Yamaha YCS1 bis CS 5 – die mit dem krummen Hubraum

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Ab in die Nische – 180er „Bonanza“ für Einsteiger

In den 1960er Jahren entbrannte ein wahrer Kampf zwischen den vier großen japanischen Motorradherstellern. Jeder wollte seine Marktanteile durch permanent neue Modelle und Modellversionen ausbauen. Selbst die kleinste Nische schien attraktiv genug, um sich darin zu tummeln.

Genau in diese Zeit passt die YCS1. 1967 ergänzte Yamaha seine erfolgreiche Modellpalette mit Zweizylinder-Motorrädern um ein Nischenmodell mit „schrägen“ 180 ccm Hubraum. Als Yamaha die Maschine der Öffentlichkeit vorstellte, passt sie irgendwie in kein etabliertes Schema. Sie war keine 125er, aber auch keine 200er. Erst 1973 „korrigierte“ der führende Zweitakthersteller seine Modellpolitik. Aus der letzten Modellversion von 1972, der CS 5, wurde ein Jahr später die RD 200. Die in den USA liebevoll auch „Bonanza“ genannte Maschine war aber ein ideales Einstiegsmotorrad für alle, die flott, aber nicht mit Top-Speed unterwegs sein wollten.

Yamaha stattete seine Neukreation mit allen erdenklichen technischen Features aus, die seinerzeit en vogue gewesen waren. Leichtmetallzylinder mit Grauguss-Laufbuchsen gehörten ebenso dazu wie Doppelvergaser, die tausendfach bewährte „Autolub“-Getrenntschmierung sowie ein elektrischer Starter und eine Schaltbox mit fünf Gängen. Eine zuverlässige 12 Volt-Anlage versorgte die elektrischen Abnehmer mit ausreichend Spannung.

Mit ihrer leuchtend-roten Lackierung und den üppig verbauten Metallteilen machte das Chromjuwel schon vor über 40 Jahren eine extrem gute Figur. Für Fahrer mit einem Faible für hochgezogene Auspuffanlagen gab es auch eine Scramber-Version. Diese YCS1 C folgte rein äußerlich dem damaligen Zeitgeist, unterschied sich aber, vom Vergaser mit größerem Durchlass un bessserer Leistungsabgabe abgesehen, ansonsten nicht von der Straßenversion. Technisch waren beide voll auf der Höhe ihrer Zeit und brauchten sich mit ihrem günstigen Leistungsgewicht vor der größeren Konkurrenz nicht verstecken.

Mit 21 PS flott dabei

Mit weniger als 120 Kilogramm Trockengewicht und 21 PS besaß die kleine Zweitakt-Maschine ausreichend Power, um knapp 140 Sachen auf die Straße zu zaubern – solo versteht sich. Bei einer Bohrung von 50 Millimeter und einem Kolbenhub von 46 Millimeter ergab sich für den kleinen Parallel-Twin ein Hubraum von exakt 180,6 ccm. Gespeist wurden die Brennräume von zwei Mikuni-Vergasern vom Typ VM18SC (YCS1 C: VM20SC), welche die Ansaugluft über einen Papierfilter bezogen. Das Zweitakt-Arbeitsprinzip mit Umkehrspülung besorgten die Kolben und Zylinder aus Leichtmetall sowie jeweils fünf Kanäle. Der quicklebendige Motor entwickelte bei einer Verdichtung von 7,4:1 (YCS1 C: 6,8:1) eine Maximalleistung von 21 PS bei 8.000 U/min (YCS1 C: 7.500 U/min) sowie ein maximales Drehmoment von 19,7 Nm bei 7.000 U/min (YCS1 C: 6.700 U/min).

Wer wollte, konnte die kleine 180er ankicken oder ganz komfortabel per Knopfdruck zum Leben erwecken. Ein „Electric“-Aufkleber auf dem linken Seitendeckel machte stolz auf den technischen Fortschritt aufmerksam. Dank niedriger Handkräfte zur Betätigung der Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung und einer gut abgestuften Fünfgang-Schaltbox war es ein Kinderspiel die leichte Maschine auf bis zu 138 km/h hochzujubeln. Gut dosierbare Vollnaben-Trommelbremsen, vorn als kräftig zupackende Duplex-Bremse ausgelegt, brachten die Fuhre bei 50 km/h nach 12 Meter wieder sicher zum Stillstand.

Beim Fahrwerk setzte Yamaha auf Bewährtes aus anderen Hubraumklassen – Großserienfertigung sei Dank. Teleskopgabel mit farbigen Tauchhülsen, klassische Schwinge mit zwei Federbeinen und 18-Zoll-Räder vorn wie hinten waren die Zutaten, die bereits in der 250 ccm Klasse zuverlässig ihren Dienst verrichteten. Auffällig war der hohe und stark gekröpfte Lenker. Einzig bei Rahmen entschieden sich die Ingenieure für eine Einrohr-Variante mit unten offenem Unterzug. Der Motor diente somit als tragendes Element mit.

Die CS 3 wurde 1970 zur echten 200er

Drei Jahre nach Erscheinen der YCS1 brachte Yamaha 1970 die CS 3 auf den Markt. Um die Namensverwirrung zu komplettieren, bot Yamaha die neue Maschine außerhalb Europas auch als CS 200 an. Das „Y“ strich der Hersteller schon vorher.

