Kawasaki Z 200 – Es lebe die Enthaltsamkeit!

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Das „Zettchen“ findet seine Freunde

Zwischen den sonst so potenten Kawasaki-Zweirädern nahm sich die Z 200, im Herbst 1976 auf der IFMA vorgestellt, von Anfang an zurück. Doch schon im ersten Jahr auf dem Markt wurde sie zu einem beliebten Einstiegsmotorrad in der Versicherungsklasse bis 17 PS. Mit ca. 360 DM jährlicher Versicherungsprämie war die kleine Kawasaki extrem günstig im Unterhalt.
Stärkere Motoren waren wesentlich teurer und so frohlockten sparsame Biker, für die das Zweirad oft den täglichen Bus, die Bahn oder ein Auto ersetzte. Dieses ließ sich auch in den Zulassungszahlen erkennen, gehörte der kleine Einzylinder-Viertakter doch zu den acht meist angemeldeten Zweirädern bis 17 PS. Rund 30 Prozent aller 1978 ausgelieferten Z 200 wurden zudem von Fahrschulen geordert – ein Kompliment an das nur 145 Kilogramm wiegende Zettchen. Wer die kleine Kawasaki sein Eigen nennen wollte, musste Ende 1977 einen Händlerpreis von 2.950 DM berappen.

Vier Jahre nach ihrem Debüt trat bereits die Kawasaki Z 250 C mit einem Schnapsglas mehr Hubraum die Nachfolge des „Zettchens“ an.

Bitte keine Höchstleistungen

Der einfach aufgebaute, fahrtwindgekühlte Viertakt-Eintopf (Bohrung x Hub: 66 mm x 58 mm) mit einer obenliegenden Nockenwelle und nur zwei Ventilen schöpfte aus 197 ccm Hubraum eine Leistung von 17 PS bei 8.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 15,3 Nm lag bei 7000 U/min an.

Ein Keihin-Vergaser mit 26 mm Durchlass übernahm die Gemisch-Aufbereitung und bezog seine Ansaugluft aus einem ringförmigen Trockenluftfilter. In mehreren Tests und Vergleichen mit der Konkurrenz fiel der geringe Durst der Z 200 auf – kaum mehr als 4,5 Liter auf 100 Kilometer genehmigte sich das Triebwerk und so gewährleistete der 9,3 Liter fassende Tank einen Aktionsradius von 200 Kilometern. Das kleine OHC-Triebwerk verlangte nach Drehzahlen und sorgte im unteren Drehzahlbereich für wenig Begeisterung. Entsprechend schlecht fielen Beschleunigung und Elastizität bei der Kawasaki Z 200 aus. Über 16 Sekunden vergingen, bis die 100 km/h Marke erreicht war. Das konnte die Konkurrenz jener Tage deutlich besser. Immerhin schaffte die Maschine eine angestrengte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, wenn der Pilot sein Kinn Richtung Tank presste. Hier versprach der gut ablesbare Tachometer mit seiner 140 km/h Skala mehr als das Motorrad in der Praxis halten konnte.

Auf der linken Motorseite saß neben der Lichtmaschine auch der Anlasserfreilauf. So konnte die Z 200 neben dem Kickstarter auch bequem elektrisch gestartet werden. Ein Fünfganggetriebe mit einer Mehrscheibenkupplung in Ölbad übertrug die Antriebskraft über eine Kette an das Hinterrad. Die elektrische Versorgung übernahm eine herkömmliche 12V Batterie-Spulen-Zündung. Auf eine moderne kontaktlose Version verzichtete Kawasaki bei seinem Einstiegsmodell in die Viertaktwelt.

Das Fahrwerk – stabil, aber nicht leicht

Die kleine Kawa begnügte sich mit einem stabilen Zentralrohrrahmen. Erst hinter dem Motor gabelte sich das dicke Frontrohr in einen doppelten Unterzug. Zur weiteren Versteifung verschweißten die Techniker eine horizontale Strebe zwischen Steuerkopf und oberen Zentralrohr. Die hinteren Fahrwerkskomponenten bestanden aus einer in Stahlbuchsen gelagerten Doppelschwinge nebst zweier Federbeine mit 70 mm Federweg. Vorn verrichtete eine hydraulisch gedämpfte Telegabel mit 120 mm Federweg ihren Dienst.

Auch wenn die Z 200 mit 145 Kilogramm trocken kein Leichtgewicht war, präsentierte sich ihr Fahrwerk auf der Straße komfortabel, handlich und gut zu beherrschen. Für entsprechende Verzögerung sorgte die 205 mm messende, links sitzende Scheibenbremse am Vorderrad (2.75-18), während am Hinterrad (3.25-17) eine standfeste Trommelbremse verzögerte.
Das Zettchen gab es in den Farben Rot, Dunkelblau, Schwarz und Grün.

Ab dem Modelljahr 1978 verbaute der viertgrößte Motorradhersteller eine verstärkte Kupplung und änderte den Zündzeitpunkt. 1979 wurde aufgrund von Schadenfällen die Nockenwellenlagerung im Zylinderkopf verbreitert.

Auf Basis der Z 200 brachte Kawasaki auch kurze Zeit später eine Einsteiger-Enduro auf dem Markt, die KL 250.

Kawasaki Z 200 Prospekt

Einfach Bild anklicken:

Kawasaki Z 200 Prospekt
Titelseite Kawasaki Z 200 Prospekt (Quelle: Kawasaki)

Tipps zum Gebrauchtkauf und Preisspiegel

Wer das Zettchen übermäßig ran nahm, bekam oft die Quittung in Form von Nockenwellen- und Zylinderkopfschäden. Kawasaki reagierte mit einer verstärkten Lagerung der Nockenwelle. Tuning jeglicher Art bekam nicht gut, sonst war der Reiskocher nach nur wenigen Tausend Kilometer am Ende. Eine Rennmaschine war der kleine Oldi nun nicht gerade.

Wer sich eine Kawasaki Z 200 kaufen möchte, wird lt. Classic-Data für diesen Oldtimer im Top Zustand rund 2.900 Euro berappen müssen. Es gibt sie aber auch schon für drei grüne Scheinchen.
Beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) sind gerade einmal 419 Exemplare registriert.

Kawasaki Z 200 – technische Daten

  Z 200
1. Fakten
Produktionszeit1976 bis 1979
Nummerierung
FarbenRot, Dunkelblau, Schwarz, Grün
Neupreis2.988 DM
2. Motordaten
Motortyp1-Zylinder, 4-Takt
VentilsteuerungOHC, 2 Ventile
Nockenwelle1 obenliegend
Hubraum197 ccm
Bohrung66 mm
Hub58 mm
Verdichtungsverhältnis9,0:1
Vergaser1 Keihin-Vergaser mit 26 mm Durchlass
3. Leistungsdaten
Leistung17 PS
bei Drehzahl8.000 U/min
Drehmoment15,3 Nm
bei Drehzahl7.000 U/min
Leistungsgewicht8,5 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit110 km/h
4. Abmessungen
Länge
Radstand1.280 mm
Leergewicht145 Kg
5. Bremse
Bremse vorn1 Scheibe mit 205 mm
Bremse hintenSimplex mit 140 mm
6. Antrieb
Getriebe5-Gang Fußschaltung
AntriebKette
StarterKickstarter, E-Starter

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