Kawasaki 500 H1 Mach III – Der Witwenmacher

2

Sharing is caring!

Kawasaki H1
Der H1-Motor wird von drei Mikunis gespeist (Quelle: Nippon-Classic.de)

Rekordverdächtige 120 PS Literleistung

Wie die Motoren der kleineren Familienmitglieder KH 250 oder 350 S2 Mach II besaß auch die Kawasaki H1 Mach 3 einen luftgekühlten Dreizylinder-Zweitaktmotor mit Schlitzsteuerung. Die Kurbelwelle war 6-fach gelagert. Am rechten Kurbelwellenflansch sitzt das Primärantriebsritzel und die Kolben-Ölpumpe (Kawasaki-Injectolube) für die Frischölschmierung, linksseitig der Rotor der Lichtmaschine. Zudem verbauten die Techniker bereits eine kontaktlose Zündanlage.

Die nackten Fakten lassen die turbinenartige Kraftentfaltung des Reihendreizylinders nur erahnen. Aus einem Hubraum von 498 ccm leistete der Motor bei einem Verdichtungsverhältnis 6,8:1 ein maximales Drehmoment von 53 Nm (später 51 Nm) bei 6.500 U/min. Die Maximalleistung von 60 PS bei 7.500 U/min (später 50 PS bei 7.000 U/min) war für damalige Verhältnisse ein Spitzenwert und stellte deutlich größere Motorräder englischer Herkunft deutlich in den Schatten. Hochgerechnet verfügte die Mach III über eine phänomenale Literleistung von sagenhaften 120 PS!

Der Kraftfluss ging über den Primärantrieb/ Mehrscheibenkupplung in Ölbad zum klauengeschalteten 5-Gang-Getriebe, von dort aus über Kette auf der linken Fahrzeugseite zum Hinterrad. Das Getriebe hatte eine Besonderheit: der Leerlauf lag ganz unten, das Suchen zwischen dem 1. und 2. Gang entfiel. Die „Achillesferse“ der Kawasaki H1 war ihr unbändiger Durst – sie soff wie ein Loch. Bei sportlicher Fahrweise jenseits 6.000 U/min, wo die wirkliche Leistung (und Vibrationen) erst anstanden, schnorchelten die drei Mikunis (Typ: VM 28 SC) mal locker 10 bis 13 Liter Benzin pro 100 km aus dem Tank. Das führte wiederum zu einer Zwangspause spätestens alle 100 Kilometer an der Tankstelle – und das zu Zeiten der aufkommenden Ölkrise.

Kawasaki 500 H1 Mach 3 / KH 500
Die Kawasaki 500 H1 gönnte sich auch mal bis zu 13 Liter auf 100 Kilometer (Quelle: Nippon-Classic.de)

Die Kawasaki H1 leistete sich massive Fahrwerksschwächen

Grundgerüst der H1 war ein Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, der mit Blechformteilen in der Lenkkopfpartie verstärkt wurde und keinen Grund zur Beschwerde gab. Trotzdem kam es im Fahrbetrieb zu Verwindungen. Schuld waren eindeutig die Kunststoff-Lagerbuchsen der Hinterradschwinge, die durch Ausschlagen ein sauberes Laufen des Hinterrades verhinderten. Abhilfe schafften Messinglaufbuchsen.

Die Teleskopgabel als auch die hinteren Federbeine waren im Normalgebrauch viel zu hart, bei schlechter Strasse schaukelte die Maschine auf und der Lenkungsdämpfer hatte alle Arbeit, das Vorderrad nicht verreißen zu lassen. Wie auch schon bei den kleineren Mach-Modellen ließ sich der Komfort durch Koni-Federbeine erhöhen.
Die vordere Scheibenbremse verzögerte unter Normalbedingungen akzeptabel, bei stärkerer Beanspruchung ließ die Wirkung schon spürbar nach. Auch bei Regenfahrten taten alle Fahrer gut daran, während der Fahrt durch geringes Anbremsen der Scheibenbremse den Wasserfilm auf der Bremsscheibe zu beseitigen, um im Ernstfall eine schnellere Bremswirkung erzielen zu können. Das Hinterrad wurde durch eine belüftete Leichtmetall-Trommelbremse verzögert, deren Belüftung sich witterungsbedingt schließen ließ.

Nächste Seite: Modellpflege und Tipps zum Gebrauchtkauf

1 2 3 4

Discussion2 Kommentare

  1. Pingback: Kawasaki 750 H2 (1971 bis 1975)

  2. Pingback: Yamaha RD 350 / RD 400 (1973 bis 1979)

Leave A Reply