Beim Design folgte die CS 3 ihrer Vorgängerin CS 2 von 1969. Der neue Tank fiel fließend in Richtung Sitzbank ab und besaß weder Chromwangen noch Kniegummis. Es gab eine neue Telegabel und Federbeine hinten. Die schicken Tauchhülsen gehörten ab sofort der Vergangenheit an. Tacho und Drehzahlmesser hatten in separaten Gehäusen Platz gefunden. Und die beiden Auspuffrohre verjüngten sich am Ende etwas. Neben der zivilen Straßenversion, hatte Yamaha wieder eine Scrambler-Variante in petto (sie trug das „C“ hinter der Versionsnummer). Mit breitem Lenker und hochgelegter Auspuffanlage mit Hitzeschutz unterschied sie sich aber kaum.

Die eigentliche Änderung fand jedoch im Motor statt. Die Ingenieure erweiterten die Zylinderbohrung von 50 auf 52 Millimeter und erreichten bei identischem Hub einen Hubraum von nun 195 ccm Volumen. Aus der 180er wurde eine 200er! Die maximale Leistung stieg unwesentlich auf 22 PS, stand aber schon bei 7.500 U/min zur Verfügung. Das Drehmoment legte auf 21,3 Nm bei 7.000 Touren zu. Die CS 3 erbte die Mikuni-Vergaser (Typ: VM20SC) von der ersten Scrambler-Variante. Für eine bessere Leistungsentfaltung spendierten die Techniker den Zylindern ein 5-Kanal-Design.

Dank des Primär-Kickstarters, konnte der Fahrer das Motorrad mit eingelegtem Gang und gezogener Kupplung antreten – soweit er auf den E-Starter verzichten wollte.

Neues Design für die CS 5 – optischer Gleichklang mit AS 3, DS 7 und R 5

Ende 1971 folgte die nächste Auflage. Allen Vorläufern zur RD-Baureihe verpasste Yamaha ein hubraum-übergreifendes Neu-Design mit schicker Zweifarbenlackierung. Das Purple-Metallic in Kombination mit Weiß stand der Yamaha CS 5 ausgesprochen gut. Zusammen mit dem neugestalteten Tropfentank und den kleineren Seitendeckeln kam die Neuauflage mit einem sportlich-schlanken Design daher. Technisch entsprach das Motorrad der CS 3 vom Vorjahr.

Tipps zum Gebrauchtkauf und Preisspiegel

Wer ein Schnapsglas weniger Hubraum nicht vermisst, findet in der Yamaha CS ein agiles und leichtes Oldtimer-Motorrad mit grundsolider Technik. Wird einer dieser seltenen Oldtimer angeboten, dann nicht als Schnäppchen. Rund 3.300 Euro und damit kaum günstiger als vergleichbare 250er (YDS-3 bis DS 6) sind bei einem Händlerangebot zu erwarten. Bei Interesse an einer CS lohnt der Blick nach Übersee. In den USA gibt es gut erhaltene Exemplare um die US-$ 3.900 zu kaufen. Solide Restaurationsobjekte werden US-$ 800 und 1.500 angeboten.

Allerdings kommen bei einem Oldtimer-Import noch einmal rund 1.600 Euro für Transport und Zoll obendrauf. Zu bedenken bleibt, dass eine Restauration inklusive Motorüberholung sowie Lack- und Chromarbeiten weitere 2.000 bis 2.500 Euro verschlingen kann. Meistens übersteigen dann die Gesamtkosten den tatsächlichen Wert einer solchen kleinen Maschine. Aber: Oldtimerfahren ist auch Herzensangelegenheit.

Technische Daten Yamaha YCS1 bis CS 5

  YCS-1CS 3CS 5
1. Fakten
Produktionszeitszeit1967 bis 19691970 bis 19711971 bis 1972
Nummerierung (Rahmen)CS1-00102 bis 18676
CS1-500101 bis 506520
CS3-000101 bis 005980CS3-100101 bis 111576
CS3-200101 bis 216570
FarbenCandy Red, Yamaha BlackCandy GreenMetallic Purple / White
Neupreisn/an/an/a
2. Motordaten
Motortyp2-Zylinder, 2-Takt2-Zylinder, 2-Takt2-Zylinder, 2-Takt
VentilsteuerungSchlitzsteuerung,
3 Kanäle
Schlitzsteuerung,
5 Kanäle
Schlitzsteuerung,
5 Kanäle
Nockenwellekeinekeinekeine
Hubraum180,6 ccm195 ccm195 ccm
Bohrung50 mm52 mm52 mm
Hub46 mm46 mm46 mm
Verdichtungsverh„ltnis7,4:17,1:17,1:1
Vergaser2 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 18 SC) mit 18 mm2 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 20 SC) mit 20 mm2 Mikuni-Rundschiebervergaser (VM 20 SC) mit 20 mm
3. Leistungsdaten
Leistung20 PS22 PS22 PS
bei Drehzahl8.000 U/min7.500 U/min7.500 U/min
Drehmoment19,7 Nm21,3 Nm21,3 Nm
bei Drehzahl7.000 U/min7.000 U/min7.000 U/min
Leistungsgewicht5,9 Kg/PS5,3 Kg/PS5,4 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit138 km/h140 Km/h135 Km/h
4. Abmessungen
Länge1.920 mm1.905 mm1.930 mm
Radstand1.245 mm1.245 mm1.245 mm
Leergewicht118 Kg116 KG119 Kg
5. Bremse
Bremse vornDuplex 180 mmDuplex 180 mmDuplex 180 mm
Bremse hintenSimplex 180 mmSimplex 180 mmSimplex 180 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKetteKette
StarterPrimär-Kickstarter, E-StarterPrimär-Kickstarter, E-StarterPrimär-Kickstarter, E-Starter

Bewertung

  • Design 8
  • Motorleistung 9
  • Kultfaktor 8
  • Seltenheit 8
  • Wertsteigerung 7
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Summary

Die kleine Bonanza-Maschine von Yamaha ist ein agiles und Motorrad mit grundsolider Technik und nicht mehr billig zu haben.

8.0 Score

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