 10.000 Kilometer auf der Uhr hatte. Und mein Schätzchen stand 10 Jahre lang relativ trocken und abgedeckt und hatte dadurch nur leichte Korrosionsschäden abbekommen. Diese leichte Patina habe ich bewusst nicht entfernt.

Im Auslieferungsjahr hatte die Kawasaki Z 400 J nur magere 27 PS bei 8000 U/min im Angebot, und das aus vier Zylindern (nicht zu verwechseln mit dem Parallel-Twin der Kawasaki Z 400). Zwei Jahre später, 1983, wurde die Maschine von ihrem Erstbesitzer entdrosselt. Die Leistungsspritze auf 39 PS und die von 145 km/h auf 160 Km/h gesteigerte Höchstgeschwindigkeit bekamen der nicht ganz leichten Maschine sehr gut. Immerhin beträgt das Leergewicht stolze 208 Kilogramm und war im Vergleich zu anderen 27 PS Motorrädern relativ hoch, so dass die Beschleunigung auch entsprechend bescheiden gewesen sein dürfte. Durch die Entdrosselung wurde es zwar besser, kann aber natürlich nicht mit heutigen Motorrädern verglichen werden. Mir reicht es allerdings völlig aus.

Meine Kawasaki Z 400J wird aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Anfang 1991 verfiel die Z 400 durch ihre endgültige Stilllegung in einen Dornröschenschlaf, aus dem ich sie zehn Jahre später wieder befreit habe. Da der Tank vor der Stilllegung geleert wurde und der Tankdeckel offen war, befand sich im Tankinnern keinerlei Rost. Wie gesagt, ein Glücksgriff.
Die Schwimmerkammern waren vor dem Einmotten entleert worden, so musste ich mich nicht um eine Reinigung der Vergaser kümmern. Nach erfolgtem Ölwechsel, frischem Sprit und einer neuen Batterie, die alte war ausgebaut und natürlich total sulfatiert, sprang der Motor relativ spontan an und lief erstaunlich ruhig. Bordwerkzeug, Bedienungsanleitung und Aufkleber, alles war vollständig erhalten geblieben.

Von zornig bis cruisen

Das Fahren macht extrem viel Spaß. Durch die vier Zylinder in Kombination mit 400 ccm Hubraum entsteht ein sehr angenehmes Fahrverhalten. Trotz des geringen Hubraums kann man ab 2.000 Touren stressfrei cruisen. Bei 100 km/h im höchsten Gang liegen aber fast 6.000 U/min an. Wer allerdings hubraumstärkere Motorräder gewohnt ist, empfindet dieses Drehzahlniveau allerdings als ziemlich hoch. Aber die kleine Kawa kann noch mehr. Ab 8.000 U/min entsteht ein richtig zorniger Unterton, der sich bis zum roten Bereich noch steigert. Würde man immer zwischen 8.000 und 10.000 Umdrehungen unterwegs sein, könnte man fast von Beschleunigung sprechen. Da aber auch die Vibrationen dann zunehmen, belasse ich es „meistens“ bei max. 6.000 U/min. Aber sie kann es noch, wenn man möchte!

Das Getriebe verdient ein Sonderlob. Exakt schaltbar ohne Krachen, da kann sich so manche moderne Maschine dahinter nur verstecken! Außerdem: Leerlauf finden im Stand, kein Problem, einmal hoch und der Leerlauf ist drin, denn im Stand gehen nur der erste und Leerlauf – genial!

Neue Pneus haben das Fahrverhalten der Z 400J merklich verbessert

Auch das Fahrwerk ist nicht gar nicht mal so übel. Einzig die Bremsen wären heute nicht mehr zeitgemäß, trotz Umrüstung auf Stahlflex vorne, da die alten Bremsleitungen doch etwas „überaltert“ waren. Immerhin gelochte Doppelscheibe vorne, hinten Trommelbremse. Vor vier Jahren habe ich die Reifen erneuert. Die alten Pneus waren doch etwas rissig und hart. Ein klassisches Conti-Profil musste her. Das Fahrverhalten hat sich seit dieser Verjüngungskur spürbar verbessert.

Die kleine 400er teilt sich mit einigen anderen Motorrädern, jünger oder älter, schwächer oder stärker, die Garage und darf ab und an mit roter 07-Nummer auf Probefahrt oder zu Oldtimer-Treffen. Der pfleglichen Behandlung meines Vorbesitzers habe ich mich angeschlossen und meine Kawasaki Z 400 J jedes Jahr im Winter stillgelegt und im Frühjahr wieder zugelassen.
Da sie außerdem relativ selten ist, wird sie natürlich nicht verkauft – warum auch! Das freut den Fahrer, die Kawa und manche ältere Motorradfahrer, die sich noch an die Kawasaki Z 400 erinnern.

 

(Text, Bilder: Helmut Jaksch)

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