Yamaha FJ 1100 – Kul-Tourer „an der Kette“

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Ende 1983, als Udo Lindenberg sein legendäres Konzert im Palast der Republik gab und der Personal Computer XT von IBM vorgestellt wurde, ein gewisser Oberstleutnant Stanislaw Petrow der Welt den „Allerwertesten“ rettete, stellte der zweitgrößte  Motorradproduzent Japans, Yamaha in Hamamatsu, sein Nachfolgemodell für die in Ehren „ergraute“ Wuchtbrumme XS 1100 S vor.

FJ 1100 mit Neuerungen am Fahrwerk

Das neue Supersport-Bike hörte auf den Namen FJ 1100 und hatte zahlreiche technische Neuerungen am Start. Der luft-/ölgekühlte Vierzylinder DOHC 16-Ventiler saß in einem neu konstruierten „Perimeter“-Rahmen oder auch „Lateral-Frame“ aus Rechteckprofilen, welche den Motor seitlich umschlossen und mit einem gerade Verbindungsstrang den Lenkkopf direkt mit der Schwingenlagerung verband. So sollte die alte Rahmenschwäche der XS 1100 im Vorhinein eliminiert werden, was so auch hervorragend gelang.

Ebenso neu war die rahmenfeste Halbschalenverkleidung, die erfolgreich den Winddruck von Kopf und Brust nahm.

Der Kraftprotz verfügte über einen Hubraum von 1.097 ccm, produzierte offen 125 PS (in Deutschland 100 PS aufgrund der freiwilligen Selbstverpflichtung der Hersteller und wegen der Versicherungseinstufung), drückte 87 NM auf die Kurbelwelle und gab seine Kraft mittels 5-Gang-Getriebe über eine O-Ring-Kette ans 16-Zoll-Hinterrad ab. Im Gegensatz zum Vorgängermodell wurde die Kupplung hydraulisch betätigt.

In der mit Anti-Dive-Vorrichtung ausgerüsteten Teleskop-Gabel drehte sich, der damaligen  Mode folgend, ebenfalls ein 16-Zoll-Vorderrad, welches mit zwei innenbelüfteten, hydraulischen Scheibenbremsen verzögert wurde. Hinten wurde das von einem Zentralfederbein geführte Hinterrad mit einer Scheibenbremse im Zaum gehalten. Innovativ waren ebenfalls die sintermetallischen Bremsbeläge.

Das Gesamtgewicht konnte durch das neue Antriebs- und Rahmenkonzept so auf 259 kg gesenkt werden, da ja die ursprüngliche Positionierung als Supersport-Bike geplant war. Immer mehr Tourenfahrer erkannten aber die Stärken dieses Konzepts und rüsteten die Maschine mit Seitenkoffern und Top-Cases nach, zumal der Tankinhalt von etwas über 24 Liter einen großen Aktionsradius ermöglichte.

Prominente Mitbewerber

Neben der Kawasaki GPZ 900 R standen als Mitkonkurrenten noch die Suzuki GSX 1100 F mit der höhenverstellbaren Frontscheibe und Hondas VF 1000 F  (I oder II) als „Halb- oder Vollschalentier“ in den Startblöcken für das Rennen um die Käufergunst. Rückblickend betrachtet, war die Positionierung der hier aufgezählten Motorräder als Supersport-Bikes im Vergleich zu heutigen Maschinen natürlich mehr als schmeichelhaft (Cindy aus Marzahn wird eben keine grazile Ballerina !); einzig die KAWASAKI war aufgrund ihrer Agilität auch sportlicher zu bewegen. Gegen diese arrivierte Gegnerschaft machte YAMAHAs jüngster Tourensportler FJ 1100 jedoch durchweg eine gute Figur.

Gebrauchtmarkt der Yamaha FJ 1100

Die mit den Farbschemen weiß-rot-weiß oder blau-weiß-blau angebotene, halbverkleidete FJ 1100 Typ 47E wurde nur 1984 und 1985 in Deutschland verkauft und zwar exakt 3.276 mal, danach erfolgte eine behutsam modellgepflegte Nachfolge mit der FJ 1200 (siehe Foto).

Das KBA verzeichnet noch 457 Stück zugelassene Exemplare, meistens mit anderen Farbschemen und häufig mit nachgerüsteter 4-1-Auspuffanlage; originale und unverbastelte Motorräder dieses Typs bilden da eher die Ausnahme.

Der Motor ist, wie schon beim Vorgänger, ein absoluter Langläufer, dem selbst mehr wie 200.000 km nichts anhaben können, vernünftige Wartung und Pflege vorausgesetzt. Typische Schwächen zeigen die korrosionsanfällige 4-2-Auspuffanlage der Originalausstattung sowie die bei hoher Laufleistung nachlassende Kupplung und eine zu Vibrationsrissen neigende Verkleidung. Kleinere Probleme also im Vergleich zu manch anderem Bike.

Da ansonsten bei „Mr. Zuverlässig“ die kurze Bauzeit und die überschaubare Verkaufszahl mehr im Vordergrund steht, kann der Besitz eines gepflegten Exemplars in Originalausstattung einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hier treffen nämlich alle Anlagen für einen zukünftigen Klassiker zu.

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