Rassiger Yamaha TX 750 Cafe Racer von Stefan Edmüller

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Bereits zu „Moped-Zeiten“ war Stefan Edmüller vom Schrauber-Fieber infiziert und wurde permanent von Umbauideen heimgesucht, die bei weitem nicht immer den finanziellen Möglichkeiten entsprachen. So musste sich bis 1984 bereits so manches Zweirad (von Jawa bis Zündapp) seinem Tatendrang beugen.

Jahre später entdeckte er bei einem befreundeten Leidensgenossen die sterblichen Überreste einer Yamaha TX 750. Das alte Motorrad war in einem erbärmlichen Zustand. Und es gab praktisch nichts, was nicht zerrissen, verbogen, eingedellt oder mit Sprühdose lackiert war. Lenker und Sitzbank waren bereits dem restlichen Zustand entsprechend fachgerecht durch Fremdteile ersetzt.

Die Ersatzteile deckten die Schwachstellen des Motors gnadenlos auf

Trotz des Anblicks kam ihm sofort der eine oder andere Testbericht sowie das Foto einer TX 750 auf der Cover-Rückseite der Zeitschrift MOTORRAD in den Sinn. Mit diesen Gedanken gab es dann schon auch Positives – denn das Ding war ja immerhin „schiebebereit“. Zudem gab es eine große Kiste Ersatzteile dazu, die zwar allesamt nicht mehr zu gebrauchen waren, aber immerhin die Schwachstellen des Triebwerks gnadenlos aufdeckten (mehrere gefressene Nockenwellen samt Lagerböcken, eingelaufene Lagerschalen und Ölpumpen, blaue Pleuel, usw.).

Wenige Tage später stand der angeschlagene Stier in seiner Garage neben seinen Kawas, einer KH 250 für die Straße und einem KX 250 Crosser.

Das Bild, was aus dieser Ruine einmal werden sollte, reifte rasch zu der Idee einen Yamaha TX 750 Cafe Racer zu bauen. Da die TX 750 aber vom Grundsatz her ein Tourer ist, war nun erst einmal planen, skizzieren und messen angesagt.

Thermischen Problemen vorsorgen

Die bekannten thermischen Probleme der Yamaha TX 750  würden sich bei sportlichem Einsatz des Gerätes vermutlich noch verschärfen. Um dem vorzubeugen, war Stefans Ansicht nach eine Vergrößerung des Ölvolumens unumgänglich, die er mit dem Bau eines neuen Öltanks realisierte. Mit der Unterbringung im Rahmenheck und der besonderen Form des Tanks versuchte Stefan Edmüller die „Lüfterwirkung“ des Hinterrades zur Kühlung zu nutzen. Dieser sehr aufwendige Teil des Umbaus, der ja nur auf Vermutungen basierte, wirkt sich in der Praxis sehr positiv aus. Selbst bei flottester Gangart, hochsommerlichen Temperaturen und ohne Ölkühler werden im Motorsumpf max. 100 °C Öltemperatur erreicht.

Yamaha TX 750 Cafe Racer
Stefan baute einen Ölkühler und verlegte die gesamte Elektrik neu (Quelle: Stefan Edmüller)

Der Wegfall des seitlich über den Rahmen ragenden Originaltanks ist auch optisch ein Gewinn, da sich das Motorrad in der Heckansicht erheblich schlanker und von der Seite mit fast freiem Rahmendreieck präsentiert.

Die Sitzposition von der KH 250 adaptiert

Um die perfekte Sitzposition zu realisieren, orientierte er sich an seiner Kawasaki KH 250. Mit Halbschalenverkleidung, Tomasellis, zurück verlegten Fußrasten und geänderter Sitzbank, bietet die kleine Kawa die ideale Haltung. Selbstredend, dass die relevanten Maße wie Sitzhöhe, Position der Fußrasten usw. möglichst übernommen werden sollten. Als die dafür erforderlichen Halterungen und Umlenkungen gefertigt waren, konnte mit dem Bau der 2-in-1 Auspuffanlage begonnen werden.

