Suzuki GT750 – Ein „Wasserbüffel“ auf sportlicher Tour

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Das Fahrwerk der Suzuki GT750 zeigte Schwächen

Der Doppelschleifen-Rohrahmen nahm am Lenkkopf eine hydraulisch gedämpfte Telegabel mit 35 mm Standrohren und 110 Millimeter Federweg auf. Eine doppelte Duplexbremse mit gewaltigen 200 mm Durchbesser hielt nicht was sie optisch versprach, weshalb Suzuki beim ersten Modellwechsel mit einer Doppelscheibenbremse am Vorderrad nachbesserte.

Hinten arbeitete eine Doppelschwinge mit zwei fünffach verstellbaren Federbeinen und jeweils 70 Millimeter Federweg. Dieses „Paket“ kritisierten Tester seinerzeit, da die Dämpferabstimmung zu weich ausfiel und die Schwingenlagerung das Hinterrad nicht präzise führte. Grund dafür waren die verwendeten Kunststoffbuchsen, ebenso wie die Kugellager am Lenkkopf. Oft setzten Hauptständer und Schalldämpfer bei sportlicher Kurvenhatz auf der Straße auf. Hinten verzögerte eine seilzugbetätigte Trommelbremse.

Während der fünfjährigen Bauzeit wurde die Suzuki GT 750 in jährlichem Turnus modifiziert, wobei die meisten Pflegemaßnahmen überwiegend kosmetischer Natur („L“ und „A“) waren.

  • 1972: das erste Modelljahr, die GT 750 J, kam mit den störanfälligen Doppel-Duplexbremsen auf den Markt.
  • 1973: die GT 750 K erhielt 295 mm große Doppelscheibenbremsen vorn.
  • 1975: die nächste technische Änderung erfolgte bei der GT 750 M am Zylinderkopf, dazu gehörten verkleinerte Einlasskanäle, eine dünnere Zylinderkopfdichtung (0,8 mm gegenüber 1,5 mm) und eine auf 6,9:1 erhöhter Verdichtung. Die Staubkappen ersetzten die Faltenbälge an der Telegabel. Das Material der Kupplungsscheiben wurde verbessert.
  • 1977: die letzte GT 750 B wurde optisch modernisiert und erhielt Anleihen von der GS 750 (Schutzbleche, Rücklicht). Die Seitendeckel, der Scheinwerfer und Scheinwerferhalter waren nun schwarz. Technische Verbesserungen betrafen den Schalter für die Ganganzeige und Dichtung des Kurbelgehäuses. Die Motorleistung sank von 67 auf 63 PS bei 6.500 U/min.

Typische GT 750 „Wasserbüffel“ Problemzonen und Kaufberatung

Die Suzuki GT750 hatte schon zu Auslieferungszeiten einige Problemzonen dabei. Bei den ersten „Wasserbüffeln“ kam es zu Schäden an der mehrteiligen Kurbelwelle und den Pleuellagern. Die Unterbringung der Zündung auf dem linken Kurbelwellenstumpf stellte eine weitere Schwachstelle dar und sorgte für eine Verstellung des Zündzeitpunktes. Vibrationen der Kurbelwelle schlugen die Lagerung des Unterbrechernockens aus.

Verschlissene Schaltklauen führten dazu, dass insbesondere der zweite und dritte Gang gerne heraussprang. Probleme bereitete auch anfangs die Abdichtung der vor dem Kurbelgehäuse sitzenden Wasserpumpe zum Getriebe, weshalb Kühlwasser im Getriebeöl zu finden war. Ansonsten arbeitete das Kühlsystem zuverlässig.
Störanfällig verhielt sich auch die Lichtmaschine. An den Schleifkohlen der Lichtmaschine rissen die Kupferlitzen ab, was die Batterieladung beeinträchtigte.
Die Drei-in-vier-Auspuffanlage litt unter Materialermüdung mit der Folge, dass Schweißnähte an den zu dünn ausgelegten Blechen rissen oder sich Endstücke sogar lösten. Die anfänglichen Verbindungsrohre zwischen den Krümmern krankten an Undichtigkeiten.

Langjährige Fahrpausen induzieren Standschäden unterschiedlichster Art. Vor allem härten gerne Dichtungen (z.B. Telegabel Simmerringe, Dichtringe an den Kurbelwellenlagern) und Gummiteile (z.B. Vergasermembrane und Reifen) mit der Zeit aus. Die Auspuffrohre rosten von innen nach außen durch und sind als Originalteile nicht mehr verfügbar. Auch Kupplungsdefekte sind ein häufigeres Phänomen und reichen von einem verschlissenen Kupplungskorb bis hin zu einem abgerissenen Verstärkungsring mit entsprechenden Schäden am Motor. Hier hatte die Modellpflege nur wenig Verbesserung an dem Motorrad gebracht.

Von 1972 bis 1976 liefen ungefähr 65.700 „Büffel“ vom Band. Laut Classic Data liegen die Preise für diesen Motorrad-Oldtimer mit der Note 5 bei 1.100 Euro und reichen bis 7.500 Euro für eine exzellentes Sammlerstück. Beliebt und selten sind, trotz Schwächen, vor allem die frühen Modelle mit Duplexbremse. Hohe Laufleistungen machen der größten GT nichts aus, sprechen doch Kolbengeschwindigkeit und Literleistung des Motorkonzeptes für 100.000 Kilometer und mehr.

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