Honda CL 350 – amerikanischer Trendsetter aus Japan

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Die CL 350 setzte voll auf den Scrambler-Boom

Die Motorradindustrie der 60er Jahre setzte auf einen in den USA entstandenen Modetrend: Motorräder mit grober Bereifung, hochgelegter Auspuffanlage und breitem Lenker waren total angesagt. Denn Ausfahrten am Strand gehörten zum beliebten Freizeitvergnügen der Jugend. Ein normales Straßenmotorrad kam hier nicht weit.

Obwohl die Änderungen gegenüber der CB 350 K Straßenversion überwiegend optischer Natur waren, traf die Honda CL 350 Scrambler genau den Geschmack der amerikanischen Käufer jener Zeit.
Honda offerierte schon Ende der 1960er Jahre ein breites Scrambler Modellprogramm in verschiedenen Hubraumklassen. Die kleinste war die CL 100. Ihr folgten die CL 125, CL 175, CL 200, CL 250, CL 350 sowie CL 450. Aber auch kleinere Versionen mit 50, 70 und 90 ccm Hubraum baute Honda auf Basis des alten „T-Bone“ Pressstahlrahmens.

Der großen Nachfrage nach „Dirt Bikes“ begegnete der japanische Motorradhersteller Anfang der 1970er Jahre zusätzlich mit einer geländegängigen „Enduro“-Variante. Die stollenbereiften „SL“ Maschinen gab es in allen Hubraumklassen von 90 ccm Hubraum bis hin zur SL 350. In den USA wurde die SL 350 unter dem Namen „Motosport 350“ vermarktet.
Es dauerte noch einige Jahre bis Offraod-Motorräder auch hierzulande populär wurden. Bis Anfang der 1970er Jahre wurde diese Art von Motorrädern in Deutschland mehr und minder ignoriert.

Motor und Antrieb aus der CB 350 übernommen

Sowohl CL als auch SL 350 teilen sich den Motor der CB-Straßenversion.
Der fahrtwindgekühlte Zweizylinder-Viertakt-Motor verfügt über einen Hubraum von 325 ccm. Honda vergrößerte im Vergleich zur CB 77 die Bohrung von 60 auf 64 Millimeter und verkürzte den Hub von 54 auf 50,6 Millimeter.

Gegenüber ihrem Straßen-Pendant mit 36 PS Maximalleistung, leistete die CL 350 nur 33 PS, die aber bereits bei 9.500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung standen. Honda erhöhte zudem das maximale Drehmoment von 25 auf 26,4 Nm. Hierfür reichten 8.000 statt 9.500 U/min aus. Die Verdichtung von 9,5 : 1 behielt Honda von der CB bei.
Der Motor ist als 180-Grad-Twin im Gegenläuferprinzip ausgelegt. Durch die wechselseitig laufende Kolben wurden wesentliche Schwingungen ausgeglichen, die typischerweise gleichlaufende Zweizylinder-Motoren mit sich bringen.

Die Kraftstoffzufuhr erfolgte über zwei Keihin-Gleichdruckvergaser. Bei diesen „Constant Velocity“ (CV)-Vergasern werden nur die Drosselklappen vom Gasdrehgriff direkt gesteuert. Den Unterdruck im Ansaugtrakt zwischen Vergaser und Einlassventilen steuert dann Schieber (Kolben) und Düsennadeln. Im Unterschied dazu erfolgt bei Rundschiebervergasern die Steuerung der Kolben direkt über den Gasgriff.

Der OHC-Motor besitzt eine oben liegende Nockenwelle, die per Kette angetrieben wurde. Kipphebel übertrugen die Nockenbewegung auf die beiden Ventile je Zylinder.
Die CL 350 war ihrer kleinen Schwester CL 250 klar überlegen. Bei identischem Trockengewicht von 157 Kilogramm bot sie deutlich bessere Fahrleistungen (33 statt 27 PS bzw. 26,4 statt 20,3 Nm). Die Höchstgeschwindigkeit war mit 160 km/h angegeben.

CL 350 Scrambler – Besonderheiten und Spezifikationen

Im direkten Vergleich zur CB 350 K hatte die CL 350 ein paar Besonderheiten zu bieten:

  • Die Auspuffanlage war auf der linken Seiten nach oben gelegt.
  • Das Vorderrad war in 19 statt 18 Zoll ausgelegt.
  • Bei den CL Scrambler-Modellen blieb die Duplex-Trommelbremse am Vorderrad während der gesamten Bauzeit bestehen. Zudem gab es mit Markteinführung der K0 eine Telegabel mit Gummikappen anstelle der Tauchhülsen der CB 350.

Während der Bauzeit variierte Honda die Lackierungen, Tankdekore und Schriftzüge in der sechsjährigen Bauzeit:

  • Bereits die K0 verzichtete auf Kniegummis am Tank, die bei der Straßenversion CB erst mit dem K1 Modell wegfielen. Die Seitendeckel waren in weiß gehalten.
  • Ab CL 350 K2 (1970) gab es keine zweifarbigen Lackierungen mehr.
  • Mit dem Modelljahr 1971 (K3) übernahm Honda die Farbtöne der CL 450 und wich bei den Lackierungen von den CB-Modellen ab.