Als weitere Quelle thermischen Unheils machte Stefan die Auspuffverbindung genau vor den Luftdurchführungen des Zylinderkopfes aus. Der Sinn dieses Teiles war auch in Gesprächen mit anderen Schraubern nicht eindeutig zu klären.  Und so verzichtete er einfach darauf – nicht nur wegen der zu geringen Bodenfreiheit für die Krümmerverlegung, sondern auch wegen der drei Dichtungen. Aufgrund der unverhältnismäßigen Schraubendimension der Ölwanne mit Distanzring ließ er sich für seinen Yamaha TX 750 Cafe Racer eine einteilige Wanne mit geringerer Bauhöhe fräsen. Dies ist übrigens das einzige Teil des gesamten Umbaus, das mangels Fräse nicht von ihm selbst hergestellt wurde.

Nun ging es an den Formenbau für die GFK-Teile und deren Halterungen. Wenn auch noch unzählige Details zu lösen waren, so konnte man ab diesem Zeitpunkt endlich erkennen, dass sich in Bezug auf die Linienführung und Optik des ersehnten Yamaha TX 750 Cafe Racers Wunsch und Wirklichkeit immer näher kamen.

Yamaha TX 750 Cafe Racer
Der Yamaha Cafe Racer brauchte einige GfK-Teile (Quelle: Stefan Edmüller)

Standfestigkeit und Drehmoment für den TX 750 Motor

Bei der Überarbeitung des TX 750 Motors legte Stefan mehr Wert auf Drehmoment und Standfestigkeit als auf Spitzenleistung. So wurde die Nockenwelle in Bronze-Büchsen gelagert, sämtliche Teile feinbearbeitet und die Verdichtung geringfügig erhöht. Da er sich mit Unterdruckvergasern noch nie anfreunden konnte, fertigte er zwei neue Ansaugstutzen für 36er Dellortos mit Beschleunigerpumpe und bearbeitete Ansaug- und Auslasskanäle. Sowohl aus thermischen als auch optischen Gründen wurde das klassisch schöne LiMa-Gehäuse nicht mehr hinter einem Seitendeckel versteckt, sondern wie die meisten anderen Gehäuseteile überschliffen und poliert.

Den Ölfilter verlegte der Tüftler in den Motor und versah Zündung, Kupplungsschnecke sowie Kettenritzel mit neuen Abdeckungen. Für ein solches Motorrad zwar etwas untypisch, wurde nicht der E-Starter sondern der Kickstarter mitsamt Ritzeln und Welle über Bord geworfen.

Yamaha TX 750 Cafe Racer
Der TX 750 Motor bekam 36er Dellortos mit Beschleunigerpumpe und bearbeitete Ansaug- und Auslasskanäle (Quelle: Stefan Edmüller)

Eine etwas kleinere Batterie wanderte in einem neuen Alu-Träger soweit als möglich nach unten und der Rest der Elektrik unsichtbar unter den Tank. Im Zuge einer komplett neuen Verkabelung wurden in Verkleidung und Sitzbank je ein Zentralstecker eingebaut. Ab- und Anbau dieser Teile geht nun ohne Fummelei von statten. Tacho und Drehzahlmesser blieben original und wurden mit Zündschloss und einem Ölthermometer feststehend auf der vorderen Verkleidungshalterung befestigt.

Der Segen vom TÜV

Abgesehen von vielen, vielen Kleinigkeiten, die bis zur ersten Testfahrt im Mai 1985 noch gelöst werden mussten, wäre es das in groben Zügen gewesen, wenn da nicht noch die alles entscheidende Hürde, nämlich der Segen des TÜV, zu Meistern gewesen wäre.

Die erforderlichen Eintragungen führte ein wirklich interessierten Prüfer durch, der sich auch die gebotene Zeit (eine ausgiebige Probefahrt inbegriffen) nahm. Nach einer Phone-Messung und unter Berücksichtigung des Baujahrs gab es die heiß ersehnte Plakette. Seit diesem Tag blieb sein Yamaha TX 750 Cafe Racer praktisch unverändert. Lediglich eine kontaktlose Zündanlage hat Stefan nach einigen Jahren nachgerüstet.

Das Triebwerk überzeugt und Fahrleistungen wie Handlichkeit beeindrucken immer wieder. Der Motor zieht ab 2000 U/min ruckfrei und dreht selbst im 5. Gang problemlos in den roten Bereich. Nicht nur auf Land- und Passstraßen, sondern auch auf kurvenreichen Rennstrecken wie in Rijeka gab und gibt es immer wieder verdutzte Gesichter.

 

(Originaltext: Stefan Edmüller, kuratiert von Jens Schultze)

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