Kaufberatung, Preisspiegel und typische Schwachstellen

Honda verkaufte von allen drei Modellen (CB, CL und SL 350) insgesamt über 625.000 Maschinen, davon allein 325.000 Offroad-Motorräder.
Die USA waren der überwiegende Absatzmarkt der frühen CL-Modelle. Nur wenige Exemplare aus den 1970er Jahren fanden Ihren Weg nach Deutschland. In den USA ist daher ein akzeptabler Oldtimer-Bestand noch vorhanden.
Die Preisen bewegten sich nach eigener Recherche Anfang 2014 zwischen:

  • 800 US-$ mit guter Restaurationsbasis bis hin zu
  • 2.000 US-$ für gepflegte Exemplare mit unter 6.000 Meilen.

Der Zwei-Zylinder-Motor gilt als sehr zuverlässig und robust. Die Motorleistung stand zudem bei den CL Modellen bei niedrigeren Drehzahlen bereit. Im Fall einer unregelmäßigen oder unsachgemäßen Wartung können – auch bei geringer Laufleistung – trotzdem Kolben oder Kolbenringe eingelaufen sein. Entsprechende Kolben bzw. Kolbenringe in Übergrößen von +0,25 mmm bis +1,0 mm sind jedoch immer noch als Neuteile verfügbar. Der Ölfilter und Sieb sollten unbedingt regelmäßig kontrolliert werden, um Motorschäden vorzubeugen.
An der Elektrik fallen vereinzelt die Lichtmaschine und der Regler aus.

Klimatisch bedingt ist davon auszugehen, dass Rostbefall bei Oldtimer-Motorrädern aus den USA keine Rolle spielt. Bei Bikes aus Europa kann Rost an Speichen, Schutzblechen, Auspuff und im Tank vorkommen.

Typisch sind auch Ablagerungen von altem Benzin im Tank, Benzinhahn und Vergaser vor. Letztere lassen sich mit einer Ultraschallreinigung wieder aufbereiten. Grundsätzlich ist auch auf sog. „Standschäden“ zu achten, die selbst für restaurierte Oldtimer typisch sind. Dichtungen am Motor werden mit der Zeit trocken und hart. Nach einigen Kilometern verliert der Motor dann Öl.

Technische Daten Honda CL 350

  Honda CL 350 K0, K1Honda CL 350 K2Honda CL 350 K3Honda CL 350 K4Honda CL 350 K5
1. Fakten
Produktionszeit1968 bis 1969197019711972-731973
NummerierungK0: CL350-1000001
K1: CL350-1033994
CB350-2000001CL350-3000001CL350-4000001CL350-5000001
FarbenCandy Blue / White, Candy Red / White, Daytona Orange / WhiteCandy Sapphire Blue, Candy Topaz Orange, Candy Ruby RedCandy Topaz Orange, Strato Blue Metallic, Poppy Yellow MetallicCandy Panther Gold, Magna RedHawaiian Blue Metalic, Light Ruby Red
Neupreis
2. Motordaten
Motortyp2-Zylinder-4-Takt2-Zylinder-4-Takt2-Zylinder-4-Takt2-Zylinder-4-Takt2-Zylinder-4-Takt
VentilsteuerungSOHC, KetteSOHC, KetteSOHC, KetteSOHC, KetteSOHC, Kette
Nockenwelle1 obenliegend1 obenliegend1 obenliegend1 obenliegend1 obenliegend
Hubraum325 ccm325 ccm325 ccm325 ccm325 ccm
Bohrung64,0 mm64,0 mm64,0 mm64,0 mm64,0 mm
Hub50,6 mm50,6 mm50,6 mm50,6 mm50,6 mm
Verdichtungsverhältnis9,5:19,5:19,5:19,5:19,5:1
Vergaser2 Keihin Gleichdruckvergaser (CV)2 Keihin Gleichdruckvergaser (CV)2 Keihin Gleichdruckvergaser (CV)2 Keihin Gleichdruckvergaser (CV)2 Keihin Gleichdruckvergaser (CV)
3. Leistungsdaten
Leistung33 PS33 PS33 PS33 PS33 PS
bei Drehzahl9.500 U/min9.500 U/min9.500 U/min9.500 U/min9.500 U/min
Drehmoment26,4 Nm26,4 Nm26,4 Nm26,4 Nm26,4 Nm
bei Drehzahl8.000 Nm8.000 Nm8.000 Nm8.000 Nm8.000 Nm
Leistungsgewicht4,8 Kg/PS4,8 Kg/PS4,8 Kg/PS4,8 Kg/PS4,8 Kg/PS
Höchstgeschwindigkeit160 km/h160 km/h160 km/h160 km/h160 km/h
4. Abmessungen
Länge2.100 mm2.100 mm2.100 mm2.100 mm2.100 mm
Radstand1.320 mm1.320 mm1.320 mm1.320 mm1.320 mm
Leergewicht157Kg157Kg157Kg157Kg157Kg
5. Bremse
Bremse vornDuplexDuplexDuplexDuplexDuplex
Bremse hintenSimplexSimplexSimplexSimplexSimplex
6. Antrieb
Getriebe4-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung5-Gang Fußschaltung
AntriebKetteKetteKetteKetteKette
StarterKickstarter, E-StarterKickstarter, E-StarterKickstarter, E-StarterKickstarter, E-StarterKickstarter, E-Starter

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